Alkoholvergiftung

Bis zu 4,4 Promille: So viele Kinder landen in Hamm mit Vollrausch in der Klinik

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Immer mehr Mädchen schlagen inzwischen über die Stränge. (Symbolbild)

Hamm - Die Zahl der Kinder, die in Hamm mit Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kommen, ist und bleibt hoch.

Egal ob auf dem Weihnachtsmarkt, dem Schützenfest, Geburtstagen oder sonstigen Feierlichkeiten: Alkohol gehört für viele Hammer dazu, wenn es gesellig wird. Dass auch schon Kinder und Jugendliche mit dem Rauschmittel in gefährlicher Weise in Berührung kommen, zeigt die Zahl der Patienten, die mit einer Alkoholvergiftung in die Kinderklinik am Evangelischen Krankenhaus (EVK) eingeliefert werden. 2017 waren es 87 Jungen und Mädchen.

Mädchen fast so häufig betroffen wie Jungs

Galt vor wenigen Jahren noch der Grundsatz, dass Jungs deutlich häufiger über die Stränge schlagen als Mädchen, haben sich die Werte inzwischen nahezu angeglichen. Von den 87 Patienten im Jahr 2017 waren 46 männlich und 41 weiblich. Die jüngste „Komasäuferin“ war zwölf Jahre alt, der unrühmliche Spitzenreiter hatte einen Promillewert von 4,4. „Da wird es absolut lebensgefährlich“, betont Professor Wolfgang Kamin, Chefarzt der Kinderklinik. Bei einem Vollrausch, der schon bei deutlich geringeren Werten erreicht wird, gingen immerhin 100.000 bis 200.000 Nervenzellen kaputt.

Komasaufen kann lebensgefährlich werden. (Symbolbild)

Unterm Strich ist die Situation in Hamm zwar weitgehend konstant: 2014 waren es 73, 2015 89 und 2016 bis zum 1. September 78 Fälle. (Zahlen für 2018 liegen noch nicht vor.) Für Professor Wolfgang Kamin sind diese Werte dennoch besorgniserregend. „Deutschland ist ein Alkohol-Land. Die Getränke sind zu billig. Ausweise müssen beim Verkauf konsequenter kontrolliert werden“, sagt er. Nur so könne die Gefahr für Kinder und Jugendliche gesenkt werden.

Viele Eltern verharmlosen die Situation

Was Kamin fassungslos macht: Viele Eltern verharmlosen den übermäßigen Konsum von Bier, Cocktails und Co. „Alkohol ist in Deutschland akzeptiert, teilweise sind die Eltern sogar dabei, wenn sich die Kinder betrinken“, sagt Kamin.

Patienten würden bereits drei oder vier Stunden nach ihrer Einlieferung wieder abgeholt, weil die Eltern meinten, dass es ja „nur ein Vollrausch“ sei. „Andere Eltern weigern sich, ihre Sprösslinge nach Hause zu holen. Die sagen dann, dass das Kind ja schließlich auch ohne ihre Hilfe ins Krankenhaus gekommen ist“, so Kamin. „Das ist erschreckend.“

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