Serie: Was braucht Heessen?

Kein Platz mehr fürs Handwerk: Wie geht es der Wirtschaft im Bezirk Heessen?

Zwei junge Unternehmer, zwei Handwerksbetriebe, dasselbe Problem: Thomas Kaplan (links) sucht für seinen Malerbetrieb ebenso größere Räumlichkeiten wie Sven Jockheck für seinen Sanitärbetrieb.
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Zwei junge Unternehmer, zwei Handwerksbetriebe, dasselbe Problem: Thomas Kaplan (links) sucht für seinen Malerbetrieb ebenso größere Räumlichkeiten wie Sven Jockheck für seinen Sanitärbetrieb. 

In Heessen gibt es florierende Betriebe. Für die läuft aber längt nicht alles problemlos. An Platz mangelt es. Und wie geht es der Wirtschaft in Heessen insgesamt? Diskutieren Sie mit (Formular unten im Artikel)!

Heessen/Hamm-Norden – Sven Jockheck und Thomas Kaplan haben einiges gemeinsam. Sie sind befreundet, jung und in ihren Handwerksbetrieben jeweils ihre eigenen Chefs. Beide haben den Hauptsitz ihres Unternehmens am Großen Sandweg, beide sind so erfolgreich, dass ihre Betriebe wachsen. Und damit haben beide das gleiche Problem: Sie finden nicht den passenden Raum für ihre Handwerksbetriebe und wachsen deshalb außerhalb des Hammer Nordens und auch außerhalb des Bezirks Heessen.

Boomende Betriebe stoßen schnell an die (räumlichen) Grenzen

Thomas Kaplan ist Malermeister, sein Unternehmen hat aber wesentlich mehr zu bieten als Farbe. Sanierung und Dämmung gehören dazu, er sorgt für ungewöhnliche Oberflächen wie Steinteppiche und für ökologische Angebote. Trotz Corona ist der Betrieb auf einem guten Weg. Nur: Mehr Kunden zu haben bedeutet auch, mehr Materialien im Lager vorzuhalten und einen größeren Raum für Besprechnungen zu benötigen. Kaplan kam da am Großen Sandweg an seine Grenzen.

Sven Jockheck geht es ähnlich. Er übernahm am 1. Februar 2018 den Sanitärbetrieb S. Brodda, damals ansässig an der Römerstraße. Dort konnte er aus verschiedenen Gründen nicht bleiben, und er fand seinen heutigen Sitz im Großen Sandweg. Ein kleines Büro hat er dort, ein kleines Lager und einen Mini-Raum für sich selbst. Manche Schwierigkeiten nahm er in Kauf: Dass es eigentlich keine Parkplätze in unmittelbarer Umgebung gibt, dass das Tor zum Lager sehr schmal ist, und dass er regelmäßig Knöllchen wegen Falschparkens bezahlen muss. Aber dann wurde klar: Er holt mehr Aufträge rein und braucht deswegen mehr Platz.

Keine Flächen: Wirtschaftsförderung kann auch nicht weiterhelfen

Kaplan und Jockheck hörten sich in ihren Kreisen um und beide machten die gleiche Erfahrung: Sie fanden keine brauchbare Flächen – dafür aber Handwerkskollegen, die auch Räume suchten. Kaplan schaute sich eine Möglichkeit im Gewerbepark in Bockum-Hövel an – die kam aber bei näherem Hinsehen nicht in Frage.

„Ich bin dann zur Wirtschaftsförderung gegangen“, berichtet Kaplan, „und habe gefragt, was sie mir anbieten können“. Die Antwort bestand aus einer Silbe: nichts. „Es hieß dann, wenn Sie mehr als tausend Quadratmeter wollen, ist das kein Problem, aber kleine Flächen ...“ Kaplan braucht vielleicht 200 Quadratmeter, Jockheck etwas mehr. Und diese kleinen Flächen gibt es nicht.

Handwerkerzentrum nach Kommunalwahl vom Tisch

Kaplan trat im Kommunalwahlkampf als Direktkandidat der CDU an, und er hatte eine Idee, wie zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen gewesen wären: Das Gelände an der früheren ATU-Niederlassung an der Heessener Straße könnte zu einem Handwerkszentrum mit vielen kleinteiligen Gewerbeflächen werden, so wie Handwerksbetriebe sie brauchen. „An der Heessener Straße wäre es ideal gewesen“, sagt Kaplan, „zentral gelegen, gute Verkehrsanbindung und viel Platz für mehrere Handwerksbetriebe.“ Blöd für ihn, dass seine Partei die Wahl nicht gewann. Die SPD hat andere Vorstellungen.

Sven Jockheck hingegen fand zumindest eine Zwischenlösung, eine Lagerfläche bei einem Dachdeckerbetrieb. „Wenn man sich untereinander nicht hilft“, sagt er, „dann hilft einem keiner“. Eine Dauerlösung aber ist das nicht, der Handwerksmeister sucht weiter.

Mehr Platz bringt Betrieben viele Vorteile

Warum ist ein ausreichend großes Lager so wichtig? Da ist zum einen die Ordnung, erklärt Jockheck, denn wenn man wenig Fläche habe, könne man nur alles auf engem Raum zusammenstellen, und man müsse die Höhe nutzen. „Da liegt alles schnell durcheinander“, sagt er. Mehr Material auf einmal zu bestellen, senke zudem die Einkaufspreise, ergänzt Kaplan. Und Jockheck argumentiert mit dem Tempo: Seien mehr Waren auf Lager, könne er Aufträge schneller abarbeiten.

Auch die Idee, eine Fläche am Schwarzen Weg im Bezirk Mitte zu entwickeln, war eine Sackgasse, und dann half der Zufall den beiden. Ein Unternehmen aus dem Bereich Gebäudeservice beauftragte Kaplan, seine neuen Räume im Bezirk Mitte zu streichen, es handelte sich um ein Ladenlokal. „Das war in einem so schlechten Zustand, dass ich geraten habe, nicht dort hinzuziehen“, sagt Kaplan, und so waren es auf einmal drei Handwerksbetriebe, die ein Dach über Lager und Büro suchten. Und die stießen auf Refik Akyüz, der eine Tausend-Quadratmeter-Halle im Schildkamp vermieten wollte, aber dafür keinen Interessenten fand.

Beide Handwerker hätten Hamm sogar den Rücken gekehrt

Mit der Lösung, sich die Fläche zu teilen, war allen geholfen. Kaplan nutzt dort künftig 200 Quadratmeter, Jockheck 250 und die Gebäudereinigung 300. Büros und Lager gibt es dort. Der 50 Quadratmeter große Besprechungsraum wird gemeinsam genutzt. Nur: Beide Handwerker wären lieber im Hammer Norden oder zumindest in Heessen geblieben – beide waren aber auch bereit, Hamm ganz zu verlassen, hätten sie keine passenden Räume gefunden. Kaplan hatte schon eine Fläche nahe Werne im Auge, Jockheck eine in der Nähe von Bergkamen.

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