Gibt es einen Neustart im April?

Kinos im Corona-Lockdown: Zeit ist hart, doch Betreiber wollen nicht aufgeben

Corona und Lockdown setzen den Kinos in Hamm und Umgebung zu. Aufgeben wollen die Betreiber nicht. Sie hoffen, spätestens im April wieder öffnen zu können - und rechnen 2021 mit echten Blockbustern im Filmangebot wie dem neuen Bond-Film.

Hamm/Ahlen/Werne – Die Traumfabrik Kino ist mit dem zweiten Corona-Lockdown erneut zum Erliegen gekommen. Das heißt zwar nicht Produktionsstillstand, nur kann aktuell niemand die Träume vom Kinosessel aus genießen. Momentan fokussiert sich die Hoffnung in den Kinos in Hamm und Umgebung auf einen Neustart am 1. April: Sie hoffen, dann wieder öffnen zu können.

KinoCinemaxx
Eröffnung1998
Zwischenzeitlicher BetreiberCineplex (1999 bis 2018)
Sitzeknapp 1900 in sieben Sälen

Kinos im Corona-Lockdown: Seit einem halben Jahr kaum Einnahmen

Die Betreiber würden auch einen früheren Termin liebend gerne nehmen, halten sich aber zurück mit allzu viel Optimismus. Das Gute: Niemand denkt daran, aufzugeben.

Ein leeres Kino: Das Cinemaxx in Hamm bleibt vorerst geschlossen.

Und das nach zusammengenommen Einnahmeausfällen von einem halben Jahr während der beiden Lockdowns. Sowohl kleine private wie große konzerngesteuerte Häuser trifft die Situation hart. Immerhin: Die Novemberhilfen seien zum Teil in Form von Abschlägen geflossen, sagen Martin Temme (Cinema Ahlen) und Jutta Wagner (Capitol Cinema Werne). „Das hilft, um die laufenden Kosten zu decken und den Lebensunterhalt zu sichern“, sagt Wagner. Gerade viele Gastronomen in Hamm hatten große Probleme, die Hilfen zu erhalten.

Cinemaxx-Sprecherin: Kino-Konzerne fallen durchs Raster

Auch wenn die Zeit vor den Lockdowns manchen Einspielrekord mit sich brachte, stecken auch Branchengrößen wie das Cinemaxx mit rund 30 Häusern in Deutschland die Krise nicht so leicht weg. „Die gesamte Kinobranche steht aufgrund der Pandemie vor einer historischen Herausforderung“, sagt Cinemaxx-Pressesprecherin Ingrid Breul-Husar.

„Es ist von zentraler Bedeutung, dass die gesellschaftliche Relevanz von Kinos sowohl auf Bund- als auch auf Länderebene gesehen wird“, erklärt die Cinemaxx-Sprecherin. „Gerade Multiplexbetreiber und Kinoketten fallen aufgrund ihrer Größe durch fast alle Raster für Förderprogramme, wobei sie ganz andere Kostenvolumina zu bewältigen haben als kleine Kinos. Auch die von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Bundesfinanzminister Olaf Scholz angekündigten Hilfen für die aktuellen Schließungsmonate müssen in der versprochenen Form dringend erfolgen.“

Kinobetreiber im Lockdown: „Tage scheinen zu verschwimmen“

Ob Familienbetrieb, Einzelunternehmen oder Kette: Die Mitarbeiter befinden sich in Kurzarbeit, verderbliche Waren sind ausrangiert und das Licht bleibt aus. „Die Tage scheinen zu verschwimmen, es fühlt sich unwirklich an“, sagt Martin Temme, Geschäftsführer des Cinema Ahlen. Regelmäßig schaue er nach dem Rechten im Kino. Gewissermaßen sei er sein eigener Hausmeister. „Und bei allem Verständnis für die Maßnahmen fühlt es sich manchmal ein bisschen an, als hätte ich Berufsverbot.“

Aufgeben ist für ihn aber kein Thema. „Irgendwann werden sich die Türen wieder öffnen. Das Publikum ist weiter da“, sagt er. Das glaubt auch Jutta Wagner, die mit ihrem Mann Wido das Capitol Cinema Werne betreibt. Sie hofft, dass die Besucher nach einer Wiedereröffnung schnell wieder Vertrauen in die Sicherheit der Betriebe haben. „Wir haben ein sehr treues Publikum und nach dem ersten Lockdown ja schon alles getan, um ein sicheres Kinoerlebnis zu ermöglichen: Masken im Kino, Kunststoff-Trennwände, zeitversetzte Vorstellungen“, sagt sie. Auf all das könne man jetzt natürlich zurückgreifen.

Cinemaxx-Sprecherin: Weniger Aerosole als im Büro

Das sagt auch Cinemaxx-Sprecherin Ingrid Breul-Husar. Möglicherweise müsse man gemäß aktueller Erlasse noch etwas nachjustieren, aber vom Grundsatz her habe das Hygienekonzept ihrer Kette großes Lob erfahren. „Alle Kinos unserer Gruppe sind mit raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet, die sowohl die Kinofoyers als auch Säle stets gut belüften“, so Breul-Husar. Dies hatte sie auch schon früher betont.

Eine Studie der Technischen Universität Berlin in der ersten Julihälfte 2020 habe nachgewiesen, dass Menschen während eines Kinobesuchs nur einem Bruchteil möglicher Aerosolmengen ausgesetzt seien, die man im Vergleich dazu im Umfeld eines Büroarbeitsplatzes finde. Aufgrund der Ansteckungsgefahr in Büros gelten ab Montag neue Regeln fürs Homeoffice.

Unterschiedliche Auffassungen herrschen zum Filmangebot. Nach dem ersten Lockdown war die Palette großer Kassenschlager eher dünn besetzt. Dadurch seien kleine und mittlere Filmverlage besser zum Zuge gekommen, sagt Jutta Wagner. Diese könnten vielfach flexibler reagieren als Branchenriesen, auch wenn das Budget vergleichsweise gering sei. Stand jetzt, ihrer Meinung nach sei aber: „Klar ist, dass nichts klar ist.“

Bond, Minions und Co: Kinobetreiber rechnen mit gutem Filmangebot

Martin Temme und Ingrid Breul-Husar sind zuversichtlicher, was das Filmangebot angeht: „2021 bietet eine prallvolle Filmstartliste“, sagt Breul-Husar. Folgende Titel nennt sie beispielhaft: James Bond: No Time To Die, Ghostbusters Legacy, Fast & Furious 9, Top Gun Maverick, Black Widow, Dune, Suicide Squad 2, Eternals (neuer Marvel Film), After Love (Sequel von After Truth), Croods 2, Minions 2, Boss Baby 2, Tom & Jerry, Luca (neuer Pixar Film), Peter Hase 2, Ostwind – der große Orkan, Wunderschön, Contra und Catweazle.

Kommen die Autokinos wieder?

Ein Wiederaufleben der Autokinos in Hamm sehen die Betreiber momentan nicht, weder Hubert Nieuwdorp (ehemals Cineplex Hamm und Kino-Betreiber in Lippstadt) noch André Kollas. „Der Zeitpunkt ist nicht angebracht“, so Nieuwdorp. „Es gibt null Filme.“ Zudem könne man den Menschen nicht einerseits raten, zuhause zu bleiben und sie andererseits animieren, ins Autokino zu fahren. Auch dort gebe es Kontakte.

An den Zentralhallen gab es im Frühjahr und Sommer ein Autokino.

Für sein Team sei es ein schönes Projekt gewesen, das viel Spaß gemacht habe, sagt André Kollas. Der Aufwand – sowohl finanziell mit Hilfe von Sponsoren als auch personell durch Ehrenamtler – sei zum jetzigen Zeitpunkt aber kaum noch einmal zu bewältigen.

Rubriklistenbild: © Reiner Mroß / Digitalfoto

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