Durchgespielt im Kölner Tonstudio

Kapelle Petra taucht für sechstes Album fünf Tage ab

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Kleine Blödelei nach Dienstschluss: Kapelle Petra mit Rainer Siepmann, Markus Schmidt und Guido Scholz (vorne von links) zog es erneut ins Maarwegstudio2 nach Köln. Produzent Tobias Röger (hinten links) und Waldemar Vogel betreuten die Aufnahmen.

Hamm/Köln - Das sechste Studioalbum von Kapelle Petra bringt für die Band einiges Neues mit sich, für die Fans wird die Kapelle aber unverkennbar bleiben. Im Kölner Maarwegstudio2, einem ehemaligen EMI-Studio, hat sie mit zwölf Stücken die Basis für das neue Album gelegt. Erscheinen soll es im nächsten Frühjahr.

Fünf Tage am Stück kehrten Guido („Opa“) Scholz, Markus („Ficken“) Schmidt und Rainer („Siepe“) Siepmann dorthin zurück, wo bereits große Teile von „The Underforgotten Table“ entstanden waren. Den Vorgänger hatte die Band noch in mehreren Etappen aufgenommen, diesmal arbeitete das Trio durch. Zum ersten Mal spielten die Musiker das Grundgerüst für die Songs live im Studio ein. „Das war schon immer unser Wunsch, jetzt haben wir ihn umgesetzt“, sagt Bassist Rainer Siepmann. „Das hat richtig Laune gemacht.“ 

Für das noch unbetitelte sechste Album setzt die Band die Zusammenarbeit mit Erfolgsproduzent und Songwriter Tobias Röger (Helene Fischer, Roger Cicero, Christina Stürmer, Udo Lindenberg) fort. Für „The Underforgotten Table“ produzierte und schrieb er gemeinsam mit Guido Scholz die Stücke „Ja“ und „Frieden“. In Rögers eigenem Studio fügt Scholz für das neue Album aktuell den Gesang und eventuell noch Gitarren hinzu. Unterstützung bei den Aufnahmen erhielt die Kapelle in Köln durch einen Shanty- und einen Frauenchor, die kleine gesangliche Akzente setzten, einer Cellistin und Chris Altmann, den Posaunisten der Ska-Punk-Band „Sondaschule“.

Feinsinniger und pointierter

Aller Voraussicht nach werde es bei zwölf Titeln bleiben, sagt Siepmann. Manche tragen noch einen Arbeitstitel, eine Abfolge gebe es noch nicht, ebenso wenig wie den finalen Mix. Allerdings – das wurde bei einer abgespeckten Live-Präsentation des Album-Materials im Kölner Studio deutlich – dürfen sich die Fans auf ein deutlich fokussierteres Album freuen, als es der Vorgänger war. 

Viel Platz, Holzboden, Teppiche, gedämpftes Licht, Gemütlichkeit und Retro-Charme: Im alten EMI-Studio fühlen sich Guido Scholz und die Kapelle wohl.

Wo „The Underforgotten Table“ rumblödelte und teils wenig Tiefe erreichte, kommt das neue Textmaterial in der Breite feinsinniger und pointierter daher. Der geniale Alltagssituationensammler Scholz hat seine Beobachtungen in feine Textzeilen fließen lassen. Natürlich gibt es die Kapelle-typischen humorigen und skurrilen Elemente, zu Plattitüden verrutscht hier aber nichts.

Einige Kostproben aus den Liedtexten:

- „Deine Ideen sind Monumente für die weltbesten Momente – für mich“ (Weltkulturerbe)

- „Zu gleich, zu glatt, zu nett. Das klingt dann so, als gäb’s nur einen Song im Radio“ (Radio an)

- „Was hast du erreicht? Manche mögen’s lieber leichter. Denen reicht eine Bundesjugendteilnahmebescheinigung.“ (Bundesjugendspieleteilnahmebescheinigung) 

- „60 ist das neue 20“ (Also stoßen wir an) 

- „Brauch keinen neuen Sattel, brauch ganz neuen Gaul“ (Irgendwas ist blöd)

- „An irgendeinem Tag wird die Welt untergehen, doch an allen anderen Tagen nicht“ (Weltuntergang)

Hammer Supermarkt-Mitarbeiter als Johnny-Cash-Imitator

Scholz blickt wie immer gern zurück, beleuchtet die Gegenwart und schaut von hier nach vorn. Er erzählt von Beziehungen und Liebe, von der Überwindung gesellschaftlicher Konventionen, beschäftigt sich mit fragwürdigen Lebensbilanzen, der Uniformität von Alltagsmusik und Veränderungen im Leben. Am Ende überwiegen die positiven Botschaften, die Genussmomente und der Glaube an die eigene Stärke. Und Hamm kommt im Reigen der neuen Songs auch vor: In Form eines Supermarktes im Hammer Westen, dessen Mitarbeiter eine neue Berufung als Johnny-Cash-Imitator findet und fortan singend Gartencenter einweiht. Ein „Provinzkosmopolit“ ganz Marke Kapelle.

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