Neue Aufgabe in Münster

Die „Problemmanagerin“ geht: Jutta Frye verlässt nach 15 Jahren die Bodelschwinghschule

Ein bisschen was bleibt immer: Das Schullogo entwarf Jutta Frye gemeinsam mit ihrer Tochter.
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Ein bisschen was bleibt immer: Das Schullogo entwarf Jutta Frye gemeinsam mit ihrer Tochter.

Wenn Jutta Frye Briefe schreibt, sind sie meist an Eltern, Behörden oder andere Schulen adressiert. Die 56-Jährige ist schließlich Rektorin der Bodelschwinghschule. In den 34 Briefen, die sie jetzt schrieb, ging es allerdings mal nicht um Lob oder Tadel für die Schüler, neue Infos zu den Coronamaßnahmen oder Alltäglichem aus dem Schulleben.

Hamm-Mitte – Vielmehr hatte sie jedem Einzelnen ihrer 34 Kollegen einen Brief geschrieben und sich mit persönlichen Worten und ganz viel Dank verabschiedet. Denn: Nach 15 Jahren an Hamms größter Grundschule, davon sechs als Rektorin, verlässt Frye die Lippestadt.

„Da liefen viele Tränen“, sagt die gebürtige Norddeutsche im Hinblick auf das Schreiben der 34 Briefe – schließlich kamen dabei viele Erinnerungen hoch. Deutlich wird daran aber vor allem eines: wie wichtig ihr ihre Kollegen sind. „Das Personal ist das A und O“, erklärt sie das Erfolgsrezept der Schule und fügt hinzu, dass sie unheimlich engagierte Kollegen habe, die „jedes einzelne Kind im Blick behalten.“

Von der Klassenlehrerin zur Rektorin

Angesichts von 385 Jungen und Mädchen an der Schule sei das nicht selbstverständlich. „Bei uns geht dennoch kein Kind unter“, betont Frye – auch deshalb, weil ihre Kollegen aus ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten bestehen würden und deshalb jedes Kind einen passenden Ansprechpartner fände.

Nachdem Jutta Frye sechs Jahre lang als Klassenlehrerin an der Stephanusschule gearbeitet hatte, bewarb sie sich als Konrektorin der Bodelschwinghschule – und bekam den Job. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin für katholische Religion, Kunst, Mathe-Förderunterricht und Sport bildete die heute 56-Jährige zehn Jahre lang ein sehr gutes Duo mit Rektorin Brigitte Sosna, bis Letztere in den Ruhestand ging. „Die Kollegen haben mich gefragt, ob ich nicht Rektorin werden möchte“, erinnert sich Frye und weiß noch genau, was sie ihnen damals antwortete: „Mit so einem tollen Kollegium kann es ja nur gut gehen.“

Im Hintergrund alles im Blick

Dabei sei es „ein Sprung von Konrektorin zu Rektorin“ gewesen. Denn plötzlich trug sie alleine die ganze Verantwortung und kümmerte sich beispielsweise um bauliche Angelegenheiten an der Schule, Elternbeschwerden oder zuletzt auch die Coronabestimmungen.

Versteckt hat sich Frye jedoch nicht. „Ich stehe nicht gerne im Vordergrund, habe aber gerne den Überblick“, sagt die in Münster lebende Mutter zweier erwachsener Kinder und ist stolz darauf, vieles angestoßen und bewegt zu haben an der Bodelschwinghschule. Sich selbst bezeichnet sie mit einem Lächeln als „Problemmanagerin für die Schule.“

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Zusammenhalt der Kinder in der Krise

Gut sei aber nicht nur das Verhältnis zu ihren Kollegen gewesen. Auch zu den Schülern habe sie immer einen guten Draht gehabt und sei oft von den Jungs und Mädchen angesprochen worden. Aufgefallen ist der bisherigen Schulleiterin dabei, dass sich die Kinder im Laufe der vielen Jahre insgesamt verändert hätten. „Sie sind heute viel selbstbewusster geworden“, findet Frye. Eine weitere Veränderung habe nun die Coronakrise gebracht. Denn: „Der Zusammenhalt der Kinder ist stärker geworden.“

Dass es zuletzt wegen Corona nicht immer leicht war, ist klar. Für sie sei daher wichtig gewesen, Ruhe und Gelassenheit hineinzubringen – auch im Hinblick auf die Eltern. Mit denen habe sie eine gute Beziehung gepflegt, betont die 56-Jährige. Ein Grund: „Diese Hammenser Art hat mich fasziniert“, sagt Frye und meint damit, dass sie in Elterngesprächen immer auf offene und ehrliche sowie herzliche Menschen getroffen sei.

Kleine Verabschiedung wegen Corona

So positiv die Zeit auch war: Weil sie seit 21 Jahren zwischen ihrem Wohnort Münster und Hamm pendelt und ihr damit wichtige Lebenszeit verloren geht, hat sie sich nun für einen neuen Weg entschieden und ist seit dem 6.August Rektorin der katholischen Ida-Grundschule in Münster-Gremmendorf. Kurios: Weil die Zusage in Münster kurzfristig kam, war Frye zuletzt noch zwei Tage in der Woche in der Ida-Grundschule und zwei Tage an der Bodelschwinghschule. Ende vergangener Woche wurde sie nun von ihren Kollegen sowie Vertretern der Elternschaft verabschiedet. Wegen Corona war ein großer Abschied von den Kindern kaum möglich.

Übrigens: Die Kontakte nach Hamm möchte Jutta Frye auch weiter pflegen. Dass sie sich auch künftig noch hier sehen lassen wird, ist dabei gar nicht so unwahrscheinlich – nicht nur wegen der Bodelschwinghschule. Denn: Ihr letzter Weg nach dem Abschied am Samstag führte sie in die Eis-Oase. „So leckeres Eis gibt es in Münster nicht“, sagt sie mit einem Lächeln – und hat damit einen weiteren Grund, die Lippestadt von Zeit zu Zeit wieder zu besuchen.

Lebenslauf

21 Jahre lang war Jutta Frye in Hamm tätig, zunächst von 1999 an als Klassenlehrerin an der Heessener Stephanusschule. Nach einer Revisionsprüfung erhielt die heute 56-Jährige 2005 die Konrektorenstelle an der Bodelschwinghschule, 2014 trat sie die Nachfolge von Brigitte Sosna als Rektorin an.

Lehrerin zu werden war der große Wunsch Fryes – wenn auch erst auf dem zweiten Bildungsweg. Denn gelernt hatte sie Familienpflege. Den eigentlichen Berufswunsch erfüllt sie sich dann durch das Studium von Mathe, Deutsch und katholischer Religion in Münster. Frye ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

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