Vom Bischof konsequent gedeckt

Kaplan als Serientäter: Jungs auch in Bockum-Hövel missbraucht

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Der dunkle Schatten, der auf der katholischen Kirche lastet, hat auch Hamm erreicht.

Hamm - Er war ganz anders als die übrigen Geistlichen zu jener Zeit. Er spielte Gitarre und ließ die Jungs auch mal mit seinem VW-Käfer fahren. Aber der Kaplan Heinz Pottbäcker war vor allem eins: ein pädophiler Serientäter, der auch in Bockum-Hövel seine Opfer fand und dabei vom Bistum Münster gnadenlos gedeckt wurde.

Es ist nicht bei dem einen Fall aus der Skifreizeit in Innsbruck geblieben. Wie hier berichtet, hatte sich vor knapp einer Woche ein Ex-Messdiener der Bockum-Höveler Christus-König-Gemeinde, der im Winter 1970/71 als Elfjähriger während jener Tage in Österreich von dem Geistlichen missbraucht wurde, in der Redaktion gemeldet. Am Dienstag vertraute sich nun ein weiteres Opfer unserer Zeitung an.

Schon kurz nach seiner Versetzung 1968 in den Norden Hamms soll sich der Kirchenmann mehrfach an dem damals ebenfalls Elfjährigen vergangen haben – während besagter Autofahrten, zu denen er seine Lieblingsmessdiener offenbar gerne und regelmäßig einlud.

Niemand zum Anvertrauen da

Auch dieses Opfer lebt heute weiterhin in Bockum-Hövel und hatte damals niemanden in seinem Umfeld, dem es sich hätte anvertrauen können. 50 Jahre hat auch dieser Mann seine Geschichte mit sich herumgetragen. Und auch er fragt sich, wie viele Kinder Pottbäcker insbesondere während der Zeltlager der Christus-König- und der St.-Pankratius-Gemeinde wohl noch missbraucht haben mag.

Selbsthilfegruppe in Rhede

In Rhede (Kreis Borken), Pottbäckers nächster Station nach seiner Zeit in Bockum-Hövel im Jahr 1971, ist man bei der Aufarbeitung einen Schritt weiter. Dort existiert eine Selbsthilfegruppe, die von inzwischen 20 bis 30 Opfern des Geistlichen allein in den beiden Jahren in Rhede weiß. Ferienlager waren dort häufig die Tatorte – in jeder Mittagspause musste ein Messdiener zum Kaplan in dessen Zelt.

Bistum  um Aufklärung bemüht

Die Gründer der Selbsthilfe in Rhede zeichnen ein für das Bistum Münster desaströses Bild: Pottbäcker wurde demnach vom Bischof Lettmann konsequent gedeckt. Wenn in einer Gemeinde das „offene Geheimnis“ ans Tageslicht zu dringen drohte, wurde er flugs in eine andere Stadt versetzt. Das Bistum bestätigt das inzwischen – und bemüht sich auch um Aufklärung.

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