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Kfz-Mechatroniker Karolis Baltrukonis ist Bestprüfling – trotz Hindernissen

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Von: Sarah Hanke

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Kfz-Mechatroniker Karolis Baltrukonis (l.) ist Bestprüfling – trotz Hindernissen
Stolz auf den besten Azubi im Prüfungsgebiet: Julius Franken (rechts) freut sich über die Entwicklung seines Azubis Karolis Baltrukonis © Robert Szkudlarek

Schon lange stand für Karolis Baltrukonis fest, was er werden will. Autos liegen dem 30-Jährigen, der 2013 von Litauen nach Deutschland kam, im Blut: „Wenn ich Autos sehe, bekomme ich Gänsehaut.“ Jetzt ist der 30-Jährige Bestprüfling seines Gewerks geworden. Einfach war die Ausbildungszeit aber nicht.

Hamm - Beim Autohaus Julius Franken & Co. in Hamm hat er ein Unternehmen gefunden, bei dem er seine Leidenschaft für das Tüfteln an Autos ausleben kann. Jetzt hat er seine Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Mechatroniker abgeschlossen und in seinem Ausbildungsberuf das beste Ergebnis erreicht.

„Da sind wir natürlich besonders stolz“, sagte Julius Franken, der das Familienunternehmen inzwischen in der dritten Generation leitet. Wer in der Ausbildung solche guten Leistungen erbringt, habe gute Chancen auch hinterher übernommen zu werden. Doch derartige Leistungen erbringe längst nicht jeder Auszubildende. Im Einstellungsverfahren, das aus einem Fachgespräch sowie einer Leistungsprobe bestand, habe der junge Mann aus Litauen mit handwerklichem Geschick und mit technischem Verständnis überzeugt.

Vorliebe für deutsche Autos

Seine Leidenschaft für Kraftfahrzeuge und seine Vorliebe für deutsche Autos entdeckte Baltrukonis bereits in Litauen. „Die Autos sind für mich einfach am sinnvollsten gebaut. VW und Audi sind meine Lieblingsmarken“, sagt er. Nicht umsonst hat er sich deshalb bei Franken beworben: Das Autohaus ist VW-, Audi- und Skoda-Partner in Hamm. Das Reparieren und die Suche nach der Ursache für den technischen Fehler machen ihm in seinem Beruf am meisten Spaß: „Man muss Detektiv spielen, um auch den Hintergrund hinter den Fehlern zu finden. Das bringt mir Freude, jeden Tag aufs Neue.“

Auch wenn Baltrukonis aus seinem Heimatland bereits einige Vorkenntnisse im Kfz-Handwerk mitbrachte, stellte ihn die Ausbildung in Deutschland vor große Herausforderungen. „Als ich die Ausbildung begonnen hatte, wusste ich nicht, ob ich sie überhaupt packe“, erinnert sich der 30-Jährige. Vor allem der schulische Teil seiner Lehre stellte ihn vor Herausforderungen: „In der Schule musste ich die deutsche Sprache sowohl schriftlich als auch mündlich beherrschen.“ Obwohl Deutsch nicht unbedingt zu den einfach zu erlernenden Sprachen zählt, hat er sie sich mit viel Fleiß selbst beigebracht. Sprachkurse hat er keine besucht. Seine Technik: Für Prüfungen habe er sich die Sätze bereits im Vorfeld genau überlegt und zurechtgelegt.

Im ersten Lehrjahr wurde die Frau schwanger

„Das ist wirklich ein ganz fleißiger Mann und ein sehr engagierter Mitarbeiter“, lobte Franken. Während der Corona-Pandemie in den letzten zwei Jahren wurden vermehrt digitale Lernmittel zur Verfügung gestellt, womit die Azubis lernen konnten, wenn Kurse an der Berufsschule nicht stattfinden konnten. Doch die Sprache blieb während der Ausbildung nicht die einzige Schwierigkeit: Im ersten Lehrjahr wurde seine Frau schwanger. „Manchmal musste ich nachts um 2 Uhr aufstehen, um mich um meine kleine Tochter zu kümmern, und dann morgens um 8 Uhr einen Test schreiben“, erinnert er sich. Heute fragt er sich, wie er es manchmal geschafft hat, Ausbildung und Familie unter einen Hut zu kriegen.

 „Manchmal musste ich nachts um 2 Uhr aufstehen, um mich um meine kleine Tochter zu kümmern, und dann morgens um 8 Uhr einen Test schreiben“

Karolis Baltrukonis, Kfz-Mechatroniker

Sein Ziel war es daher, die Ausbildung erst mal überhaupt irgendwie zu packen: Doch als er dann am Ende des ersten Lehrjahres die guten Bewertungen gesehen hatte, war das sein Ansporn, noch eine Schippe draufzulegen: „Da habe ich mir gedacht, jetzt musst du noch mal Vollgas geben.“ Obwohl Baltrukonis seine Ausbildung von 3,5 auf 3 Jahre verkürzen konnte, ist es ihm gelungen, Bestprüfling im Einzugsgebiet der Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe zu werden. Aktuell ist Baltrukonis am Herringer Standort des Autohauses Franken tätig.

Berufswettbewerb

Jedes Jahr aufs Neue kämpfen Absolventen einer handwerklichen Berufsausbildung beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW) um den Sieg in ihrem Gewerk. Zuerst ermittelt die Handwerkskammer die Kammersieger, also die besten Absolventen der Region. Dann treffen die Kammersieger auf Landesebene aufeinander. In der finalen Runde kämpfen die Landessieger auf nationaler Ebene um den Titel Bundessieger. 

Konkrete Pläne für die Zukunft gibt es auch schon: Im nächsten Jahr wird er die Meisterprüfung in seinem Gewerk ablegen. Damit wird er die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen. An der Meisterschule in Arnsberg ist er bereits angemeldet. Künftig möchte er gerne weiterhin auf Fehlersuche bei Motoren und Getrieben gehen und seine technischen Fähigkeiten beim Tüfteln unter Beweis stellen.

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