Neue Baumschutzsatzung

Kampf dem Kahlschlag: Baumfällungen in Hamm künftig nur noch nach Genehmigung

Auf Haus Kentrop in Hamm wurde kürzlich großzügig gefällt.
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Auf Haus Kentrop in Hamm wurde kürzlich großzügig gefällt.

Die Stadt will mit einer neuen Baumschutzsatzung das Fällen von Bäumen grundsätzlich genehmigungspflichtig machen. Auch in Hausgärten sollen Bäume nur noch fallen, wenn ein städtischer Sachverständiger zugestimmt habe.

Hamm – Umwelt- und Klimadezernent Volker Burgard will den Entwurf für eine entsprechende Satzung nach den Sommerferien vorlegen. Die aktuelle Baumschutzsatzung schützt nur wenige, eigens eingetragene Bäume. Zuletzt hatten mehrere Rodungen auf privaten Grundstücken für Aufsehen gesorgt.

Burgard (Grüne) äußerte sich am Dienstag im Kurpark vor Medienvertretern bei einem Treffen mit dem Baumschutz-Aktivisten Stefan Sickert, der die Stadt mit einem Sechs-Punkte-Programm „Baumschutz Hamm“ zum Handeln animieren will. Die Vorstellungen Burgards und Sickerts liegen allerdings nicht weit auseinander.

Baumschutz in Hamm: Im September soll der Rat Fakten schaffen

Die aktuelle Baumschutzsatzung ist von 1988. Burgard versicherte, dass die von Sickert und anderen geforderte Neufassung auf den Weg gebracht sei. Zur Ratssitzung am vergangenen Dienstag habe der Entwurf zwar noch nicht vorgelegen; für September rechne er aber fest mit einer Annahme des Vorschlags im Rat. Die neue Satzung solle unmittelbar nach Beschluss gelten.

Details wollte Burgard nicht öffentlich machen. Er teilte aber mit, dass zwei entscheidende Punkte geändert worden seien, wodurch es eine hohe Hürde für das Fällen von Bäumen geben werde. Bislang war das Fällen bei einem Stammumfang von einem Meter nur dann verboten, wenn die Bäume ins Baumkataster eingetragen oder auf Bürgerantrag unter Schutz gestellt worden waren.

Fäll-Aktionen nur noch mit plausiblen Gründen möglich

Im neuen Entwurf ist die Sache umgekehrt. Nun sind – mit wenigen Ausnahmen – alle Bäume dieser Größenordnung geschützt. Wer zur Axt oder Säge greifen will, muss die Gründe plausibel darlegen. „Fällaktionen sind nicht mehr möglich“, sagt der Klimadezernent. Die Regelung solle für bebaute Bereiche gelten, nicht jedoch im weitläufigen Außenbereich.

Burgart zufolge soll die neue Hammer Baumschutzordnung über die anderer Städte hinausgehen. Ziel sei aber nicht, Baumfällungen generell zu verbieten, sondern Flexibilität für Einzelfälle zu schaffen. Es gebe ja Gründe für Fällungen: Schädlingsbefall, Beschädigungen oder Lichtverhältnisse.

Stelle geschaffen: Baumschutzmanager wird eingestellt

Als Lösung sieht die neue Satzung Burgard zufolge vor, dass nach dem Fällantrag ein Sachverständiger der Stadt vor Ort die Situation begutachtet. „Ziel ist es, zu helfen, den Baum zu erhalten, wo das möglich ist“, sagt der Klimadezernent. Geht das nicht, soll der Bürger eine Zuwendung für eine Ersatzpflanzung über einen aufzulegenden Fonds erhalten. Für den notwendigen Sachbearbeiter sei gerade eine Stelle als Baumschutzmanager im Umweltamt geschaffen worden, für die viele Bewerbungen eingegangen seien.

Stefan Sickert (links) mit seinem Sechs-Punkte-Programm und Klimadezernent Volker Burgard.

Sickert zeigte sich mit dem Vorhaben einverstanden: „Es geht darum, gemeinsam etwas zu erreichen.“ Neben der Modernisierung der Baumschutzsatzung und der Eintragung aller – auch der privaten – Bäume in ein Kataster fordert er eine „strenge Beachtung des Baumschutzes in der Vegetationsphase vom 1. März bis 30. September“.

Außerdem steht im Programm, dass es keine Baumfällungen aus kommerziellen Gründen geben dürfe, Ersatzpflanzungen nur mit „heimischen robusten Sorten“ vorzunehmen und alle städtischen Wälder unter Schutz zu stellen seien. Sickert hat unter www.baumschutzhamm.de eine Online-Petition gestartet, die er dem Rat übergeben möchte.

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