Mann wollte Jungen in Hotel locken

„Kinderfänger“ in Hamm: Schmierige Spielchen über die Playstation

Ein Richterhammer aus Holz liegt auf der Richterbank.
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Der Prozess wird das Dortmunder Landgericht wohl noch lange beschäftigen. 

Im Missbrauchs-Prozess gegen einen 24-jährigen Mann, der unter anderem versucht haben soll, ein Kind in ein Hotel am Hammer Bahnhof zu locken, hat das Dortmunder Landgericht weitere Zeugen vernommen. Den minderjährigen Jungen war die Befragung sichtlich peinlich.

Hamm/Dortmund – Immer deutlicher zeichnet sich inzwischen die Masche ab, mit der der 24-Jährige aus Karlsruhe die Kinder in seine Abhängigkeit gebracht haben soll. Nach einer ersten Kontaktaufnahme beim gemeinsamen Fortnite-Spielen an der Playstation folgte bald die Frage nach der Handynummer der Kinder. Und hatten die Jungen diese erst einmal herausgegeben, entwickelte sich in der Regel schnell ein reger Kurznachrichten-Austausch.

„Zuerst haben wir uns nur über Computerspiele und unsere Spitznamen auf der Playstation unterhalten“, sagte ein zwölfjähriger Junge aus Schöppingen am Montag. Der Angeklagte habe sich „Cop Killa“ genannt und irgendwann völlig überraschend das Thema gewechselt. „Auf einmal wollte er, dass ich ihm Bilder schicke“, so der Zeuge.

Auf Nachfrage der Richter, was denn auf den Bildern zu sehen sein sollte, druckste der Junge zunächst lange Zeit herum. Erst nach einer langen Besprechung mit seinen Eltern auf dem Gerichtsflur, rückte er dann mit den Tatsachen heraus. „Ich sollte meinen Penis fotografieren und habe das auch gemacht“, sagte er.

Treffen in letzter Minute verhindert

Ganz ähnlich erging es offensichtlich auch einem heute 13 Jahre alten Jungen aus dem Hunsrück. Auch er wurde von dem Angeklagten beim Computerspielen kontaktiert und schon kurz darauf bedrängt, ihm Nacktfotos zu schicken. „Als Gegenleistung habe ich 10 Euro gekriegt, die ich gleich beim Zocken investieren konnte“, sagte der Schüler jetzt.

Irgendwann habe er dann keine Lust mehr auf den Kontakt mit dem 24-Jährigen gehabt. „Da hat er mir aber gedroht, dass er an meine Schule kommt und dort die Bilder rumzeigt“, sagte der Zeuge. „Ich würde schon sagen, dass er mich damit erpresst hat.“

Wie berichtet wird dem Angeklagten außerdem vorgeworfen, einen Jungen in Hamm sogar zu einem realen Treffen in einem Hotel am Bahnhof überredet zu haben. Weil sich das Kind jedoch auffällig benahm, schöpften die Eltern Verdacht, und die Polizei konnte das Treffen in letzter Sekunde verhindern.

Der Prozess wird das Dortmunder Landgericht wohl noch lange beschäftigen. Es wurden weitere Verhandlungstage bis Anfang Februar 2021 terminiert.

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