Urteil

Kinderpornos getauscht: Zwei Jahre Haft für Mann (35) aus Hamm - „Habe Mist gemacht“

Auf zwei Handys hortete der Hamm aus Hamm die expliziten Videos und Bilder.
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Auf zwei Handys hortete der Hamm aus Hamm die expliziten Videos und Bilder.

Weil ein Mann in Hamm im Besitz von insgesamt 3.081 kinderpornographischen, 501 jugendpornographischen sowie drei tierpornographischen Dateien in Bild- und Videoform gewesen ist und diese bei mehreren Gelegenheiten auch mit Chatpartnern tauschte, ist er jetzt am Amtsgericht Hamm verurteilt worden.

Hamm – „Sie haben mittelbar sexuellen Missbrauch von Kindern betrieben.“ Burkhard Schulze-Velmede, Vorsitzender Richter am Amtsgericht Hamm fand klare Worte in der Urteilsbegründung des Schöffengerichts am Amtsgericht Hamm gegenüber einem 35-jährigen Mann aus dem Stadtbezirk Pelkum.

„Nachfrage schafft Angebot, und dazu haben Sie beigetragen.“ Wegen des Erwerbs, der Verbreitung und des Besitzes von zusammen mehreren Tausend kinder- und jugendpornographischen Dateien war der Angeklagte zu einer Gesamthaftstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, verurteilt worden.

Gericht geht über Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus

Zudem muss der Mann in kleinen monatlichen Raten zusammen 750 Euro an die Weltkinderhilfe zahlen – trotz seines geringen Einkommens. „Damit die Tat auch auf diesem Wege weiter dauerhaft in Erinnerung bleibt“, so Schulze-Velmede. Damit ging das Gericht sogar noch etwas über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, denn diese hätte bei gleichem Haft-Strafmaß auf eine Zahlung verzichtet.

Außerdem wird dem Mann ein hauptamtlicher Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der Verteidiger hatte sich für kein genaues Strafmaß ausgesprochen, aber aufgrund einer guten Sozialprognose auf eine Strafe zur Bewährung plädiert.

Täter angeblich als Kind sexuell missbraucht - und reumütig

„Ich hätte das nie machen dürfen“, sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort. „Es tut mir leid, was den Kindern angetan wurde.“ Angeblich sei er selbst in der Kindheit von seinem alkoholkranken Vater sexuell missbraucht worden, hieß es in der Verhandlung. Schon vor Bekanntwerden der Taten im März 2019 war er in therapeutischer Behandlung – allerdings aus anderen, teils beruflichen Gründen.

Nach den Ermittlungen legte er seinem Therapeuten die Anklageschrift vor, ebenso seiner Familie, der er sich nach Zeugenaussage der Mutter unmittelbar nach der Hausdurchsuchung anvertraut hatte. „Ich habe Mist gemacht“, soll er damals emotional aufgewühlt eingestanden haben. Auch gegenüber der Polizei gestand er sofort bei der Durchsuchung seiner Wohnung und Sicherstellung zweier Handys. Das Geständnis wirkte sich positiv aus.

Angeklagter will Dateien zur Täterermittlung der Polizei gesammelt haben

Wie der Mann wirklich „tickt“, blieb bei der Verhandlung am Donnerstag diffus. Schlicht oder clever? Er arbeitet seit Jahren fest am gleichen Ort, Mutter und Stiefvater stehen hinter ihm, wohl in einem sehr engen Verhältnis mit einem 35-Jährigen. Eine Partnerschaft hat er nicht.

Die halbstündige Verlesung der Anklage verfolgte der Mann mit starrem Blick, zwischenzeitlich mit gesenktem Kopf. Seine Worte waren knapp. Richter Schulze-Velmede machte klar, die Taten seien nicht einfach so „passiert“. „Sie haben das gemacht.“ Die Version, der Angeklagte habe die Dateien gesammelt, um sie zur Täterermittlung der Polizei zu übergeben, fand keinen Glauben. Chatpartner hatte er ferner aufgerufen, Verläufe zu löschen.

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