Bittere Nachricht wohl eindeutig

Kahlschlag-Liste: Aus für Kaufhof in Hamm

Kunden stehen vor verschlossenen Türen: Die Kaufhof-Filiale an der Bahnhofstraße in Hamm ist am heutigen Freitag seit 13 Uhr geschlossen - wegen einer Betriebsversammlung, in der die Mitarbeiter über die Zukunft der Filiale informiert werden.
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Kunden stehen vor verschlossenen Türen: Die Kaufhof-Filiale an der Bahnhofstraße in Hamm ist am heutigen Freitag seit 13 Uhr geschlossen - wegen einer Betriebsversammlung, in der die Mitarbeiter über die Zukunft der Filiale informiert werden.

[Update, Samstag] Der Kaufhof Hamm ist von den von den Schließungsplänen der Kaufhauskette betroffen. Das geht aus übereinstimmenden Medienberichten hervor.

Hamm - Auch der Deutschen Presseagentur (dpa) liegt eine interne Liste des Unternehmensgruppe vor, auf der der Standort Hamm genannt wird. Aus der Unternehmenszentrale gab es bislang keine offiziellen Angaben. In Hamm wurden in einer Betriebsversammlung die Hammer Mitarbeiter über die Zukunft des Hauses informiert.

Das Kaufhaus schloss am Freitag bereits um 13 Uhr und öffnete auch nicht wieder. Am Samstag war die Filiale jedoch erst einmal wieder normal geöffnet. Mitarbeiter erklärten auf Nachfrage, sie wüssten nicht, wie lange das Haus noch geöffnet sei. Das werde sich wohl in der kommenden Woche entscheiden.

Zu den Ergebnissen der Betriebsversammlung am Freitag wollte der Betriebsrat zunächst keine Stellungnahme abgeben. Rund 40 Mitarbeiter des Hammer Hauses werden wohl ihre Kündigung erhalten.

Mehr als ein Drittel aller Filialen fallen dem Kahlschlag des Handelsriesens zum Opfer. Nach Angaben der Konzernführung sei das der einzige Weg, um den angeschlagenen Warenhauskonzern nachhaltig zu retten.

Ein Bild mit Symbolkraft: An den Türen der Kaufhof-Filiale in Hamm hängen Hinweise zur Schließung am heutigen Freitag. Das lässt auch für die Zukunft nicht unbedingt Gutes erahnen. Rund 40 Mitarbeiter werden wohl ihre Jobs verlieren.  

Beschäftigte schon lange in Sorge

Schon lange ging die Angst unter den Beschäftigten in Hamm, dass der Hammer Kaufhof geschlossen wird. Schn als der der österreichische Immobilieninvestor René Benko zunächst Karstadt und Ende 2018 Kaufhof erworben hatte, um danach die beiden Warenhausketten zu fusionieren, ahnten die Beschäftigten nichts Gutes. Offensichtlich hatte die Konzernführung schon länger den Standort Hamm aufgegeben, auch nach der Fusion zu Kaufhof/Karstadt wurden das Kaufhof-Logo an der Fassade nie ausgetauscht. Im Gebäude selber wurde lange nicht mehr investiert, das Galeria-Konzept nicht wirklich umgesetzt.

Nach Informationen unserer Zeitung läuft der Mietvertrag zum Ende des Jahres aus. Ob so lange an der Bahnhofsstraße noch verkauft wird, stand am Freitagnachmittag noch nicht fest.

Der Kaufhof an der Bahnhofstraße besteht seit 1972. Das Haus ist die letzte Bastion klassischer Vollsortiments-Warenhäuser in Hamm. Zuletzt schloss im Juni 2019 Ter Veen, in den Jahren vorher Horten und die Kaufhalle. Die Fusion mit Karstadt im Juni 2019 hatte zwar einen Stellenabbau zur Folge, doch der Fortbestand als solches schien damals ungefährdet zu sein.

Die Kaufhof-Filiale in Hamm an der Bahnhofstrafe existiert seit 1972 - und ist für viele Bürger der Stadt sozusagen eine Institution. Kommt jetzt ihr Ende?

OB Hunsteger nicht allzu überrascht

Nicht völlig überrascht von der Nachricht war Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann. Offiziell habe er von der Konzernführung zwar noch keine Informationen erhalten und musste sich auf entsprechende Medienberichte verlassen, sagte der OB am Freitagnachmittag auf Nachfrage. Allerdings habe er nicht an eine Zukunft des Hauses geglaubt. Schlimm sei die Nachricht für die Mitarbeiter, die bereits seit vielen Jahren für das Unternehmer tätig sind. Hunsteger: „Ihnen und den Familien gilt mein Mitgefühl.“

Für Hunsteger steht aber fest, dass schnell gehandelt werden müsse. „Es darf nicht sein, dass an dieser exponierten Stelle lange ein Leerstand entsteht“, so Hunsteger. Bereits für Montag habe man sich mit den Besitzern der Kaufhaus-Immobilie im Rathaus verabredet. Gemeinsam wolle man an einer nachhaltigen Lösung arbeiten. Ihm schwebe an der Bahnhofsstraße Möglichkeiten des studentischen Wohnens, universitäre Einrichtung, Dienstleistungszentren und in einem gewissen Maß auch Einzelhandel vor.

Es gibt Bedarf in Bahnhofsnähe

„Der Bedarf in Bahnhofsnähe ist vorhanden“, betonte Ralf Hohoff, der Leiter des OB-Büros. Es gebe von Unternehmen zahlreiche Anfragen, sich in dem Bereich der Stadt niederzulassen. Das seien hochschulnahe Institute, Steuerberater und andere Dienstleister. Hohoff hegte die Hoffnung in dem Bereich auf Dauer mehr Arbeitsplätze entstehen zu lassen, als durch die Kaufhof-Schließung wegfallen.

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