Knatsch mit Politik und Verwaltung: Umweltschützer schmeißen hin

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Bei dem Streit geht es auch um den Geithewald: Der Kreuzweg dort sei nicht schützenswert, finden die ausgetretenen Mitglieder des Naturschutzbeirats.

Aus Protest haben fünf ehrenamtliche Umweltschützer nach jahrelanger Zugehörigkeit den Naturschutzbeirat der Stadt Hamm verlassen. Sie erklärten, dass die das Gremium für sinnlos halten. Die Stadt Hamm versucht, die Vorwürfe zu entkräften.

Hamm – Die anhaltende Unzufriedenheit einer Gruppe ehrenamtlicher Umweltschützer mit der Arbeit der Stadt Hamm auf diesem Gebiet hat jetzt personelle Konsequenzen. Ulrich Schölermann, Gerd Köpke, Wolfgang Pott, Peter Schäfer und Elke Herold sind teils nach Jahrzehnten der Tätigkeit mit sofortiger Wirkung aus dem 16-köpfigen Beirat bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt Hamm zurückgetreten.

Die fünf Abtrünnigen haben dazu ein Schreiben an die Stadt verfasst. Darin zeigen sie sich frustriert von der Zusammenarbeit mit der städtischen Politik sowie den Behörden. Man fühle sich nicht ernst genommen und setze mit den Rücktritten ein Zeichen. „Ablehnende Stellungnahmen des Beirats für die Erteilung von Befreiungen und Ausnahmen von Geboten und Verboten zum Schutz von Biotopen – sogar einstimmig gefasste – werden fast ausnahmslos übergangen und vom Rat der Stadt Hamm überstimmt“, heißt es inhaltlich zusammenfassend.

Offiziell beteiligt, aber faktisch ignoriert

Und weiter: „Wir wollen kein Feigenblatt dafür sein, dass die Stadt die vorgeschriebenen Beteiligungen des Beirats de jure durchführt, die Entscheidungen des Beirats aber de facto ignoriert.“ Gleichzeitig betonen alle fünf den Willen, weiterhin ehrenamtlich für effektiveren Naturschutz in Hamm arbeiten zu wollen.

Das Fass zum Überlaufen brachten fehlerhafte oder falsche Informationen im Zusammenhang mit den Planungen des Recyclingunternehmens Reiling auf dem DuPont-Gelände in Uentrop – und 14 angeblich schützenswerte Betonklötze eines Kreuzwegs im Geithewald, ergänzt Schölermann in einer Pressemitteilung. „Die amtlichen Naturschützer finden beides klasse, wir ehrenamtlichen Naturschützer nicht!“

Ulrich Schölermann gehörte dem Beirat lange an und kehrte ihm nun den Rücken: "Wir wollen kein Feigenblatt sein".

Drei Personen werden unmittelbar für die Negativ-Entwicklung verantwortlich gemacht: „Insbesondere nach den personellen Umbesetzungen des Dezernenten für Umwelt, des Umweltamtsleiters und des Leiters der Unteren Naturschutzbehörde haben sich diese unsere Eindrücke noch verstärkt.“ Die drei Angesprochenen – Jörg Mösgen, Dr. Oliver Schmidt-Formann und Peter Martin – reagieren auf die Vorwürfe mit Bedauern und Unverständnis. 

„Die UNB hat das gesetzlich vorgesehene Verfahren durchgeführt und Rat und Bezirksregierung beteiligt“, erklären die Kritisierten insbesondere zu den Hauptknackpunkten. In beiden Fällen seien die Vorbehalte des Naturschutzbeirates geprüft, abgelehnt und die Rechtsauffassung der UNB bestätigt worden. Die demokratischen Prozesse seien korrekt eingehalten worden, sagen sie. „Recht und Gesetz müssen beachtet werden, auch wenn andere Ergebnisse gewünscht werden.“

Parallel zu diesen Verfahren seien Schölermann wiederholt konkrete Gesprächsangebote gemacht worden, betonen Mösgen und Co. – beispielsweise, um Hintergründe zu erläutern. „Die Angebote wurde leider nicht angenommen.“

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Anhand eines statistischen Rückblicks zeigte Schölermann seinerseits auf, dass der Beirat kein Gremium sei, das grundsätzlich gegen alles ist: „Aber dort, wo die ökologischen Zustände geschädigt werden,  vertreten die Mitglieder der Naturschutzverbände im Beirat auch konsequent Naturschutzinteressen nach naturschutzfachlichen Erkenntnissen. Aufgetreten sind Vertreter zweier Gruppen, nämlich der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und des Nabu.

Da es für jeden von ihnen einen Stellvertreter gebe, sei der Fortbestand des Beirats vorläufig gewährleistet, sagt Peter Martin. Die betreffenden Verbände werden nun aufgefordert, alternative Kandidaten zu benennen. Über die Vorschläge werde dann zeitnah vom Rat der Stadt entschieden.

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