In Herringen

Keller laufen schon wieder voll: Anwohner glauben nicht an Jahrhundert-Hochwasser-Erklärung des Lippeverbands

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Und wieder lief alles voll: Die Garagen und Keller der Anwohner der Dresdener Straße standen Donnerstag unter Wasser.

Hamm – Die Schäden vom Sonntag waren noch nicht beseitigt, da setzte am Donnerstagabend ein Sturzregen einige Keller in Hamm erneut unter Wasser - auch an der Dresdener Straße, die es am Wochenende besonders hart traf.

„Diesmal stand es bei uns aber ,nur’ 20 bis 30 Zentimeter hoch“, berichtete der Anwohner, den das erste Unwetter besonders stark getroffen hatte. Angefangen vom Auto in der Tiefgarage über die Heizung bis hin zur Kühltruhe im Keller stand alles unter Wasser. „Da sowieso schon alles kaputt war, sind am Donnerstag wenigstens keine neuen Schäden hinzugekommen“, übte er sich in Galgenhumor.

Dennoch: Ärgerlich ist die Sache allemal. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen sei das Wasser aus den Gullys gekommen und auf einige Grundstücke geflossen, berichtete er. Dabei sei das Gewitter vom Donnerstagabend, so seine Einschätzung, nicht einmal besonders heftig gewesen. „Solche Ereignisse hatten wir in den vergangenen Jahren immer wieder.“ Nur sei 15 Jahre lang nichts passiert.

Anwohner glauben nicht an "Jahrhundertereignis"

Das erneute Hochwasser bestärkt ihn und seine Nachbarn daher in ihrer Meinung, dass nicht, so wie vom Lippeverband gesagt, ein „Jahrhundertereignis“ für die ersten Überflutungen verantwortlich war. Vielmehr sei es aufgrund der Bauarbeiten am neuen Pumpwerk hinter der Dresdener Straße zu einem unterirdischen Rückstau gekommen. Und als Folge dessen sei das Wasser aus den Gullys gekommen. Es könne doch nicht sein, dass man künftig bei jedem Gewitter Angst um sein Hab und Gut haben müsse, so der Anwohner.

Einer seiner Nachbarn hat indes eine andere Theorie entwickelt. Wie er berichtete, sei vor einigen Jahren ein Ausgleichskanal gebaut worden, der den Überdruck in Richtung Wald entlasten sollte. Danach habe es auf der Dresdener Straße keine Probleme mehr mit Hochwasser gegeben. Im Zuge der derzeit laufenden Baumaßnahme sei der alte Zustand jedoch wiederhergestellt worden. „Deshalb saufen wir jetzt wieder ab.“

Lippeverband bleibt bei seiner Einschätzung

Der Lippeverband indes bleibt bei seiner Darstellung, dass auch das erneute Hochwasser eine Folge des starken Regens war, der am Donnerstag vor allem über Teilen Herringens, Pelkums und Wiescherhöfens niedergegangen war. Die Feuerwehr registrierte stadtweit mehr als 30 Einsätze, darunter auch einige voll gelaufene Keller.

Nach Angaben des Lippeverbands wurden bei dem „intensiven Starkregen“ an der Messstelle in Nordherringen insgesamt 24,1 Millimeter Niederschlag in einer halben Stunde gemessen, was der Stufe 4 entspricht.

„Statistisch gesehen kann er mit einer Jährlichkeit von 20 Jahren auftreten“, so eine Sprecherin des Verbandes. Zum Vergleich: Am Sonntag wurden sogar 35,4 Millimeter in 30 Minuten gemessen, was der Stufe 8 (extremer Starkregen) entspricht. „Dieses Ereignis kann statistisch gesehen seltener als einmal in 100 Jahren auftreten“, hieß es vom Lippeverband.

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