Pape-Eicker/Schmidt ist und bleibt geschlossen

Kleines Glück im Lockdown: Tanzschule landet Video-Hit

In Wartestellung: Der Auszubildende Dennis Hulboj, Markus und Tanja Schmidt müssen notgedrungen seit Monaten mehr auf Theorie denn auf Praxis setzen.
+
In Wartestellung: Der Auszubildende Dennis Hulboj, Markus und Tanja Schmidt müssen notgedrungen seit Monaten mehr auf Theorie denn auf Praxis setzen.

Wenn es darum geht, Disco-Fox, Walzer oder Cha-Cha-Cha zu erlernen, ist die Tanzschule Pape-Eicker/Schmidt die bekannteste und älteste Adresse in Hamm. Inhaber Markus Schmidt drücken durch die anhaltende Corona-Krise aber schwere Sorgen, denn die von der Regierung aufgelegten Fördertöpfe greifen bei seinem Unternehmen nur bedingt.

Hamm – „Wir haben versucht, alles zu machen, was derzeit möglich ist“, so der Tanzlehrer. Trotzdem habe er sein Unternehmen seit dem November-Lockdown nahezu vollständig schließen müssen. Derzeit finden noch einige Zumba-Online-Kurse statt, die aber gerade die Kosten für die Trainer tragen. Im Lockdown hatten Schmidt und sein Team Lehrvideos gedreht und über Zoom-Konferenzen Online-Kurse durchgeführt, um für alle Kurse eine gangbare Alternative anzubieten. „Das hatten einige Kursteilnehmer auch genutzt, den meisten fehlte jedoch die persönliche Atmosphäre vor Ort“, so Markus Schmidt.

Um den regelmäßigen Besuchern etwas anzubieten und den Zusammenhalt in der Tanzgemeinschaft zu erhöhen, hatten sich Markus Schmidt, seine Frau Tanja und die Mitarbeiter sogar noch etwas Besonderes einfallen lassen: Sie hatten sich einen „Jerusalema-Online-Flashmob“ ausgedacht, der seiner Tanzschule völlig ungeplant einen ganz besonderen Internet-Hit brachte: Das bewusst einfach gehaltene Lehrvideo, dass frei abrufbar online ging, hat es inzwischen auf weit über 450.000 Klicks gebracht.

„Das hatte uns zunächst richtig umgehauen, ist aber wohl durch die bewusst einfache Lehrweise und den Sommerhit zu erklären“, so Schmidt. Zumindest konnte er zuletzt bei den Nachforderungen durch den Musikverlag Warner entspannt sein, denn die ADTV-Tanzschulen haben mit den Verlagen einen Rahmenvertrag, der die Nutzung freistellt.

Ziel ist, den Kontakt nicht zu verlieren

Doch die Kursteilnehmer schätzten eben die persönliche Atmosphäre. Zwischen den Lockdowns wurde auch unterrichtet. In kleinen Gruppen, die Paare aus häuslichen Gemeinschaften, mit genug Abstand, Masken und ausreichender Belüftung. „Das hat wunderbar funktioniert“, so Tanja Schmidt.

Zuletzt hatte das Team vor wenigen Wochen auch noch eine „Online-Wiederholungsstunde“ für alle Kursteilnehmer durchgeführt, was gut angekommen sei. „Wir wollen ja den Kontakt zu unseren Teilnehmern nicht verlieren“, so Dennis Hulboj, der gerade seine Tanzlehrerausbildung in Hamm abschließt. Die Theorie-Lektionen dafür erhält er in Münster. „Dabei sind wir natürlich auch eingeschränkt, aber immerhin geht es weiter“, so Hulboj. Nicht nur mit „Jerusalema“, auch mit dem brandneuen Tanz „Wellermann“ haben er sowie seine Chefs und Kollegen noch einiges vor.

Klage über komplizierte Corona-Hilfe

Was Inhaber Markus Schmidt derzeit aber am meisten bedrückt, sind die Vorschriften und eng gesteckten Vorgaben bei der Corona-Hilfe: „Sie können mir glauben, dass wir das Thema Corona ernst nehmen und intensiv verfolgen“, sagt Schmidt. Doch wenn jetzt die Friseure wieder öffnen dürfen, so verstehe er nicht, wieso sie, unter den zuletzt eingehaltenen Bedingungen, das nicht auch dürfen. Dazu kommt, dass die Hilfen oft nicht passen: „Meine Nebenkosten werden getragen, aber statt zu mieten, habe ich vor einiger Zeit den Erwerb meiner Immobilien finanziert“, so Schmidt. Da gebe es nichts.

Seine Mitarbeiter seien immerhin in Kurzarbeit, aber ein Unternehmerlohn sei in keiner Form vorgesehen. Da müsse er auf Hartz IV zurückgreifen, was durchaus umständlich und langwierig sei. Doch momentan könne er einfach nur hoffen und seine Kursteilnehmer und Mitarbeiter für die Zukunft motivieren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare