Fragen und Antworten

Glunz-Dorf nur für Flüchtlinge? Nein - es kommt doch anders!

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Das ehemalige Glunz-Dorf: 1 Amt für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten, 2 Flüchtlingsunterkunft (bis zu 65 Personen), 3 und 4 Flüchtlingsunterkünfte (bis zu 130 Personen), 5 Jugendamt, Abteilung „Frühkindliche Bildung“, 6 VHS: Deutsch als Fremdsprache, X möglicher Standort Kita.

Hamm - Das frühere "Glunz-Dorf" am Caldenhofer Weg sollte ein Flüchtlingsdorf werden. Eigentlich. Denn 13 Monate nach einem entsprechenden Kaufvertrag kommt nun alles ganz anders.

Zum Vorzeigeprojekt für eine Begrüßungskultur sollte die ehemalige Verwaltungszentrale der Glunz AG am Caldenhofer Weg werden. Aus den gläsernen Bürohäusern, die wie in einer Ferienhaus-Anlage in eine kleine Parklandschaft integriert sind, sollte ein Flüchtlingsdorf werden. Das Gebäude, in dem bis heute das Fitness-Studio „FitPlus“ residiert, sollte zu einer Kindertagesstätte umgebaut werden. 13 Monate nach dem Kaufvertrag kommt nun doch (fast) alles ganz anders. Die WA-Lokalredaktion erklärt warum und erläutert, welche Planungen Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann aktuell für dieses rund 55.000 Quadratmeter große Gelände verfolgt.

Wieviele der ehemaligen Büro-Häuser wurden zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut, und wie viele Wohnplätze gibt es dort? 

Im Glunz-Dorf, während der langen Vermarktungsphase auch vornehm Ahse-Residenz genannt, befinden sich sechs Häuser. Drei der Büro-Gebäude, die jeweils ein Doppelhaus verkörpern, sind inzwischen für Wohnzwecke umgebaut worden. Nur eines der Gebäude ist zurzeit tatsächlich mit Flüchtlingen belegt, und zwar bereits seit Mai 2016. Zwei weitere Doppelhäuser wurden unter städtischer Regie im zweiten Halbjahr 2017 umgebaut. Mit der Belegung soll im Februar begonnen werden. Insgesamt stehen damit in der städtischen Flüchtlingsunterkunft maximal 200 Wohnplätze zur Verfügung. Tatsächlich wohnen dort (im Haus 2) 40 Personen; 25 Plätze sind hier frei.

So sieht es in der Anlage am Caldenhofer Weg aus.

Wann werden die übrigen Bürogebäude zu Flüchtlingsunterkünften umgebaut? 

Gar nicht mehr. Der Flüchtlingszustrom ist versiegt. Im gesamten Jahr 2017 kamen nicht einmal zehn Prozent der Menschenmenge von 2015, als der Stadt Hamm innerhalb weniger Monate 1 256 Flüchtlinge zum dauerhaften Verbleib zugewiesen worden waren. 2016 gab es die Erwartung, dass ein neuer Flüchtlingsstrom einsetzen könnte. Die Verwaltung hat sich darauf vorbereitet und neue Kapazitäten geschaffen – unter anderem durch den Ankauf des ehemaligen Glunz-Geländes für knapp vier Millionen Euro. Da eine neue Zuwanderung bis heute ausgeblieben ist, hat Hunsteger-Petermann nun für die verbliebenen freien Bürohäuser neue Pläne.

Welche alternativen Nutzungen sind nunmehr in den seit Jahren leerstehenden Bürohäusern vorgesehen?

Es geht um das Haus 5: Hier soll demnächst die Abteilung „Frühkindliche Bildung“ mit 18 Mitarbeitern einziehen. Das Sachgebiet hat mehrere Abteilungen, die den gesamten Kindergartenbereich betreffen: Bedarfsplanung, Finanzierung und Elternbeiträge, Beratungs- und Vermittlungsstelle der Kindertagesbetreuung, Fachberatung und Qualitätsentwicklung sowie die Leitungskräfte.

Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm

Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm
Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm
Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm
Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm
Neue Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Glunz-Dorf Hamm

Diese Abteilungen sind aktuell im Rathaus untergebracht. Warum der Umzug? 

Im Rathaus gibt es Platzbedarf. Der Grund dafür liegt in einer anderen Abteilung, der sogenannten Unterhaltsvorschusskasse. „Wir haben hier eine Zunahme von 1 200 auf 2 700 Fälle“, sagte der OB gestern auf WA-Nachfrage. Der Grund dafür: Das Gesetz zum Unterhaltsvorschuss wurde angepasst. Früher wurde nur für Kinder bis zum 12. Lebensjahr Unterhaltsvorschuss gezahlt, wenn der Unterhaltspflichtige (in der Regel der Vater) nicht zahlte. Für viele, insbesondere alleinerziehende Mütter, wurde das zu einer Armutsfalle, wenn ihre Kinder ab dem 13. Lebensjahr ohne Unterhaltszahlungen dastanden. Es blieb nur die Möglichkeit, auf juristischem Wege den Unterhalt einzutreiben. Das ist nicht nur zeitaufwändig, sondern war oft auch nicht von Erfolg gekrönt. „Wir haben schon sieben neue Arbeitsplätze einrichten müssen, um dem Arbeitsaufkommen Herr zu werden“, sagte Hunsteger-Petermann. Da in diesem sensiblen Bereich auch vertrauliche Gespräche geführt werden müssen, seien etwa 20 kleinere Büroräume erforderlich. Das entspreche in etwa der Raumkapazität der Abteilung „Frühkindliche Bildung“, die jetzt ins Ex-Glunzdorf ausgelagert wird.

Hätte die Stadt auch eine Alternative dazu? 

Grundsätzlich ja. Es war schon die Anmietung von Büroräumen im Südring-Center (hinter dem Mercure-Hotel) vorgesehen. „Das habe ich aber gestoppt“, so der OB. Da auf absehbare Zeit die Bürohäuser im Ex-Glunzdorf wohl nicht für Asylbewerber benötigt würden, habe er nach dem Gebot des sparsamen Wirtschaftens gehandelt. „Wir können dort mit geringem Renovierungsaufwand einziehen.“ Die Stadt spare so Mietkosten in Höhe eines größeren fünfstelligen Betrags pro Jahr ein.

Was ist, wenn in diesem Sommer die nächste Flüchtlingswelle einsetzt? 

„Kein Problem“, sagt Hunsteger-Petermann. Dann könne die Stadt immer noch eine fremde Immobilie auf dem freien Markt anmieten, die Häuser im Ex-Glunzdorf freiziehen und doch für Wohnzwecke umbauen. In dem größeren Haus 6 ist seit Jahren ein Fitness-Studio untergebracht. Die Räume sollten zu einer Kindertagesstätte ausgebaut werden, vornehmlich für Kinder von Flüchtlingsfamilien. Hat diese Planung noch Bestand? In dieser Form nicht mehr. Ein Kindergarten soll nach wie vor auf dem riesigen Arreal im Hammer Süden angesiedelt werden, weil der Bedarf da ist – und zwar auch ohne Zuwachs von Flüchtlingen. Der Umbau des Fitnessstudios würde nach verwaltungsinternen Berechnungen so teuer werden wie ein Neubau. „Deshalb haben wir entschieden, auf dem weitläufigen Gelände eine neue Kindertagesstätte mit drei Gruppen zu errichten“, sagte Hunsteger-Petermann. Dazu muss noch Baurecht geschaffen und ein Träger gefunden werden. In zweieinhalb Jahren soll die Einrichtung laufen.

Bleibt das Fitness-Studio dann doch erhalten? 

„Nein. Es bleibt bei der Kündigung zum 31. März“, sagte Hunsteger-Petermann. Die VHS habe Raumnot und müsse den gesamten Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ angemessen unterbringen. „Das wollen wir in Haus 6 zentralisieren“, so der OB. Außerdem sollen die Räume künftig auch für verwaltungsinterne Fortbildungen genutzt werden: „Auch für diese Lösung gilt, dass wir das Gebäude im Ernstfall schnell wieder freiziehen und doch noch als Flüchtlingsunterkunft herrichten können.“

Unser Video vom Mai 2016:

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