Selfmade-Man Werner Meisig

Immer auf Ballhöhe: Hammer Kameramann filmt WM-Finale

+
Beim Spiel Dortmund gegen Stuttgart hielt Werner Meisig zuletzt nicht nur die drei Tore fest.

Hamm - Von Hamm aus nach Russland. Kameramann Werner Meisig ist von der Produktionsfirma „Sportcast“ in Köln in das Team der Fußball-Beobachter berufen worden. Bei der Weltmeisterschaft im Sommer wird er bei mehreren Spielen eine der Live-Kameras bedienen.

Er kommt sogar bis ins Endspiel nach Moskau. „Hoffentlich mit Beteiligung der deutschen Nationalmannschaft“, setzt er auf ein erfolgreiches Abschneiden der Löw-Truppe.

Mit der Optik immer am Ball bleiben, das ist die berufliche Leidenschaft von Werner Meisig. Der Hammer Kameramann gilt hierzulande als einer der besten Fußball-Beobachter seines Fachs, wenn es bei Länder- oder Bundesliga-Spielen um das Einfangen der Totalen geht. An der Führungskamera auf der Tribüne auf Höhe der Mittellinie entgeht dem Film- und Fotodesigner kein Tor und keine wichtige Szene. Jetzt wurde er in das WM-Filmteam für Russland berufen. Fünf Wochen lang wird er dort drehen – zuletzt das Finale am 15. Juli in Moskau.

Zumeist ist Werner Meisig im Ruhrgebiet bei Bundesligaspielen der ersten und zweiten Liga in Dortmund, auf Schalke, in Bochum oder Düsseldorf zu Gast. Aber er reist auch zu Länderspielen der Nationalmannschaft in ganz Europa und darüber hinaus – so kam er auch bei den WM-Qualifikationen in Aserbaidschan und Georgien zum Einsatz. 2002 filmte er Matches bei der WM in Japan.

Nur keine Ablenkung: Meisig muss bei jedem Spiel absolut konzentriert sein – 90 Minuten lang plus Nachspielzeit.

Die Kamera 1 oder auch Führungskamera genannt, ist für den Fußball-Regisseur am Mischpult die entscheidende Kamera, weil sie den Ball im Fokus und den Überblick über das Geschehen auf dem Platz behält. Werner Meisig hält Sprechkontakt zur Regie, um auf unerwartete Szenen hinzuweisen. „Wenn sich zum Beispiel während des Einspielens einer Zeitlupe ein entscheidender Spielverlauf entwickelt, muss ich schnell darauf hinweisen und der Regisseur kann sofort reagieren und zurück auf die Führungskamera schneiden.“

"Ich weiß oft nichtmal, wie es steht"

„Ich habe schon tausende Tore gedreht, aber im Spiel weiß ich oft noch nicht einmal, wie es steht“, schmunzelt Werner Meisig, denn höchste Konzentration und eine gute Antizipation während der Live-Übertragung seien vom Kameramann gefordert. Der Führungskamera dürfe der Ball nicht entkommen. Auch das unerwartete Umschaltspiel nach plötzlichem Ballverlust eines Teams darf nicht dazu führen, dass ein Schwenk unruhig wirkt. Mit viel Gefühl sorgt Werner Meisig dafür, dass die Zuschauer das Spiel mit dem ganzen Hin und Her nahtlos verfolgen können, ohne die Schwenks und das Zoomen überhaupt auffällig zu bemerken.

Selfmade-Man-Methode

Begonnen hat alles übrigens in der Jugend von Werner Meisig. Der gebürtige Hilbecker übte zunächst als Schüler an einer Agfa-Klick-I-Kamera das Fotografieren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er ein Studium zum Diplom Fotografie- und Filmdesigner erfolgreich. In den 90er Jahren begann er bei ersten Engagements mit dem Filmen von Fußballspielen. „Learning by doing, war dabei meine Devise“, so Meisig. Der Einsatz bei großen Ereignissen beweist, dass der Kameramann aus Hamm diese Selfmade-Man-Methode perfekt umgesetzt hat. - dümi

Kuriose Szene

Gut aufgepasst: Am 24. Februar filmte Werner Meisig im Stadion in Duisburg, wie der Heimtorwart nach einem vermeintlichen Tor seiner Mannschaft aus dem Strafraum zurück in seinen Kasten schlenderte und sich im Bücken einen Schluck zu trinken gönnte, während der Ball vom Gegner aus Ingolstadt blitzschnell nach vorne gespielt und dann aufs Tor geköpft wurde. Als sich der Meidericher Keeper erhob und umdrehte, wurde der Ball auch schon neben ihm in den Kasten gedrückt. Was der Torwart nicht mitbekam hatte Meisig also voll im Blick…

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare