Wegen Betriebssicherheit: Kita-Neubau geplant

Kita Villa Kunterbunt muss alte Zechenvilla in Werries verlassen

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Von der Direktorenvilla der Zeche zur Villa Kunterbunt: Die Elterninitiative ist seit 1994 mit ihrer Kindertageseinrichtung in dem denkmalgeschützten, städtischen Gebäude zu Hause. Langsam heißt es, Abschied zu nehmen.

Die Zechenvilla in Werries ist eine richtige Villa Kunterbunt. Die jungen und älteren Menschen der gleichnamigen Kita leben gern in dem denkmalgeschützten Haus, aber sie müssen nach 27 Jahren langsam, aber sicher Abschied nehmen.

Werries – Der Grund: Die Auflagen an ein Kita-Gebäude sind kaum noch zu erfüllen. Ein Neubau muss her. Idealerweise soll er gleich nebenan entstehen. Der große Kita-Garten samt altem Baumbestand könnte so den Kindern als Außengelände erhalten bleiben. Mit einem ersten großen Schritt zum Neubau hatten sich die Uentroper Bezirksvertreter in ihrer Sitzung zu beschäftigen. Ein Bebauungsplan soll aufgestellt werden. Sie gaben grünes Licht dafür.

Die Kinderbuchheldin Pippi Langstrumpf mit ihrer Villa Kunterbunt wäre ihrer Maxime treu geblieben: Sie macht, was sie will. Die Werrieser Elterninitiative lebt allerdings in der Wirklichkeit und muss sich an Vorschriften halten. „Das Gebäude der heutigen Einrichtung lässt sich aus baulichen Gründen und mit Blick auf die Betriebssicherheit dauerhaft nicht mehr als Kita betreiben“, erklärt die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage für die politischen Gremien.

Als sie das erfuhr, war sie „natürlich zuerst geschockt“, sagt Leiterin Martina Reck. Dieser Zustand sei aber längst „der Zuversicht und dem Blick nach vorn gewichen“. Das macht sie vor allem an der Unterstützung durch die Stadtverwaltung bei der Planung des Neubaus fest.

Elterninitiative in Zechenvilla in Werries

Die Elterninitiative Villa Kunterbunt zog nach starkem ehrenamtlichen Einsatz 1994 in die einstige Direktorenvilla der Zeche Maximilian, Alter Uentroper Weg 141 . Ein Jahr später stellte die Stadt das 1908 erbaute Haus unter Denkmalschutz. Lange Zeit ließen sich die Auflagen zur Nutzung als Kita erfüllen, wie etwa die Außentreppe an der Seite als Fluchtweg zeigt. Die Kita feierte ihr 25-jähriges Bestehen, und man dachte, es geht so weiter.

Die jüngsten Begehungen zum Brandschutz und zur Bauordnung haben eine ganze Reihe von Arbeiten erforderlich gemacht. Dazu hat die Kita vergangenes Jahr die Schließungszeit während des Corona-Lockdowns genutzt. „Im laufenden Betrieb wäre das viel stressiger abgelaufen“, sagt Reck über Umbauten, Wanddurchbrüche, Umwidmung von Räumen und mehr.

Bauliche Grenzen in Zechenvilla am Alten Uentroper Weg

Eine weitere Folge ist: Eine der drei Kita-Gruppen musste für Kinder ausschließlich über drei Jahre (Ü3) umgewidmet werden. Die jüngsten Maßnahmen zeigen: Baulich sind Grenzen erreicht. „Das Bestandsgebäude ist für eine Erweiterung nicht hinreichend geeignet und weist bereits heute funktionale Defizite auf“, erklärt die Verwaltung.

Ein neues Grundstück für eine Kita im Einzugsbereich Werries zu finden, sei „eher schwierig“, wie es heißt. Aus der Kita kam die Bitte, im Falle eines Neubaus doch die Grünfläche nördlich des großen Kita-Außengeländes als Standort zu prüfen, das so weiterhin genutzt werden könnte. „Der Garten ist einer unserer starken Identifikationsfaktoren“, sagt die Leiterin. Vor dem Hintergrund sei die Freude groß, dass die Verwaltung die Bitte aufgegriffen habe.

Teil der grünen Umweltachse in Werries

Der Vorteil ist, dass sowohl Villa als auch die Grünfläche entlang der Ostwennemarstraße bis zum Pumpwerk Eickhoffstraße Eigentum der Stadt sind. Von den 13.730 Quadratmetern (nicht ganz die Fläche von zwei Fußballfeldern) entfallen geschätzt etwa 5.000 Quadratmeter auf die Villa mitsamt dem Kita-Außengelände. Die freie Fläche zwischen Ostwennemarstraße und Wohnbebauung wird zum Teil als Bolzplatz genutzt. Sie ist als öffentliche Grünfläche ausgewiesen und soll für den Neubau und damit für den Gemeinbedarf „geringfügig“ angepasst werden. Ein Bebauungsplan ist aufzustellen.

Die Planungen sollen unter anderem unter Berücksichtigung der bisherigen ökologischen Entwicklung der Grünfläche, des Klimaaktionsplans und der Ziele des laufenden Wettbewerbs zur „Grünen Umweltachse“ zwischen Kanal und Maxipark erfolgen.

Weitere Kita-Gruppe in Werries

Für einen Architektenentwurf ist es noch zu früh. Einen Zeitplan zu nennen ist schwer. Kita-Leiterin Martina Reck geht von, wenn auch wenigen Jahren bis zu einer Umsetzung aus – vorausgesetzt der Stadtrat als Beschlussorgan stimmt am 14. September zu. Die Finanzierung soll ein Investor übernehmen.

„Wir werden die Villa vermissen“, sagt Reck einerseits und andererseits: „Ich bin gespannt auf den ersten Entwurf. Ein Neubau wird viele Vorteile haben. Ich sehe Möglichkeiten, dass wir uns anders aufstellen.“ So ist angedacht, die Kita um eine Gruppe aufzustocken, auf insgesamt zwei U3- und zwei Ü3-Gruppen. Die Zahl der Kita-Plätze würde so von derzeit 50 auf 60 wachsen. Was dann aus der Zechenvilla wird, steht noch nicht fest.

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