Reaktionen nach "Livesommer"-Finale

"Nur Momentaufnahme": Unverständnis über Knallhart-Aussagen des OB nach Kapelle-Petra-Konzert

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Viel Spaß hatten Band und Besucher beim Kapelle-Petra-Konzert im Maxipark. Die besonderen Auflagen der Corona-Zeit wurden dabei (wie hier) überwiegend auch eingehalten - aber eben nicht immer...

Hamm - Veranstalter Achim Matzka und Kapelle-Petra-Schlagzeuger Markus "Ficken" Schmidt haben nach dem Wirbel um das teilweise nicht ganz den Corona-Regeln entsprechende Konzert der Band beim "Livesommer" am Samstag Stellung bezogen.

Wie sorglos kann und darf man sich als Besucher eines Konzerts in Corona-Zeiten verhalten? Und wie kann oder sollte die Reaktion auf allzu zügelloses Feiern vonseiten der Veranstalter und der Stadt aussehen? Dass diese Fragen gar nicht so leicht zu beantworten sind - obwohl es eigentlich klare und im Hygienekonzept verankerte Regeln gibt - verdeutlicht der Wirbel um den "Livesommer"-Auftritt der Band Kapelle Petra am vergangenen Samstag vor rund 500 Besuchern im Maxipark.

Hunsteger verbietet weitere Veranstaltungen

Beim Lied "Geburtstag" hatte es viele Gäste nicht mehr auf den Sitzen gehalten, einige wenige starteten spontan kleinere Polonaisen. Die Bilder davon - in erster Linie verbreitet über die sozialen Netzwerke - gingen danach durchs Netz, wurden selbst international viel und kontrovers diskutiert und landeten als Inhalt von Beschwerde-Mails auch im Rathaus.

Das veranlasste Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann am Montagmorgen, auf den Tisch zu hauen. Unter dem Eindruck der besagten Fotos untersagte Hunsteger Veranstalter Achim Matzka kurzerhand ähnliche Events und kündigte an, alle weiteren Konzerte und größeren Veranstaltungen jetzt noch genauer zu prüfen und die Einhaltung der Regeln auch vor Ort zu kontrollieren.

"Wir wollen Kultur-Veranstaltungen sehr gerne möglich machen. Wir müssen aber auch handeln, wenn wir von solchen Nachlässigkeiten erfahren und schließlich auch glaubwürdig bleiben. Deshalb werden wir Veranstaltungen mit einem solchen Charakter nicht mehr zulassen", erklärte Hunsteger.

Einseitige Entscheidung: Matzka und Kapelle finden kein Gehör

Für diese deutliche Haltung wird der OB zwar auch gelobt, bei vielen Besuchern der Veranstaltung, der Band und dem Veranstalter überwog allerdings Unverständnis. Darüber dass diese Entscheidung nur anhand von Bildern getroffen wurde - vonseiten der Stadt war niemand bei der Veranstaltung zugegen. Und darüber, dass mit Matzka und Kapelle Petra vor dem Entschluss offenbar nicht gesprochen worden war.

Die Szene, um die sich jetzt eine gewaltige Debatte entsponnen hat, sei lediglich eine Momentaufnahme und könne keinesfalls exemplarisch für das ganze Konzert herangezogen werden, erklärt Matzka auf WA-Anfrage. Diese Sichtweise bestätigen auch Markus "Ficken" Schmidt von der Band Kapelle Petra und Besucher des Konzerts, die die Polonaise im vorderen Bereich des Zuschauer-Areals allenfalls irritiert beobachteten, sich aber nicht "anstecken" ließen.  

Matzka: "Verhalten war nicht in Ordnung"

„Die allermeisten Leute haben sich vorbildlich verhalten. Während des Konzerts sind die Menschen mit Maske zum Bierstand gelaufen“, so Matzka. „Es ist schade, dass vier Konzerte der Livesommer-Reihe jetzt unter dem Eindruck dieser wenigen Minuten stehen.“ Bei den Feiernden habe es sich um eine größere Gruppe gehandelt, die zusammen gekommen und auch wieder gegangen sei.

Matzka betont gleichzeitig aber auch: „Das Verhalten war nicht in Ordnung. Wir sind da ein bisschen überrascht worden. Wäre das noch einmal passiert, hätten wir das sofort unterbunden.“

Bilder vom "Livesommer" gehen viral

Mit ihrem Auftritt beim "Livesommer" im Maxipark hat Kapelle Petra übrigens Popularität bis in die USA erlangt. Möglich gemacht hat diesen Effekt das Internetportal Reddit, das ein WA-Bild aufgriff und dieses mitsamt dieser süffisanten Textzeile um die Welt schickte: "Idiots not caring about Corona aren't restricted to the USA. This is Hamm, Germany", zu deutsch sinngemäß: "Idioten, die Corona nicht ernst nehmen, gibt es nicht nur in den USA. Das hier ist Hamm, Deutschland".

Innerhalb weniger Stunden bekam der Eintrag eine sechsstellige Zahl an "Upvotes" - eine Art Daumen hoch für Wertschätzung des Beitrags - und tausende Kommentare mit Reaktionen zwischen Belustigung, Kritik und Entsetzen.

Kapelle Petra wünscht sich transparentere Regeln

Die Band selbst wurde durch die Reaktionen und Konsequenzen hart aus ihrer Hochstimmung geholt. Schlagzeuger Markus "Ficken" Schmidt versteht die Aufregung nur bedingt, wie er auf Nachfrage sagt. Die vom WA sowie vielerorts im Netz geposteten Bilder stellten "nicht die komplette Situation dar", findet er. Ein Verzicht auf das Lied "Geburtstag", bei dem die Polonaise Standard ist, sei keine Option gewesen. Weil "wir glauben, dass unsere Besucher sich der Situation und Regeln bewusst sind oder sein sollten". 

"Livesommer" im Maxipark: Kapelle Petra und Nixen

"Livesommer" im Maxipark: Kapelle Petra und Nixen

Frei gemacht von allen Negativeindrücken wird die Kapelle Petra ein stark positives Bild in Erinnerung behalten. "Es war ein wunderbares Konzert und hat uns und vielen anderen wirklich gut getan", sagt Markus Schmidt. Er ergänzt jedoch: "Beim nächsten mal wäre es für uns sicherlich wichtig, klare und transparente Regeln für alle zu haben."

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