„Da kommst du auch drüber weg“

Karl-Heinz Rudolph (92) überlebt Corona trotz COPD-Erkrankung

Karl-Heinz Rudolph, 92, aus Hamm hat trotz COPD-Erkrankung eine Corona-Infektion überstanden.
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Karl-Heinz Rudolph, 92, aus Hamm hat trotz COPD-Lungenerkrankung eine Corona-Infektion überstanden.

Unter älteren und vorerkrankten Menschen verbreitet das Coronavirus Angst – viele von ihnen fragen sich: Was, wenn es mich trifft? Aber es gibt auch Beispiele, dass eine Infektion trotzdem glimpflich verlaufen kann. Wie bei Karl-Heinz Rudolph aus Hamm.

Hamm - Der Heessener Karl-Heinz Rudolph ist Jahrgang 1927, im September feiert er seinen 93. Geburtstag. Das Gehen fällt ihm schwer, und er leidet unter einer in Corona-Zeiten einschlägigen Vorerkrankung - der Lungenkrankheit COPD. Deswegen wird er in seinem Reihenhaus in Heessen mit Sauerstoff unterstützt. Allerdings musste er vor ein paar Wochen in die Kurzzeitpflege, und der ging ein kurzer Aufenthalt im Krankenhaus voraus – mit positivem Testergebnis auf das Coronavirus.

Anlass für den Test war ein leichtes Fieber. „Erst habe ich mich erschreckt“, sagt Rudolph: „Aber dann habe ich mir gesagt: Da kommst du auch drüber weg.“ „Er hat es nicht so schwergenommen“, sagt sein Sohn, „das liegt vielleicht daran, dass er ein Leben geführt hat, wie es nicht viele geführt haben.“

Mit 17 Jahren war Karl-Heinz Rudolph, geboren im thüringischen Erfurt, Soldat und geriet in russische Gefangenschaft. Dort hat er viele Menschen sterben sehen, unter anderem drei seiner Freunde aus Erfurt. Nach seiner Rückkehr arbeitete er im Uranabbau in der sowjetischen Besatzungszone – und suchte schnell das Weite: Nach einem halben Jahr habe er mitbekommen, dass viele Kollegen an Krankheiten litten, die offenbar mit der Arbeit zusammenhingen. Er ging in den Westen und kam zunächst bei einem Bauern in Ostfriesland unter.

Später verschlug es ihn nach Heessen, er arbeitet auf der Zeche Sachsen als Hauer untertage – auch das eine Arbeit, die die Gesundheit belastet. Deswegen wechselte er noch einmal den Job und arbeitete bis zur Rente bei der Bahn.

Nach dem Test auf isolierte Corona-Station

Nach dem positiven Corona-Test kam Rudolph auf die isolierte Corona-Station. Dort konnte er keinen Besuch mehr empfangen, von Zeit zu Zeit gab sein Sohn eine gekühlte Sprite an der Pforte für ihn ab: „Die trinkt er besonders gern.“ Das war der einzige Kontakt neben dem Telefon – allerdings: So gut hört der 92-Jährige nicht mehr.

Und die Infektion nahm einen leichten Verlauf, lediglich das Fieber war an einigen Tagen recht hoch. Und er fühlte sich über diese Zeit richtig schlapp, am Rollator konnte er sich kaum auf den Beinen halten. „Die Pfleger haben sich gut um mich gekümmert“, sagt Rudolph, „sie haben sich alle Mühe gegeben.“ Das Virus griff nicht auf die Lunge über. Weder musste er auf die Intensivstation, noch brauchte er mehr Sauerstoff als sonst auch. Mittlerweile waren zwei Tests negativ, Rudolph ist jetzt in der Kurzzeitpflege. Besuch allerdings darf er auch dort nicht empfangen...

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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