Alewelt stellt sich zur Wiederwahl

Interview mit Herringer Bezirksvorsteher Klaus Alewelt: „Müssen mehr Demokratie wagen“

Will es noch einmal wissen: Klaus Alewelt tritt noch einmal bei der Kommunalwahl als Bezirksvosteherkandidat in Herringen an.
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Will es noch einmal wissen: Klaus Alewelt tritt noch einmal bei der Kommunalwahl als Bezirksvosteherkandidat in Herringen an.

Bei der Kommunalwahl am 13.September tritt Klaus Alewelt zum dritten Mal nach 2009 und 2014 als Spitzenkandidat der SPD für die Bezirksvertretung Herringen an.

Herringen – 2007 hatte er Horst Podzun beerbt. Dreieinhalb Wochen vor der Kommunalwahl stellte er sich den Fragen von WA-Redakteur Stefan Gehre.

Was hat Sie bewogen, erneut als Spitzenkandidat Ihrer Partei anzutreten und Ihren politischen Ruhestand zu verschieben?

In der letzten Wahlperiode haben wir den Weg des Strukturwandels weiter fortgesetzt. Bekanntlich wurde mein Bergwerk Heinrich Robert vor zehn Jahren geschlossen. Ich möchte die Nachnutzung noch ein Stück mit auf den Weg bringen, das ist eine Herzensangelegenheit von mir.

Wer ist Ihr politisches Vorbild?

Willy Brandt. Besonders gefällt mir das Zitat von ihm: „Wir müssen mehr Demokratie wagen“. Dieser Satz gilt heute noch und ist für mich eine wichtige Leitlinie.

Herringen war für die SPD in den vergangenen Jahrzehnten eine Bank. 2014 hatten Sie die absolute Mehrheit hauchdünn verpasst. Befürchten Sie, dass der Stadtbezirk angesichts der miserablen Umfragewerte der Bundes-SPD den Status als „rote Hochburg“ verlieren könnte und die CDU den Bezirksvorsteher stellt?

Nein, das glaube ich nicht. Ob wir noch einmal so ein gutes Wahlergebnis erzielen wie 2014, bleibt abzuwarten. Viele Bürgerinnen und Bürger haben vergessen, dass es die SPD in der Koalition auf Bundesebene war, die in der letzten Wahlperiode den Mindestlohn, die Mindestrente und die Mütterrente auf den Weg gebracht hat.

Was kann/darf ein Bezirksvorsteher gestalten?

Der Gestaltungsrahmen wird durch die Gemeindeordnung vorgegeben. Der jetzige Oberbürgermeister hat durch Änderungen der Hauptsatzung und der Zuständigkeitsordnung die Rechte der Bezirke stark beschnitten. Ich glaube fest daran, dass die Spielräume bei einem SPD-Oberbürgermeister Marc Herter sich verbessern. Ich denke da an ein eigenes Bezirksbudget.

Was schätzen Sie an Ihrem wohl größten Konkurrenten Peter Scholz?

Er ist freundlich und ein höflicher Mensch und ich hoffe, dass er weiter so fair bleibt.

Wie beurteilen Sie die abgelaufene Legislaturperiode?

Die abgelaufene Wahlperiode war eine gute aus meiner Sicht. Wir haben einige Projekte angestoßen und einiges auf den Weg gebracht. Stellvertretend möchte ich hier die dritte Gesamtschule und die Entwicklung an der Waldenburger Straße nennen, für die sich die SPD eingesetzt hat. Auch der Ausbau der Schweinewiese geht auf unsere Initiative zurück. Unterstützt haben wir auch die Entwicklung des Creativ-Reviers Heinrich Robert.

Was sind Ihre drei wichtigsten Ziele für die kommende Legislaturperiode?

Die Nachnutzung des Bergwerks Heinrich Robert, die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum sowie die Sanierung der maroden Straßen und Radwege.

Lassen sich die einzelnen Punkte der Wahlprogramme angesichts der finanziellen Folgen der Corona-Pandemie überhaupt abarbeiten?

Die angestrebten Punkte in unserem Wahlprogramm, zum Beispiel die Kosten für das Personal des eigenen Kommunalen Ordnungsdienstes und eine eigene Grünpflegekolonne, sind nicht sehr kostenintensiv. Der Rest wird sich im Laufe der Zeit zeigen.

Wie hat Hamm, wie hat Herringen Ihrer Meinung nach bislang die Corona-Pandemie gemeistert?

Alle Bürgerinnen und Bürger, ob in der Pflege, im Handel, im Gewerbe oder auch im Vereinsleben, haben sich sehr diszipliniert verhalten. Darüber freue ich mich sehr.

Ein Thema, das jeden etwas angeht, ist die Gesundheitsversorgung. Herringen ist bei der Anzahl der Ärzte noch recht gut aufgestellt. Einige werden in den kommenden Jahren jedoch in den Ruhestand gehen. Was können Sie, was kann Politik gegen den drohenden Ärztemangel tun? Haben sie überhaupt Einflussmöglichkeiten?

Ich glaube nicht, dass Politik, erst recht nicht Kommunalpolitik, tatsächlich dem drohenden Verlust an Ärzten entgegenwirken kann.

Aufgrund der Ergebnisse bei den Landtags- und den Europawahlen dürfte die AfD in die Bezirksvertretung einziehen. Glauben Sie, dass der Ton in den kommenden Jahren dort rauer wird und wie will der Bezirksvorsteher, der von Amtes wegen neutral sein soll, mit dieser Partei umgehen?

Bisher ist die AfD weder in Hamm noch in Herringen in Erscheinung getreten. Ich glaube, dass die Herringer Bürgerinnen und Bürger sehr wohl wissen, wer für die täglichen Sorgen ein offenes Ohr hat. Auch der Ton wird nicht rauer, dafür sollte der Bezirksvorsteher als Vorsitzender der Bezirksvertretung sorgen. Er sollte mit allen Parteien souverän und fair umgehen.

Warum ist es so wichtig, dass die Bürger am 13.September zur Wahl gehen? Befürchten Sie angesichts der Corona-Pandemie Mobilisierungsprobleme?

Es wird nach meiner Meinung in der Tat sehr schwierig, die Bürgerinnen und Bürger zu mobilisieren. Es gilt: Wer verändern, gestalten oder mitwirken möchte, muss zur Wahl gehen. Ich hoffe, dass sehr viele Bürgerinnen und Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen.

Bitte ergänzen Sie folgende Sätze:

Herringen ist liebens- und lebenswert, weil... ich hier in Herringen geboren und aufgewachsen bin und mit vielen Vereinen verwurzelt bin.

Herringen braucht sich gegenüber dem Hammer Osten nicht zu verstecken, weil...  wir über modernen Wohnungsbau, gute Schulen, gute Anbindungen für Pendler, Naherholung, Sport- und Freizeitangebote verfügen.

Herringen wird vom CreativRevier Heinrich Robert profitieren, weil...  dort Handel, Wohnen und Kultur geschaffen wird. Es wird ein Anziehungspunkt für unsere Region werden.

Die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund hat geklappt (oder nicht geklappt), weil... Die Integration der Menschen mit Migrationshintergrund ist keine leichte Aufgabe. Als die Menschen zu uns kamen, um hier zu arbeiten, wurde zum Beispiel unter Tage nicht nach Religion, Hautfarbe oder Herkunft gefragt. Die gemeinsame Arbeit schweißt die Menschen zusammen, heute ist das leider nicht mehr so.

Zum Schluss noch ein Tipp: Wie wird die Sitzverteilung in der neuen Bezirksvertretung aussehen und wie hoch wird die Wahlbeteiligung sein?

Das ist Kaffeesatzleserei. Leider habe ich noch keine Glaskugel.

Zur Person

Klaus Alewelt, Spitzenkandidat der SPD für die Bezirksvertretung Herringen, ist 67 Jahre alt. Der gebürtige Herringer ist verheiratet, hat einen Sohn und zwei Enkelkinder. Klaus Alewelt, der Kfz-Elektriker gelernt hat, war später viele Jahre auf Heinrich Robert tätig. Mitglied der SPD ist er seit 1987. Seine Hobbys sind Fahrrad fahren und Reisen. Außerdem ist er eng mit der Herringer Vereinswelt verbunden.

Alewelt ist Mitglied im Theaterverein „Edelweiß“ (Ehrenvorsitzender), in der DLRG (Ehrenmitglied), im Männerdienst St. Victor, in den Schützenvereinen Sandbochum, Herringen-Nordherringen und Westenheide, in der IG-BCE Ortsgruppe Herringen, im Rassegeflügelzuchtverein sowie im Trägerverein Alter Bauhof (Geschäftsführer), im Mandolinen Orchester Herringen, im Kanu-Verein, im Turn- und Spielverein Herringen (1.Vorsitzender) und im Knappenverein.

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