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Kapelle Petra: „2021 war ein gutes Jahr“ ... und 2022 soll noch besser werden

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Von: Markus Hanneken

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Rainer „Siepe“ Siepmann (Bass), Guido „Opa“ Scholz (Gesang, Gitarre) und Markus „Ficken“ Schmidt (Schlagzeug).
Sichtlich älter, aber immer noch wohltuend spinnert: Rainer „Siepe“ Siepmann (Bass), Guido „Opa“ Scholz (Gesang, Gitarre) und Markus „Ficken“ Schmidt (Schlagzeug). © Nina Stiller

25 Jahre Kapelle Petra: Das Jubiläumsjahr hat die kleine, aber feine Indie-Band aus Hamm trotz schmerzhafter Corona-Fesseln munter bewältigt. Die Pläne fürs 26. Jahr werden aktuell lustvoll geschmiedet. Ach, und wussten Sie eigentlich, warum Schlagzeuger Schmidt diesen - ähm - pikanten Spitznamen trägt? Er verrät es im Interview höchstpersönlich.

Hamm - Regelmäßige Veröffentlichungen, viele Liveauftritte, Dauerpräsenz in den sozialen Medien: So gesehen war das Jahr 2021 für die Kapelle Petra ein unauffällig erfolgreiches... und vor allem normales. War es natürlich nicht, es war schließlich ein Corona-Jahr. Doch zum Glück ist das Trio plus Bühnenskulptur Gazelle schon seit 1996 dabei - also erfahren genug, um auch in stürmischer See nicht unterzugehen.

Schlagzeuger und Wortführer Markus („F*****““) Schmidt erzählt im großen Interview mit WA.de, wie sich das alles so angefühlt hat 2021 und was die Kapelle-Fans in 2022 erwarten dürfen. Besondere Liveauftritte in Soest und Hamm gehören zum Beispiel dazu. Aber natürlich auch das eine oder andere Geheimnis...

Wie fühlt sich die Kapelle nach einem kompletten Corona-Jahr? 

Vorfreudig auf 2022.

Welches waren die Kapelle-Highlights 2021 und welches die Lowlights? 

Es ist schwer, für das Jahr solche Pegelspitzen benennen zu wollen. Die uns allen bekannten Umstände haben sicherlich einiges in 2021 verändert oder vielleicht sogar erschwert, für uns bleibt aber unterm Strich ein gutes Jahr zurück. Die Veröffentlichung der „Jahreszeiten“ und die Tour sind bestimmt hervorzuheben, aber auch das Team, das uns zurzeit umgibt, ist sicherlich besonders.

Was überwiegt rückblickend aus dem Tourjahr 2021: Dankbarkeit oder Anstrengung? 

Ohne Zweifel bleibt die Dankbarkeit übrig. Dankbarkeit geht sicherlich an unsere Agentur „Zuendstoff“, die es trotz unzähliger Terminschieberei geschafft hat, in kürzester Zeit fast 30 Termine für die Kapelle zu buchen. Dankbar sind wir für die Livecrew, die uns begleitet. Nicht zuletzt sind wohl alle aus einem gewissen Idealismus und aus Liebe zur Kapelle dabei – das mit dem „reich werden“ hat sogar das Team abgelegt.

Und natürlich sind wir sehr dankbar für alle die Gäste, die wir auf der Tour begrüßen durften. Denn trotz aller Testerei und Konzertspielregeln waren es so viele Menschen da, die am Ende einen wunderbaren Abend mit uns hatten.

War der Auftritt in Hamm im Rückblick etwas Besonderes, oder passte er in das Bild, das ihr von anderen Auftritten der Tour hattet? 

Wenn man den physischen Ablauf des Tages nimmt, ist das schon ziemlich ähnlich zu allen anderen. Emotional ist das in unserer Heimat immer besonders. Man hofft natürlich, dass viele Menschen kommen, oft sind Familie und Freunde dabei, wir zweifeln immer ein bisschen mehr an uns als üblich... Hamm ist immer etwas Besonderes.

Fotosession mit der Kapelle Petra im Oktober 2001.
Na, alle wiedererkannt? Fotosession mit der Kapelle Petra im Oktober 2001. © Günter Thomas

Stand jetzt stehen für 2022 knapp 30 Tourdaten fest. Was dürfen die Fans in diesem Jahr erwarten? 

Natürlich eine wie immer hoch motivierte Kapelle. Wir freuen uns sehr auf das Tourjahr. Die Erfahrung der letzten eineinhalb Jahre hat gezeigt, dass Planungen nicht immer Bestand haben. Ich kann aber sagen, dass wir sehr zuversichtlich sind. Inhaltlich sind wir mitten in der Vorbereitung. Da wird nicht gespoilert.

Neben dem seit zwei Jahren verschobenen und ausverkauften Auftritt in Soest zum „Tanz in den Mai“ spielt ihr erstmals auch am Folgetag dort. Werden sich die beiden Gigs unterscheiden? 

Auch hier muss ich um noch etwas Geduld bitten. Es gibt ein paar Eckpfeiler für das Jahr. Da könnte auch das Soest-Wochenende involviert sein. Deswegen gilt auch hier: Wird richtig gut, aber Details werden noch nicht verraten.

Warum fehlt Hamm bei der Tournee-Planung? 

Das ist nicht ganz richtig, wenn auch im Moment nicht ersichtlich. Es gibt noch den „Kapelle-Somma 2022“. Hier arbeiten wir gerade an letzten Details, um endlich mit einem konkreten Termin am Start zu sein. Dann ist Kapelle auch in 2022 in Hamm, und wir werden sicherlich noch nervöser sein als bei einem „normalen“ Konzert.

Kapelle Petra (ganz) kurz und knapp

Zwar kam die Idee für die „Kapelle Petra“ im Jahr 1996 in Münster ans Tageslicht, gegründet wurde die Band jedoch im selben Jahr von Gitarrist und Sänger Guido Scholz, Rainer Siepmann (Bass, Gesang, Orgel) und Markus Schmidt (Schlagzeug, Orgel) in Hamm. Schon früh kam bei Liveauftritten die lebende „Bühnenskulptur Gazelle“ hinzu. 1997 erschien das Debütalbum „Felsen“, ein Video zum Song „Sternsinger“ wurde produziert. 2001 und 2002 gewann die Band den Wettbewerb Hamms beste Band (HBB), ausgerichtet von der WA-Band. 2012 entschieden sich die Musiker, den Hobbystatus zu verlassen und intensivierten ehrgeizig ihr Engagement für die Band. Seit 2016 gibt es einen offiziellen Fanclub: die „Kapellejugend“. Vom 18. Februar bis 6. März 2016 war im Gustav-Lübcke-Museum die Sonderausstellung „100 Jahre Kapelle Petra – Beklopptenpop im Wandel der Zeit“ zu sehen. Am 31. August 2018 veranstaltete die Band in Hamm erstmals ihr erstes eigenes Festival: den „Kapelle-Somma“. (wiki/han)

Viele weitere Artikel über die Kapelle auf WA.de finden Sie mit einem Klick auf diesen Link.

War die ungewöhnliche quartalsweise Veröffentlichung von EPs mit jeweils vier Songs, die am Ende das Album „Die vier Jahreszeiten“ ergab, auch rückblickend eine super Idee? Würdet ihr aus heutiger Sicht nochmal genauso machen? Was gefällt euch davon selbst am besten, was am wenigsten? 

Aus unserer Sicht war das natürlich eine super Idee. Sonst hätten wir das ja nicht gemacht. Ich glaube, ich kann auch sagen, dass wir Dinge selten genau so machen würden wie zuvor. Mit dem Blick auf „Die vier Jahreszeiten“ war das für uns ein völlig neues Konzept. Uns war klar, dass es viel Arbeit wird. An vielen Stellen war es dann aber doch deutlich mehr als erwartet, und wir haben zur Hälfte des Jahres das Tempo dann nochmal korrigiert. Ohne unser bestes Label „GuteLauneEntertainment“ hätten wir das nicht geschafft. Am Ende des Jahres kann ich aber sagen, dass wir alle gesteckten Ziele erreicht haben, und das macht uns natürlich sehr glücklich.

Sind für 2022 weitere musikalischen Veröffentlichungen zu erwarten? 

Da möchte ich mich selbst zitieren: „Es gibt ein paar Eckpfeiler für das Jahr.“ Deswegen gilt auch hier: Wird richtig gut, aber Details werden noch nicht verraten.

Nostalgie pur: Kapelle Petra im November 2001 nach  ihrem ersten HBB-Triumph.
Nostalgie pur: die Kapelle im November 2001 nach ihrem ersten HBB-Triumph (vorn: Bühnenskulptur Gazelle). Ab hier ging es richtig bergauf. © Wiemer (Archiv)

Ist das (finanzielle) Überleben seit Pandemiebeginn deutlich schwieriger bzw. härter geworden? Muss man NOCH präsenter sein? NOCH phantasievoller? Ist es also NOCH anstrengender als zuvor? 

Der Mensch scheint mir ja nun doch ein Gewohnheitstier zu sein, und nach anfänglicher Gewöhnungszeit hat man sich sicherlich mit einigen Umständen arrangieren können. Meint: Es war zu Anfang bestimmt schwieriger, aber mittlerweile ist es fast schon ein gewohnter Umgang mit der Pandemie.

Finanziell gab es sicherlich Sorgen und Ängste, aber auch hier will ich das Team gern mal hervorheben, wegen dem auch das gut zu bewältigen war. Ich will aber nicht verschweigen, dass die Kapelle auch in einer eher komfortablen Position steht. Es gibt uns nun schon sehr lange, und die Veröffentlichungen und Aktivitäten der Jahre sorgen schon für eine gewisse finanzielle Basis.

Vielen anderen Kollegen geht es da deutlich schlechter. Hier würde ich mir weiterhin eine deutliche Unterstützung durch die Politik wünschen. Leider ist die Pandemie noch nicht vorbei, und Künstler werden nach wie vor in ihrer Berufsausübung beschnitten.

„Geburtstag“ ist sowohl bei den Streaming-Diensten wie auch bei Youtube nach wie vor bemerkenswert erfolgreich: ein echter Dauerbrenner. Bringt das Stück durch die vielen Abrufe nennenswert Geld in die Bandkasse? Und gibt es Momente, in denen es euch auch mal nervt?

Zu aller erst sind wir natürlich froh, dass uns sowas mal gelungen ist. Wirklich ein Glückstreffer. Aber natürlich gibt es auch Momente, in denen auch Glückstreffer nerven. Wer kennt das nicht!?

Finanziell sind Streaming-Einnahmen im Einzelnen nicht wirklich relevant. „Geburtstag“ ist ja auch schon sehr lange veröffentlicht. Aber natürlich in der Summe. Nicht zuletzt werden Menschen durch „Geburtstag“ auf uns aufmerksam, kaufen vielleicht dann eine Konzertkarte und ein Shirt - und schon hat der Glückstreffer seinem Namen alle Ehre gemacht!

Guido Scholz spielt mit seiner Kapelle beim „Hammer-Summer“-Special zum NRW-Fest 2009.
Großes Kino: Guido Scholz spielt mit seiner Kapelle beim „Hammer-Summer“-Special zum NRW-Fest 2009. © Henrik Wiemer

Was viele Fans schon immer mal wissen wollten (aber sich nicht zu fragen trauten): Warum und wann wurde aus dem Schlagzeuger Markus Schmidt einst „Ficken Schmidt“... Immerhin kokettiert ihr mit diesem „Namen“ ja beim Livespielen fleißig und gern? 

Ich möchte hier gern mal mit einem Mythos aufräumen. Unser Schlagzeuger heißt weder Markus Schmidt noch Ficken Schmidt. Sein Name ist Fickberth zur treuen Wacht. Das ist ein wirklich alter Westfälischer Adelstitel. Wenn man so will: verarmter Bauernadel. Als wir uns aber vor geraumer Zeit zusammen fanden, um mit Rockmusik komplett und ganz Hamm zu erobern, erschien uns dieser Namen nicht wirklich kredibel. Für Rock muss was Kuhleres her. Ein echter Rockname, wenn man so will. Ficken war geboren. Denn was passt besser zu Sex und Rock´n´Roll... !?

Mit welchen Gedanken verfolgt ihr den Weg der „anderen“ erfolgreichen Hammer Band Giant Rooks? Vor allem Stolz? Oder ist manchmal auch ein bisschen Neid dabei? Habt ihr (ab und zu persönlichen) Kontakt? 

Mit Respekt und Hochachtung. Neid taucht da gar nicht auf, weder bei den Rooks noch bei irgendeiner anderen Kapelle. Wir haben während unseres Bestehens schon viele Bands erlebt, die sich in dieser Zeit gründeten, berühmt wurden und vielleicht auch schon wieder verschwunden sind. Sich jedes Mal mit neidvollen Gedanken oder Missgunst zu beschäftigen ist sicherlich mehr als vertane Zeit.

Bei den Rooks spielen so viele Faktoren zusammen, die ihrem Erfolg einfach recht geben. Und man darf auch nicht vergessen, dass dieser Rock´n´Roll-Kram auch echt viel Arbeit ist... Wir haben tatsächlich immer mal wieder kurzen Kontakt. Zuletzt hatten wir eigentlich Besuchspläne. Wir haben am selben Tag im Saarland gespielt. Nicht weit voneinander entfernt. Hat aber leider dann doch nicht geklappt. Vielleicht nächstes Mal ...

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