„Die Jungs hatten Todesangst“

Kinder im Kurpark ausgeraubt: Täter wollte Drogen kaufen 

Das Bild zeigt den Angeklagten neben seiner Verteidigerin Anke Richter aus Hamm.
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Das Bild zeigt den Angeklagten neben seiner Verteidigerin Anke Richter aus Hamm.

Zwei Brüder aus Hamm (10, 13) werden mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Jetzt steht der Täter in Dortmund vor Gericht - und sagt: „Ich liebe Kinder.“

Hamm/Dortmund - Diese Tat ist unfassbar: Vor knapp sechs Monaten hat ein Mann aus Hamm zwei damals zehn und zwölf Jahre alte Brüder ausgeraubt – am helllichten Tag. Die Beute: zwei Handys. Seit Montag muss sich der 36-Jährige in Dortmund vor Gericht verantworten.

Es war der 4. Februar 2021, als der Angeklagte mit einem Freund durch den Kurpark lief. Auf einer Bank sah er zwei Kinder, die auf ihre Handys schauten. Sie waren joggen, wollten sich nur kurz ausruhen. Dann ging alles ganz schnell.

„Einer hat meinen Bruder nach der Uhrzeit gefragt“, sagte der Zehnjährige den Richtern. „Dann hat er mir plötzlich mein Handy aus der Hand gerissen.“ Gleichzeitig blitzte die Klinge eines Messers auf. „Sie gucke vorne aus dem Ärmel des Mannes heraus.“ Auch der Bruder – heute 13 – musste sein Mobiltelefon abgeben. „Rennt uns nicht hinterher“, soll der Angeklagte noch gerufen haben. Dann waren er und sein Begleiter verschwunden.

„Die Jungs hatten Todesangst“, sagte der Vater am Rande des Prozesses. „Das hat die beiden richtig mitgenommen.“

Brüder im Kurpark Hamm ausgeraubt: „ich liebe Kinder“

Trotz Schock und Angst haben die Brüder jedoch alles richtig gemacht. Sie wandten sich umgehend an einen Spaziergänger, der rief die Polizei. Mit der Hilfe der Mutter konnte eines der Handys anschließend in kürzester Zeit geortet werden. Die Festnahme erfolgte noch am selben Tag. Die Mobiltelefone haben die Brüder inzwischen zurück.

Der Angeklagte will die Tat vor Gericht auch gar nicht bestreiten. „Wir wollten die Handys verkaufen, um Drogen zu besorgen“, sagte er den Richtern. Eines sollte für seinen Kumpel sein, das andere für ihn. „Normalerweise mache ich sowas nicht. Ich liebe Kinder.“

Auch, dass er ein Messer in der Hand gehabt habe, sei richtig. Dabei habe es sich nach seiner Schilderung allerdings um ein Klappmesser gehandelt – mit zugeklappter Klinge.

Kinder im Kurpark Hamm ausgeraubt: „Was soll ich machen ohne Arbeit?“

Im Prozess geht es für den 36-Jährigen um alles. Er hat schon zweimal im Gefängnis gesessen, war erst im November 2020 entlassen worden. Außerdem soll er knapp zehn Tage vor dem Überfall auf die Kinder auf der Museumsstraße auch noch einen anderen Mann ausgeraubt haben. Auch dabei soll ein Messer im Spiel gewesen sein. Die Richter müssen nun prüfen, ob neben einer neuen Verurteilung auch die anschließende und zeitlich unbefristete Sicherungsverwahrung angeordnet werden muss – zum Schutz der Allgemeinheit.

Der Angeklagte, der 2014 aus Marokko eingereist ist, schiebt alles auf die Drogen. „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um zu klauen“, sagte er den Richtern. „Aber was soll ich machen - ohne Arbeit und ohne Geld?“

Der Prozess wird fortgesetzt.

Jörn Hartwich

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