Nachfolgerin gefunden

Kein Abschied von den Kunden: Friseurmeister Friedrich Lutterbeck öffnet nicht mehr

Berufsleben beendet: Angelika und Friedrich Lutterbeck werden ihren Salon an der Langen Straße nach dem Lockdown nicht mehr öffnen. Sie gehen in den Ruhestand – am 1. März übernimmt eine Nachfolgerin am Traditionsstandort.
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Berufsleben beendet: Angelika und Friedrich Lutterbeck werden ihren Salon an der Langen Straße nach dem Lockdown nicht mehr öffnen. Sie gehen in den Ruhestand – am 1. März übernimmt eine Nachfolgerin am Traditionsstandort.

Die meisten Kollegen fiebern ihrer Wiedereröffnung am 1. März entgegen. Bei Friseur Friedrich Lutterbeck ist das anders.

Hamm-Westen – „Corona hatte mit der Entscheidung aufzuhören nichts zu tun. Schade nur, dass das Virus dafür gesorgt hat, dass ich mich nicht ordentlich von meinen Kunden verabschieden konnte“, sagt der Friseurmeister, der zum 28. Februar Kamm, Schere und Haarbürste beruflich zur Seite legt.

Den Salon Haarmoden Lutterbeck wird es an der Lange Straße 252 aber erst einmal unter diesem Namen weiter geben – am 1.März übernimmt Nachfolgerin Bianca Friede am Traditions-Standort, an dem 1949 Vater Karl Lutterbeck erst einmal mit einem Herrensalon startete. Mit dem Eintritt von dessen Frau Charlotte ins Geschäft im Jahr 1950 kam das Damenfach dazu. 1950 war auch das Geburtsjahr von Friedrich Lutterbeck, der nun aus Alters- und Gesundheitsgründen das Geschäft weitergibt.

Friseurmeister Friedrich Lutterbeck hört auf

Ein Bandscheibenvorfall hatte den Entschluss, der vor der Corona-Schließung gefasst wurde, mitgeprägt. Dass der Familienbetrieb in andere Hände übergeht, ist auch der Tatsache geschuldet, dass die zwei erwachsenen Kinder in anderen Berufen tätig sind.

Auch Friedrich Lutterbeck hätte sich in jungen Jahren für einen anderen Weg entscheiden können. „Meine Eltern hätten mir jede Chance gegeben“, erinnert er sich. Aber mit 15 Jahren begann er seine Ausbildung im elterlichen Salon – damals wurde ein Azubi noch als Stift bezeichnet. Nach der Lehre verließ der junge Friseur dann erst einmal den Salon.

Er ging nach Darmstadt, wo er bei der Firma Goldwell an Entwicklung und Vermarktung neuer Haarfärbemittel beteiligt war. Dabei kam er viel herum: „Wir haben den Friseuren in ihren Salons gezeigt, wie man die Produkte anwendet“, erinnert er sich. Auch auf Messen und Friseurwettbewerben – etwa in Frankfurt und Düsseldorf – war er für Goldwell vor Ort. 1971 besuchte Friedrich Lutterbeck dann die Meisterschule in Lörrach. Dabei kam er letztendlich nicht nur zum Meisterbrief, sondern auch zum Trauschein. Er lernte an der Meisterschule seine Frau Angelika kennen – im August dieses Jahres kann das Paar seine Goldhochzeit feiern.

Treue Stammkundschaft aufgebaut

Inzwischen war der elterliche Salon gewachsen und hatte mehrere Mitarbeiter. „Im Laufe der Jahre ist da bestimmt zehnmal umgebaut worden“, berichtet Lutterbeck, der dann 1978 auf das Angebot seiner Eltern einging und zusammen mit seiner Frau das Geschäft übernahm und in „Haarmoden Er, Sie, Es“ umbenannte. Aber nicht nur beim Namen war das Paar kreativ: „Wir haben damals schon eher als viele Kollegen auf moderne Technik gesetzt. Wir haben Haaranalysegeräte benutzt, um Kunden gezielt Präparate anbieten zu können.“

In den gut 43 Jahren konnte sich Friedrich Lutterbeck eine treue Stammkundschaft aufbauen, von der er sich nun durch den Lockdown nicht wie gehofft persönlich verabschieden konnte – übrigens genau im 50. Jahr nach seiner Meisterprüfung.

„Wenn ein Kunde mit der Frisur zufrieden ist, kommen in der Regel auch weitere Familienmitglieder dazu“, sagt Lutterbeck, der ganze Generationen mit dem richtigen Look versorgt hat. „Es gibt sogar Kunden, die extra aus Köln und aus Hamburg zum Haarschnitt anreisen. Die wissen auch schon Bescheid und wollen auch weiter in den Salon kommen“, so Lutterbeck, der froh ist, dass er sein Geschäft der Kollegin übergeben kann.

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