Anlage zwischen Eschenallee und Hülsenbusch

Hammer Kleingärtner müssen ihre Hütten abreißen

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Hamm - Vier große Container sind schon befüllt - und es geht noch weiter. Die Kleingärtner, die mit ihren Grundstücken an das neue Baugebiet "Am Beisenkamp" grenzen haben damit begonnen ihre Hütten und Schuppen abzureißen. Die Stadt hat hat sie dazu aufgefordert.   

Idyllisch ist es hier. Zwischen Eschenallee und Hülsenbusch haben sich rund 30 Kleingärtner ein kleines Paradies geschaffen. Hinter hohen Buchenhecken, die nur selten Einblicke gewähren, wachsen Möhren und Kartoffeln, stehen Apfel- und Kirschbäume in heller Blütenpracht. Am Rande der Gärten stehen kleine Geräteschuppen. Sie bieten Platz für Spaten, Harke, Rasenmäher und was der Kleingärtner sonst noch für sein Hobby benötigt. In Holzhäusern, teils mit massiven Anbauten, ruhen sich die Gärtner aus. Ein Sofa, ein paar Stühle, in der Mitte ein Tisch.

Auf dem stehen Wasserflaschen und Kaffeetassen. Gartenzwerge bewachen die Idylle, die seit einigen Wochen gestört ist. Die Kleingärtner müssen ihre Häuser und Schuppen abreißen und versetzen. Sie stehen dort, wo sie eigentlich gar nicht stehen dürfen – und das schon seit über 30 Jahren (WA berichtete). Die Parzellen grenzen direkt an das neue Baugebiet „Auf dem Beisenkamp“. 

Damals verpachtete die Stadt das Restgelände eines Siedlungsgrundstücks als Grabeland, und zwar an den nicht eingetragenen Kleingartenverein „Am Beisenkamp“. Als die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima) die Grundstücke ausmessen ließ, fiel auf, dass die Kleingärten bis zu 60 Zentimeter auf das Bima-Grundstück ragen und die an den Zaun gelehnten Hütten nicht mit den drei Metern Mindestabstand zur Grundstücksgrenze zu vereinbaren sind. Die Bima hatte die Stadt aufgefordert, tätig zu werden. Das tat die Stadt auch. Ende vergangenen Jahres informierte sie die Gärtner. 

„Das war natürlich ein Schock“, sagt eine Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Zuviel Unruhe habe die Abrissaktion in die Kleingartenanlage gebracht. „Da möchte ich nicht verantwortlich sein, dass noch mehr Öl ins Feuer gegossen wird.“ In ihrem Garten steht eine große Holzhütte. Sie steht noch genau auf der Grenze – dort, wo sie gar nicht stehen dürfte. „Nennen sie mich einfach Frau Garten“, sagt sie. 

Frau Garten weiß nicht, wie es auf ihrer Parzelle weiter gehen soll. Sie ist inzwischen 78 Jahre alt, seit über zehn Jahren bewirtschaftet sie die kleine Parzelle. Anfangs noch mit ihrem Mann. Als er vor acht Jahren starb, hatte sie sich nicht von dem Garten trennen können und weitergemacht. Ihre Kinder wohnen inzwischen verteilt über die ganze Bundesrepublik. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt die Gärtnerin. Und will ihren Garten nicht missen. Dass sie ihre Hütte nun abreißen und versetzen muss, „zerreißt mir das Herz“. Viele schöne Erinnerungen hängen daran. 

Es ist aber nicht nur die Sentimentalität, die Frau Garten verzweifeln lässt. Es sind auch ganz praktische Gründe. „Ich schaffe das nicht alleine.“ Angefangen hat sie schon ein wenig. Einige Möbelstücke stehen in inzwischen auf dem Rasen. Richtig weiter geht es nicht. 

Hilfe wird Frau Garten von ihren Nachbarn erhalten. „Natürlich packen wir mit an“, sagt der Mann zu, der ein paar Parzellen weiter bereits sein Haus versetzt hat. Nun ist er dabei, Dachpappe auf dem Schuppen anzubringen. Auch er möchte seinen Namen nicht nennen. „Die Veröffentlichungen – auch im Internet – haben viel Unruhe in den Kleingartenverein gebracht“, sagt er. 

Ihm wäre es am liebsten, wenn gar nicht weiter berichtet wird. Für ihn sei es wichtig, dass keine Gräben im Verein entstehen. „Wir müssen uns mit der Situation abfinden und die Hütten versetzen. Da geht kein Weg dran vorbei“. Wichtig sei nur, dass sich am Ende alle wieder verstehen und das gute nachbarschaftliche Klima nicht verloren gehe.

 Das Angebot der Stadt Hamm, dass die Kleingärtner die korrekten Grundstücksgrenzen und Abstandsmaße einhalten und dafür die Stadt im Gegenzug die neuen Hütten formal genehmigt, hält er für gut. Auch dass die Stadt Container für den Abraum zur Verfügung stellt, sei vorbildlich. Vier große Container hat die Stadt aufstellen lassen, sie stehen am Eingang zur Gartenkolonie. Inzwischen sind sie schon bis an den Rand gefüllt – mit Schutt, Holzlatten und Steinen.

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