Was halten Sie von der "etwas anderen Idee"?

Aus für Kaufhof: Kommt jetzt Outlet-Konzept in die Innenstadt?

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Das Kaufhof-Aus beschäftigt Bürger wie Politik: Was muss passieren, um die City wieder attraktiv zu machen?

Das Ende des Hammer Kaufhof-Standorts könnte der Anfang von etwas Großem bedeuten – so sieht es zumindest Ulrich Wiewelhove. Der 68-Jährige hat einen eigenwilligen Plan für die Innenstadt. Er möchte nach dem Vorbild von Bad Münstereifel ein Outlet-Konzept für den gesamten City-Bereich erstellen lassen. Das dürfte das Stadtbild verändern.

Hamm - Wenn Ulrich Wiewelhove durch die Hammer Fußgängerzone geht, sieht er zweierlei: eine Stadt mit Potenzial und Niedergang, der bereits vor ein paar Jahren begonnen hat. Der baldige Leerstand der Kaufhof-Immobilie und das bislang fehlende Nachnutzungskonzept in der Fläche – das sind nur zwei Punkte auf einer langen Liste mit Angriffspunkten. Er möchte gegensteuern mit einer besonderen Idee. Die ist nicht neu, kann aber funktionieren, wie er glaubt.

Wiewelhove wünscht sich die Wiederaufnahme einer Diskussion, die in Hamm schon einmal geführt worden ist: Er kann sich vorstellen, dass in Hamm ein Outlet-Angebot nach Vorbild der Stadt Bad Münstereifel entsteht. Also kein Center fernab der City, das sich abgrenzt und das auch noch die letzten Besucherströme aus der City umlenkt, sondern eine Art Leerstandsmanagement. Dort, wo Ladenlokale leerstehen, könnten Outlet-Stores einziehen.

Als Diplom-Grafik-Designer hat der 68-Jährige den Handel bundesweit betreut und kennt viele Unternehmen und Entscheider in der Wirtschaft. So hat er vielerorts Entwicklungen, Trends und Probleme miterlebt. „Die meisten Unternehmen, die ich betreut habe, gibt es heute nicht mehr“, sagt Wiewelhove. „Viele mittelständische Handelsunternehmen haben Platz gemacht für größere. Investorengruppen übernehmen und stoßen ab nach Belieben. Hinzu kommt eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist: Der Kunde, der im Geschäft vor Ort enttäuscht wird, den verliert man an den Online-Handel, meist dauerhaft.“

"In Hamm fehlt es an innerstädtischer Atmosphäre"

Corona beschleunige den Niedergang des Einzelhandels und beflügele den Online-Handel von Amazon und Co., die aktuell Zahlen schreiben wie sonst nur im Weihnachtsgeschäft. „Wir in Hamm erleben schon seit vielen Jahren einen Verlust der Attraktivität unserer Innenstadt“, so Wiewelhove. „Menschen, die in Hamm ihr Geld verdienen, geben es in unserer Stadt nicht aus. Zugegeben, ich gehöre dazu, wie auch viele meiner Freunde. In Hamm fehlt es einfach an innerstädtischer Atmosphäre, es fehlen Orte, an denen man gerne verweilt und wo man sich trifft.“

Den örtlichen Handel treffe dabei keine Schuld. „Der kann leider nur ein Sortiment anbieten, das verlangt wird. Ich bin sicher, unser Handel würde auch lieber ein besseres, individuelleres Sortiment führen mit mehr ,Luft’ nach oben. Eigentlich ist Hamm eine Stadt mit Potenzial durch ein riesiges Einzugsgebiet, das allerdings an Anziehungskraft deutlich verloren hat.“

40 Läden, die die Stadt beleben - wie in Bad Münstereifel

Zurück zu seiner Idee: In Bad Münstereifel sind es rund 40 Outlet-Stores, die die einst ausgeblutete Innenstadt erfolgreich wiederbeleben. Natürlich gehe das nicht ohne Mut und Investoren, die das Outlet-Konzept tragfähig machen, so Wiewelhove. Aber es sei eine gute Lösung, mit einer deutlich höheren Frequenz mehr Kunden.

Die Idee ist nicht neu, wohl aber die Art der Umsetzung. Bevor das Technische Rathaus gebaut wurde, gab es die Diskussion, den Standort zu nutzen, um dort ein Outlet-Center zu bauen. Die Stadt Werl wollte ein Factory-Outlet-Center vor ihren Toren auf der grünen Wiese errichten. Damals zog Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann dagegen zu Felde. Das Projekt wurde mit Rücksicht auf die umliegenden Städte durch das Oberverwaltungsgericht 2018 begraben. „Dieser Sichtweise würde ich folgen,“ so Wiewelhove, „Ein Outlet sollte eine Innenstadt aufbauen und nicht durch eine riesige Investition auf der grünen Wiese zerstören.“

Outlet-Angebot über die ganze Stadt verteilt

Wiewelhove plädiert für ein Outlet-Angebot, das sich über die ganze Stadt verteilt und integriert. „Vom Kaufhof beginnend über das Between, Allee-Center, City-Center, Weststraße bis in Höhe der Pauluskirche.“ Letztlich kämpften auch Anbieter wie das Allee-Center mittlerweile mit Fluktuations-Tendenzen. Wiewelhove würde gern mit diesem Beitrag eine Diskussion entfachen, die den beteiligten Handel und den Bürgern der Stadt Hamm Raum gibt, ihre Meinung darzustellen. Er selbst ist heute parteilos, nachdem er etliche Jahre für die FDP aktiv gewesen ist und im Landesfachausschuss Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk in Düsseldorf mitgewirkt hat.

„Dieses sensible Thema ‚Outlet‘ hat ungeheuer viel Potenzial, aber auch ebensoviel Zündstoff. Ein Thema, das politisch nicht missbraucht werden darf, sondern Sachlichkeit und Kompetenz erfordert.“

Bis aus der Diskussion politische Zielformulierungen werden können, wird es dauern. „Erst einmal wünsche ich mir eine leidenschaftliche Diskussion über Parteigrenzen hinweg und ganz besonders unter Beteiligung des örtlichen Handels – zum Nutzen unserer Stadt.“

Gute Idee, liebe Leser? Diskutieren Sie mit!

Wohnungen, Bürogebäude und Gastronomie, ein weiteres Innovationszentrum oder die klassische Fachhochschule? Was funktioniert in der Hammer Innenstadt – am Kaufhofstandort und in der gesamten City? Was halten Sie von der Outlet-Idee? Diskutieren Sie mit, in unseren Kommentarspalten per Mail an lokales-Hamm@wa.de.

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