Auftakt des "Synodalen Wegs"

Macht kontrollieren, Klerikalismus bekämpfen: Klare Forderungen eines Hammer Pfarrers

+
Pfarrer Bernd Mönkebüscher hat mehrere kirchenkritische Bücher und Aufsätze veröffentlicht.  Er ist Pfarrer an St. Agnes in Hamm.

Hamm - Der Jahreswechsel bietet immer einen willkommenen Anlass, neues zu wagen, Vorsätze in die Tat umzusetzen und alte Zöpfe abzuschneiden. Für die katholische Kirche beginnt immer am 1. Advent das neue Kirchenjahr. In diesem Jahr startet an diesem symbolträchtigen Termin der Synodale Weg.

Angesichts der Missbrauchsfälle und dem Wunsch vieler Gläubiger nach einer offenen Kirche hat die Deutsche Bischofskonferenz auf ihrer Frühjahrsvollversammlung beschlossen, mit der Kirche einen „verbindlichen synodalen Weg“ zu gehen. Dieser soll drängende Fragen angehen, die Kirche erneuern, verlorenes Vertrauen wiederherstellen.

Pfarrer Bernd Mönkebüscher setzt sich schon seit langem für eine Kirche ein, die sich an Jesus und den Menschen orientiert. Gemeinsam mit drei anderen kirchenkritischen Priestern hat er jetzt die Würzburger Erklärung verfasst. Sie erwarteten „vom Synodalen Weg konkrete Beschlüsse, die den Klerikalismus, eine der Wurzeln des Missbrauchs in der Kirche, wirksam bekämpfen“, heißt es in der Erklärung von Burkhard Hose (Bistum Würzburg), Stefan Jürgens (Bistum Münster), Pallotiner-Pater Siegfried Modenbach und Bernd Mönkebüscher (beide Erzbistum Paderborn). Der WA sprach mit Mönkebüscher. 

Spüren Sie den Aufbruch des synodalen Wegs? 

Mönkebüscher: Ja und nein. Ich spüre einen Aufbruch durch die Frauen und auch Männer, die sich bei Maria 2.0 engagieren und immerhin dafür gesorgt haben, dass es im Synodalen Weg ein viertes Forum gibt, dass sich mit der Frauenfrage beschäftigt, der sogenannten Geschlechtergerechtigkeit und der Berufung von Frauen mindestens zum diakonalen Dienst. Ich spüre ihn bei manchen Dozenten der Theologie, die sich deutlich positionieren, und ich spüre ihn bei manchen Bischöfen – zum Beispiel Overbeck, Bode, Wilmer – und der Erklärung von elf Generalvikaren der siebenundzwanzig deutschen Bistümer, die ebenfalls deutlich ihre Erwartung an den synodalen Weg formuliert haben mit der Ausrichtung: Es muss sich was verändern, Kirche muss sich neu finden, um heute Zeugin des Evangeliums zu sein.

Und wo stockt es? 

Mönkebüscher: Die Satzung des Synodalen Weges ist so, dass es in den Beschlüssen eine Zweidrittelmehrheit der Bischöfe braucht, und jeder Bischof dann frei ist, einen Beschluss in seinem Bistum umzusetzen. Gerade wenn es um die Frage von klerikaler Macht geht, manifestiert eine solche Satzung klerikale Macht und behebt sie nicht. 

Lesen Sie mehr zum Thema:

Unbequeme Wahrheiten: Hammer Pfarrer will Wandel seiner Kirche

Außergewöhnlich ehrliche und offene Worte über Mönkebüschers Homosexualität

Den Glauben neu verkünden

Was erwarten sie von dem Synodalen Weg? 

Mönkebüscher: „Den Glauben neu verkünden zu wollen, verlangt von uns, dass wir das Gespräch besonders über Themen führen, die der Verkündigung im Wege stehen, wenn sie nicht geklärt werden“, schreiben Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und der Präsident des Zentralkomitees, Thomas Sternberg den deutschen Katholiken. Ich erhoffe mir, dass viele der Themen, die der Verkündigung im Weg stehen und uns als katholische Kirche unglaubwürdig machen, diskutiert werden und es gute Lösungen gibt: dass es ein Votum aus Deutschland nach Rom gibt.

Was für Signale können da gesendet werden? Was die Frage der Weihe für Frauen betrifft, dass es keine verpflichtende Verbindung zwischen Zölibat und Priesteramt mehr gibt und somit die Einsamkeit vieler Kollegen – inklusive all der Ersatzbefriedigungen – geringer wird. Ich erhoffe mir eine Fortschreibung und Weiterentwicklung der Sexualmoral, die die Beziehungen von Menschen und Erkenntnisse der Humanwissenschaften – wie der zeitgemäßen Theologie – stärker in den Blick nimmt. Ich erhoffe mir auch eine starke versöhnliche Geste etwa für Menschen, die sich vom gleichen Geschlecht angezogen fühlen. Und ich erhoffe mir einen viel sensibleren Blick auf klerikale Macht und konkrete Beschlüsse, wie sie reduziert werden kann. 

Durch ihr Outing und ihr Buch „Unverschämt katholisch“ sind Sie in kirchenkritischen Kreisen recht bekannt. Sind Sie in Sachen Kirchenreform viel unterwegs? 

Mönkebüscher: Manche kirchlichen Gruppierungen laden mich zu einer Autorenlesung ein. Kürzlich war ich in Tübingen bei der Aktionsgemeinschaft Rottenburg, ein reformorientierter Kreis von Hauptamtlichen, die meisten Priester. Der Kreis feierte sein 50-jähriges Bestehen und versucht schon lange, Gedanken oder Wünsche, die jetzt im Rahmen des Synodalen Weges etwa vom ZDK formuliert werden, ins Bistum und in die Kirche einzubringen. Gemeinde und Pastoralreferentinnen haben mich im Sommer schon nach Köln geladen. Aber es gab auch die Kfd-Gruppe in Düsseldorf und andere. Ich kann nicht ganz viel annehmen, damit ich meiner Arbeit hier nachkommen kann. 

Priester-Kollegen sollen sich solidarisieren

Wie kam es zu der „Würzburger Erklärung“? 

Mönkebüscher: Der dortige Studentenpfarrer Burkhard Hose wurde oftmals genauso wie die beiden anderen Kollegen und ich angesprochen, warum von Priestern nicht positioniert etwas zu hören sei zu von vielen als notwendig erachteten Reformen. Zwar hat jeder von uns ein Buch geschrieben, aber es wuchs dann die Idee, gemeinsam etwas kurz und knapp zu formulieren, das wir an den Beginn des Synodalen Weges stellen wollen. Wir spüren, wie der Missbrauchsskandal und der Umgang der Kirche damit an uns (wie an vielen anderen) nicht vorbei geht und Kirche für uns nicht mehr die Kirche sein lässt, die sie etwa bis 2010 war… Und wir möchten mit dieser Erklärung Kollegen, die ähnlich denken, eine Möglichkeit bieten, sich durch ihre Unterschrift mit unserer Erklärung zu solidarisieren. 

Sind sie im Synodalen Weg eingebunden? 

Mönkebüscher: Offiziell nicht, aber ich sehe es als Herausforderung einer jeden Katholikin und eines Katholiken an, im Rahmen ihrer und seiner Möglichkeiten sich mit Fragen und Statements einzubringen. Es gibt dafür eine eigene Homepage (synodalerweg.de, Anm. der Red.). 

Was kann konkret in Hamm getan werden? 

Mönkebüscher:Wir in Hamm haben etwa schon Professor Seewald aus Münster in St. Agnes gehabt, und am 17. Februar kommt der Moraltheologe Professor Stephan Goertz zu Fragen der Sexualmoral, am 4. Mai Professorin Johanna Rahner zur Frauenfrage in der Kirche. Wenn wir möchten, dass unsere Kirche auch in unserer Zeit ernst genommen wird und Menschen etwas zu sagen hat, einen Beitrag leistet zu Frieden und Versöhnung, dann müssen wir etwas dafür tun. Sonst wird wahr, was manche prophezeien: Kirche stirbt langsam vor sich hin, verliert mehr und mehr an Bedeutung. Dabei hat sie mit Blick auf Jesus eine Botschaft, die Menschen zu verbinden mag und wirkliche Lebenshilfe in zahlreichen biblischen Geschichten bereit und lebendig hält.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare