"Hamm hat keine gute Infrastruktur für Homosexuelle"

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Hamm - Homosexuelle in Hamm brauchen mehr Akzeptanz, Unterstützung und Angebote. Das findet unser Experte, den wir aus Anlass des Tages gegen Homophobie gesprochen haben.

Am 17. Mai 1990 beschloss die Generalversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Überfälliges: Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten zu streichen. Der 17. Mai wurde daraufhin zum Internationalen Tag gegen Homophobie ausgerufen. Aus diesem Anlass hat Cedric Sporkert mit Martin Enders von der Aids-Hilfe Hamm darüber gesprochen, wie das Leben für homosexuelle Menschen in Hamm ist.

Wie hat sich durch Errungenschaften wie die sogenannte „Ehe für alle“ die Stimmung gegenüber Homosexuellen verändert? 

Enders: Dadurch gibt es keine gesetzliche Diskriminierung mehr. So schön das auch ist, hat es nur wenig damit zu tun, wie die Sichtweise auf homosexuelle Menschen in der Bevölkerung ist. Ich erlebe, dass beide Pole etwas größer geworden sind. Viele Menschen sind in den vergangenen Jahren ein gutes Stück offener diesem Thema gegenüber geworden. Aber auf der anderen Seite wir auch die Ablehnung der Menschen, die gegen diese Lebensweise sind, massiver. Gerade bei Jugendlichen nimmt die Toleranz eher ab als zu. In diesem Alter wird oft alles abgelehnt, was nicht der Norm, dem sogenannten Mainstream entspricht.

Wie kann denn mehr Akzeptanz geschaffen werden?

Enders: Vielfalt muss in sämtlichen Lebenslagen thematisiert und offen demonstriert werden. Das ist etwas normales. Wir klären viel auf und gehen auf Jugendliche zu. Die sind manchmal sogar überrascht, dass Schwule und Lesben gewöhnliche Menschen sind.

Wie ist die Situation für Homosexuelle in Hamm? 

Enders: Wir haben in Hamm keine besonders gute Infrastruktur für homosexuelle Menschen, es gibt nahezu keine Angebote. Hamm verträgt mehr als gar nichts. Wenn die lokale Politik dieses Thema offensiver thematisieren würde, könnte da vielleicht etwas passieren.

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Kommentare

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Kommentare

GabrielAntwort
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Ich hoffe das ist nachher noch zugänglich. Hab erstmal ein längeres Meeting.

JakobAntwort
(0)(0)

Das ist eben das Dilemma von Menschen, die aufgrund eines Merkmals diskriminiert werden: Wenn sie auf ihre Ungleichbehandlung aufmerksam machen und Gleichberechtigung einfordern wollen, dann müssen sie dieses Merkmal thematisieren, auch, wenn sie eigentlich der Auffassung sind, dass es keine Rolle spielen sollte. Dann wirft man ihnen aber vor, sie würden auf dieser Eigenschaft herumreiten und daraus etwas Exklusives machen. Lesen Sie dazu bitte, wenn es Sie interessiert, den sehr aufschlussreichen Artikel von C. Emcke: https://www.sueddeutsche.de...

Wenn queere Jugendliche einen Ort haben wollen, an dem sie sich austauschen und sich gegenseitig unterstützen können, dann ist das spezifisch, insofern es ein Anliegen ist, dass aus der spezifischen Situation entsteht, die sie teilen. Diese Situation haben sie aber nicht selbst hergestellt.

Auch sehe ich weiterhin nicht ein, warum Anliegen nicht öffentlich unterstützt werden sollten, wenn sie exklusiv sind. Sie haben recht, Schach-Clubs sind auch für Homosexuelle offen, aber eben nicht für Halma- oder Mensch-ärgere-dich-nicht-Spieler oder für Leute, die einen Abend lang die Weltpolitik diskutieren wollen. Deswegen hat ihre öffentliche Unterstützung dennoch Berechtigung.

GabrielAntwort
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Das Wort Infrastruktur stand ganz früher mal für unterirdische bauliche Anlagen und hat sich dann entwickelt, wurde für immer mehr Zwecke eingespannt und trotz allem steht es im Kern immer noch für bauliche Anlagen.

Oder wenn man den Duden bemüht, präzise dafür:

1. notwendiger wirtschaftlicher und organisatorischer Unterbau als Voraussetzung für die Versorgung und die Nutzung eines bestimmten Gebiets, für die gesamte Wirtschaft eines Landes

2. Gesamtheit militärischer Anlagen

Schwerlich nachvollziehbar die Wortwahl daher!

Wäre es so schwer gewesen, sich hinzustellen und mehr Beratung und Aufklärung zu fordern. Doch wohl kaum.

Mobbing ist zudem ja kein spezifisches Problem Homosexueller. Warum also diese exklusivitäts Forderung, ich dachte es ginge darum nicht Ausgegrenzt zu werden und nun muss es ein, am besten mehrere spezielle Angebote sein.