Aufreger in Mehrfamilienhaus in Hamm

Zoff um Kinderlärm: Familie muss bis 8 Uhr für Ruhe sorgen

Ruhestörungensorgen in einem Herringer Mehrfamilienhaus anhaltend für schlechte Stimmung.
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Ruhestörungen - offenbar speziell durch Kinder - sorgen in einem Herringer Mehrfamilienhaus anhaltend für schlechte Stimmung. (Symbolbild)

In einem Hammer Mehrfamilienhaus hängt seit Monaten der Haussegen schief. Grund sind Ruhestörungen, die von einer fünfköpfigen Familie ausgehen sollen – vor allem durch Kinderlärm.

Hamm – Die LEG als Vermieterin der Wohnung in der Heinrich-Renninghoff-Straße in Herringen hat die Familie, die namentlich nicht in der Zeitung stehen möchte, mittlerweile aufgefordert, den Kinderlärm bis 8 Uhr zu unterlassen. (Ist Kinderlärm ein Mietmangel?)

Nachbarn der Familie hatten der LEG gegenüber für den Zeitraum zwischen dem 23. und 30. Dezember täglich Lärm wie lautes Getrampel, Gerenne und Geboller aufgelistet, den sie vor 8 Uhr in der besagten Wohnung im zweiten Stock wahrgenommen haben wollen – auch wenn es teilweise nur für wenige Minuten laut war. So wie am 27. Dezember von 7.45 bis 7.50 Uhr, am 28. Dezember von 7.15 bis 7.17 Uhr und am 30. Dezember von 7 bis 7.03 Uhr.

„Uns ist bewusst, dass es in Zeiten der Pandemie bei geschlossenen Kindergärten/Schulen zu vermehrtem Kinderlärm kommen kann. Ruhestörungen vor 8 Uhr sind jedoch für Ihre Nachbarn belastend und mindern den Wohnwert“, heißt es in dem Schreiben der LEG, das der Familie seit Ende Januar vorliegt. Die sieht sich, zumindest teilweise, zu Unrecht an den Pranger gestellt und empfindet die Aufforderung, bis 8 Uhr für Ruhe zu sorgen, als „Frechheit“.

Kinderlärm in Hammer Wohnung: „Angefeindet werden nur wir“

„Wir können nicht nachvollziehen, dass die LEG diese Forderung unterstützt.“ Dass man, wie der Familienvater sagt, innerhalb der gesetzlichen Ruhezeiten für Ruhe zu sorgen hat, sei nachvollziehbar. Offiziell ende die jedoch um 7 Uhr. „Unsere Kinder sind aber bereits gegen 6 Uhr wach. Wie sollen wir sie bis 8 Uhr ruhig halten?“

Ein weiteres Problem ist aus seiner Sicht, dass die Wände in dem Haus vergleichsweise dünn sind und man schon bei normaler Lautstärke mitbekommt, was der Nachbar redet. „Über uns wohnt eine Familie mit vier Kindern.“ Und natürlich gebe es auch dort Kinderlärm. „Angefeindet werden aber nur wir“, fühlt sich der Vater von seinen Nachbarn und der LEG schikaniert. Man habe, wie er sagt, das Unternehmen sogar darum gebeten, ihnen eine andere Wohnung in Herringen zur Verfügung zu stellen. Die gebe es aber noch nicht.

Kinderlärm in Hammer Wohnung: Beschwerden schon seit Jahren

Damit die Situation in dem Haus nicht eskaliert, hat die Familie reagiert. Man habe die Türen gegen lautes Zuknallen gesichert und den Kindern Schaumstoffbälle gekauft. Mittlerweile hat sich die Situation auch dahingehend entspannt, dass die beiden jüngsten Kinder bereits um kurz nach 7 aus dem Haus sind und in eine Kindergarten-Notbetreuung gehen. „Unser ältester Sohn befindet sich im Homeschooling“, so der Vater.

Ob das hilft und in dem Haus Ruhe einkehrt? Die LEG ist da skeptisch. Denn sie erhebt ihrerseits schwere Vorwürfe gegen die Familie. „Es geht nicht ausschließlich um Kinderlärm, für den wir – insbesondere in Zeiten von Corona – grundsätzlich großes Verständnis haben, sondern um grundsätzliche Ruhestörungen, die von der Familie ausgehen. Da die Beschwerden, die uns aus der gesamten Hausgemeinschaft erreichen, nun seit drei Jahren anhalten, kann man hier nicht mehr von einem normalen Kinderlärm sprechen“, sagte LEG-Sprecher Mischa Lenz. Kinderlärm sei natürlich zu dulden, er habe jedoch auch seine Grenzen.

Kinderlärm in Hammer Wohnung: Sorgen anderer Mieter ernst nehmen

Man müsse, insbesondere im Sinne einer ganzheitlichen, intakten Hausgemeinschaft auch die Sorgen und Beschwerden anderer Mieter ernst nehmen und darauf eingehen. „Auch sie haben ein Recht auf Verständnis und Unterstützung.“

Laut LEG sind für die betroffene Familie aktuell keine weiteren Konsequenzen geplant. Ihr gehe es vielmehr darum, die Familie für die Anliegen ihrer Nachbarn zu sensibilisieren und auch auf ihrer Seite das nötige Verständnis zu erzeugen, begründet Lenz das jüngste Schreiben. Und was ist mit einem Kompromiss zum Beispiel dahingehend, dass Kinderlärm nur bis 7 Uhr zu unterlassen ist? Das ist für die LEG keine Lösung. Denn: „Die Familie hat bisher auf keine Beschwerden in irgendeiner Form positiv reagiert.“

Die Gerichte und der „Kinderlärm“

Das Thema „Kinderlärm“ beschäftigt immer wieder die Gerichte. Grundsätzlich ist Kinderlärm nicht verboten. Allerdings hat der BGH, wie Sarah Primus vom Deutschen Miederbund NRW mitteilte, entschieden, dass Mietminderung wegen Kinderlärm unter Umständen geltend gemacht werden kann. Jedoch müssten Art, Qualität, Dauer und Zeit der Lärmbelästigungen im Einzelfall berücksichtigt und nachgewiesen werden.

Gerichte sehen aber „Weinen, Schreien, Sprechen, Singen etc. durchaus meist als normalen Kinderlärm an und urteilen hier oft zugunsten der Kinder“. Ganz klare Regeln gebe es jedenfalls nicht, auch wenn natürlich grundsätzlich zum Beispiel Ruhezeiten eingehalten werden sollten.

Um eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, sollte sich die Familie mit ihrem Vermieter beziehungsweise Nachbarn in Verbindung setzen oder Rat beim Mieterverein suchen. - WA/stg

Beschwerden über Kinderlärm im üblichen Maße gibt es bei der LEG übrigens „immer wieder. „Doch normalerweise schaffen wir es, über klärende Gespräche mit den betroffenen Parteien für Besserung zu sorgen und den Hausfrieden wieder im Sinne aller Beteiligten herzustellen. Fälle, die sich über einen so langen Zeitraum als problematisch darstellen, sind eher selten und somit Einzelfälle.“

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