Katzen-Kastration und Einfang-Aktionen für den Tierschutz sind umstritten

+
Ob es sich um eine streunende Katze oder einen Freigänger handelt, ist nicht immer eindeutig feststellbar.

Hamm - Katzen zählen zu den beliebtesten Haustieren, auch wegen ihrer Unabhängigkeit. Freigänger-Katzen aber, die nicht gekennzeichnet sind, lassen sich häufig von streunenden Katzen nicht unterscheiden. So geraten sie in die Hände von Tierschützern, die eigentlich streunende Katzen einfangen und kastrieren wollen. 

Ob solche Einfang-Aktionen zu weit gehen und welche Verantwortung jeder Katzenbesitzer trägt, erklären Dr. Stephan Baumeister, ein Tierarzt aus Hamm, sowie Bettina Tamoschus, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt Hamm. „Das Kastrieren von Katzen ist wichtig, weil es das einzige Mittel ist, eine unkontrollierte Fortpflanzung zu beenden“, so Baumeister. Aber ebenso für das Wohl der Katze selbst sei es von Vorteil, da kastrierte Katzen einem geringeren Krankheits- und Unfallrisiko ausgesetzt seien. 

Auch Tamoschus sieht die Kastration von Katzen als notwendig an. Dennoch hat sich die Stadt Hamm 2012 gegen eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen entschieden. „Damals haben Gespräche mit verschiedenen Tierschutzvereinen stattgefunden. Eine konkrete Gefährdung von Tieren oder Menschen durch eine übermäßige Katzenpopulation konnte damals nicht erkannt werden“, so Tamoschus. Die Verantwortung zur Kastration und Kennzeichnung liege bei den Katzenhaltern selbst. Baumeister hält eine gesetzliche Vorgabe zur Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für schwierig, aber: „Aspekte wie Fortpflanzungskontrolle aus Sicht des Tierschutzes und Gesundheitsvorsorge für das einzelne Tier sind schlagkräftige Argumente. Eine unveränderliche Kennzeichnung der Kastraten ist im Zuge dessen unabdingbar.“ 

Das Kennzeichnen kastrierter Katzen sei also ein weiterer wichtiger Punkt, da nur so Tiere eindeutig identifizierbar seien und von freien Streunerkatzen unterschieden werden können. „Voraussetzung ist dann aber auch die Registrierung in einer großen Datenbank, um Tierhalter jederzeit ausfindig machen zu können“, erklärt Baumeister. Tamoschus ergänzt, dass Chips und Ohrtattoos diesen Zweck erfüllen, „wobei Tattoos den Nachteil haben, dass sie mit der Zeit verblassen“. 

Katzenhalter, die ihre Tiere frei laufen lassen, seien dazu angehalten, sie zu markieren, da gekennzeichnete Freigänger-Katzen nicht in den Fokus der Tierschützer geraten, so Tamoschus. Die Bürger sollen durch Flyer über die Maßnahmen der Tierschützer informiert werden. Diese Einfang-Aktionen bergen jedoch laut Baumeister ein gewisses Restrisiko, was Verletzungen beim Einfangen oder Komplikationen bei der Narkose betreffe. „Aber es ist in der heutigen Zeit als eher gering anzusehen.“, ergänzt er. Dass es Fälle gibt, in denen die Katzen zu früh wieder ausgesetzt wurden, sieht er jedoch kritisch.

Spätestens am folgenden Tag der Narkose sollte eine Katze wieder vollständig genesen sein. „Bis dahin erachte ich die Überwachung der Katze als sehr wichtig“, so Baumeister. Tamoschus sind solche Fälle oder Beschwerden nicht bekannt. Auch sie beteuert, es müsse sichergestellt werden, dass die Katzen anschließend körperlich fit seien, wenn sie wieder freigelassen werden.

Und um was handelt es sich nun bei diversen Einfang- und Kastrations-Maßnahmen? Um nachhaltigen Tierschutz, oder geht das ganze zu weit? Tamoschus meint, man müsse sich diese Aktionen erst einmal näher ansehen: „Ich gehe davon aus, dass es keine willkürlichen Aktionen sind“, erklärt sie. Mögliche Katzen-Überpopulationen würden auf diese Weise vermieden und Katzenhalter an den verschiedenen Stellen über die Möglichkeit der Kastration informiert werden. Auch Baumeister ist sich sicher, dass Kastrieren die beste Möglichkeit sei. Doch er sieht ein: „Solange es noch kein Kastrationsgebot mit entsprechenden Ausnahmeregelungen gibt, wird es immer wieder kritische Stimmen dazu geben!“

Von Juliane Aldag

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare