Ruf nach mehr Unterstützung

Tausende Kinder in Hamm haben keinen Arzt in der Nähe

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Hamm – Uentrop: vier, Pelkum: null. Während sich Eltern im Hammer Osten ab April zwischen vier Kinderärzten entscheiden können, müssen Familien aus Pelkum und dem Hammer Norden weite Wege in Kauf nehmen.

Das geht aus einer Stellungnahme der Stadtverwaltung zu einer Anfrage der Grünen-Ratsfraktion hervor. „Zur Bekämpfung der hohen Kinderarmut in Hamm gehört eine angemessene kinderärztliche Versorgung“, sagt Ratsherr Karsten Weymann (Grüne). Er hat die Anfrage gestellt. Aus seiner Sicht ist es wichtig, dass Eltern Kinderärzte in der Nähe aufsuchen können. Gerade ärmere Familien seien wenig mobil und bräuchten Ärzte in der Nähe.

Doch die Kinderarztpraxen sind auf das Hammer Stadtgebiet ungleich verteilt. So wohnen in Hamm-Norden und Pelkum insgesamt knapp 5400 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Einen Kinderarzt gibt es in diesen Sozialräumen aber nicht. Im Bezirk Uentrop dagegen leben etwa 4200 Kinder. Dort gibt es ab April vier Kinderärzte, weil die Praxisgemeinschaft Jeßberger aus dem Bezirk Rhynern nach Uentrop zieht. Dort kommt dann ein Kinderarzt auf 1050 Kinder und Jugendliche.

Kinder pro Arzt in den Hammer Stadtteilen. (Klicken Sie rechts oben in das Bild, um die Grafik komplett zu sehen.)

Für die Frage, ob die ärztliche Versorgung in der Stadt ausreicht, ist die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) zuständig. Sie arbeitet nach Bundesvorgaben. Die KVWL sieht Hamm als Einheit: Demnach ist entscheidend, dass es innerhalb der Stadt genügend Ärzte gibt – nicht aber, wie sie sich auf die Stadtteile verteilen.

Weymann bewegt auch die Frage, ob in Hamm bald Kinderärzte fehlen. Schließlich ist mehr als die Hälfte mindestens 60 Jahre alt. Also fragte er die Verwaltung, wie viele bald in Ruhestand gingen. Dazu gebe es keine verbindliche Antwort, heißt es in der Stellungnahme – es gibt keine Altersgrenze für niedergelassene Ärzte. Die Verwaltung mutmaßt, dass viele von ihnen um das 65. Lebensjahr herum in Ruhestand gehen.

„Diese Antwort stellt mich nicht zufrieden“, sagt Weymann. „Mein Ziel war es, dass die Verwaltung mit den Ärzten in Kontakt tritt.“ In anderen Städten sei das üblich. Dort versuchten die Mitarbeiter der Stadt, Ärzte bei der Nachfolgersuche zu unterstützen. „In Hamm hat die Verwaltung anscheinend keine Idee dazu“, sagt Weymann.

Doch fehlen in Hamm bald Kinderärzte? Rein rechnerisch nicht: Schließlich gibt es etwa einen Kinderarzt pro 2400 Kinder und Jugendliche. Laut KVWL würde ein Arzt pro 3527 Kinder reichen, diese Messzahl gilt.

Sie steht aber in der Kritik, weil sich die Größenordnung seit Jahren nicht verändert hat – obwohl Kinder und Jugendliche heute aus unterschiedlichen Gründen häufiger zum Kinderarzt gehen als früher. Also sollte die Zahl angepasst werden, kündigte die KVWL im Sommer 2018 an. Passiert ist noch nichts.

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