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„Keine Zeit für Arschlöcher“: ZDF-Film über Lichter mit Stempel aus Hamm

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Von: Holger Krah

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Till Hoheneders ist Co-Autor von Horst Lichters Biografie „Keine Zeit für Arschlöcher!“.
Buch- und Filmempfehlung: Till Hoheneders ist Co-Autor von Horst Lichters Biografie „Keine Zeit für Arschlöcher!“ – der Vorlage für den gleichnamigen Film. © Robert Szkudlarek

Till Hoheneder, Autor aus Hamm, hat an der Biografie von Horst Lichter mitgeschrieben und findet die Verfilmung des Buches sehr gelungen. Heute Abend läuft sie im ZDF, in der Mediathek ist sie jetzt schon verfügbar.

Hamm – Nein, lineares Fernsehen schaut er kaum noch, sagt Till Hoheneder. Und schon gar nicht die Filme, die sonntagabends in der „Herzkino“-Reihe im ZDF laufen, egal ob es mit Rosamunde Pilcher nach Cornwall oder mit Inga Lindström nach Schweden geht. Den Film, der jetzt am Sonntag, 9. Januar, um 20.15 Uhr in Zweiten läuft, kann er allerdings nur wärmstens empfehlen. Der Hammer Autor und Comedian hat ihn nämlich schon gesehen – und zwar nicht in der ZDF-Mediathek (dort ist er jetzt schon zu sehen), sondern bei der exklusiven Vorpremiere am Donnerstag im Residenztheater in Köln.

Worum geht es? Um den Film „Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“. Das ZDF spendiert seinem prominenten TV-Koch und „Bares für Rares“-Moderator sechs Tage vor dessen 60. Geburtstag ein besonderes Geschenk: die Verfilmung seiner Autobiografie. Und an dieser Stelle kommt Till Hoheneder ins Spiel. Er war 2016 als Co-Autor für Lichters Biografie mit eben diesem Titel: „Keine Zeit für Arschlöcher“.

Der Film greift das Hauptthema des Buchs auf: Horst Lichter erfährt, dass seine Mutter an Krebs erkrankt ist, fährt zu ihr in die rheinsche Heimat und verarbeitet dort seine Kindheit und entscheidet nach dem Tod der Mutter: Er hat „keine Zeit mehr für Arschlöcher“. Er ändert sein Leben. Schließlich hat ihm seine Mutter kurz vor ihrem Tod gesagt: „Hör endlich auf, der Clown zu sein. Der Spaß ist vorbei.“ Ein zentraler Satz im Buch und im Film.

Till Hoheneder findet „den Film sehr bewegend“

Nicht nur der Tod seiner Mutter hat Lichter seine eigene Endlichkeit aufgezeigt, sondern auch eine Episode aus dem Buch, in dem Film aufgegriffen wird. Ein Freund von Lichter schneidet ein Maßband bei 78 Zentimetern ab, schließlich lebt ein Mann laut einer Statistik 78 Jahre. Der Freund schneidet weitere 52 Zentimeter ab – Lichter war zu den Zeitpunkt 52 – und sagt: „Vielleicht hast du noch 26. Jahre. Aber nur vielleicht. Mach was draus, mein Freund.“

All das steht in dem Buch, und all das ist im Film zu sehen. Aber ist der auch gelungen? Hoheneder bejaht vehement. „Ich fand den Film sehr bewegend.“ Zumal er ja beim Schreiben ein Stück der Geschichte mitgegangen sei und Lichter ihn an seinem Leben habe teilnehmen lassen. „Das ist sehr aufwühlend, wenn man das im Kino auf der großen Leinwand sieht.“

Auch Lichter selbst war sehr bewegt. In einer kurzen Rede, bevor der Film begann, berichtete der fast 60-Jährige, dass er schon einige Szenen vorher gesehen und geheult habe wie ein Schlosshund, erzählt Hoheneder von der exklusiven Kinovorstellung.

Zweite Buchverfilmung für Till Hoheneder

Für den Hammer Autor ist es bereits das zweite Mal, dass eines seiner Bücher verfilmt wurde. Auch die Gaby-Köster-Biografie „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ wurde verfilmt – 2017 im RTL. Dort hatte er sogar ein wenig am Drehbuch mitgeschrieben und die Texte „Gabyisiert“, wie er sagt, und damit dafür gesorgt, dass die Hauptdarstellerin Anna Schudt Köster inklusive ihres kölschen Dialekts richtig rüberbringt. Bei Lichter gelingt es Hauptdarsteller Oliver Stokowski auch ohne Hoheneders Hilfe, der Bartträger authentisch zu verkörpern – samt rheinischem Singsang. „Stokowski ist sensationell“, findet nicht nur Hohenender, auch Horst Lichter ist begeistert von seinem Ebenbild im Film.

Ihm war übrigens vom ZDF angeboten worden, sich selbst zu spielen oder in einer Szene mitzuwirken. Lichter hat dies abgelehnt – anders als Hape Kerkeling, der in „Der Junge muss an die frische Luft“ ganz am Ende selbst auftaucht.

Dass er anders als beim Gaby-Köster-Film nicht zurate gezogen wurde, stört Hoheneder überhaupt nicht. „Ich bin kein Drehbuchschreiber, sondern Autor. Und als solcher muss man seine Bücher auch loslassen können. Und das ZDF hat die Biografie wunderbar umgesetzt.“

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