Die Geschichte von Milad David und Susanne Herboth

Syrischer Flüchtling (23) entpuppt sich in Hamm als Friseurtalent

Milad David hat als Flüchtling in schwierigen Corona-Zeiten seine Ausbildung als Friseur bestanden und wird übernommen.
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„Eine Chance verdient“ und sie genutzt: Milad David hat als Flüchtling in schwierigen Corona-Zeiten seine Ausbildung als Friseur bestanden und wird übernommen. Unser Bild zeigt ihn mit Susanne Herboth.

Der junge syrische Flüchtling Milad David entpuppt sich in Hamm als Friseurtalent. Und darüber freut sich auch, aber nicht nur Susanne Herboth. „Ich habe Spaß daran, Menschen glücklich zu machen“, sagt der 23-Jährige.

Hamm - „Zielstrebig“ – dieses Adjektiv trifft wohl am besten zu auf Milad David. Genau so hat Susanne Herboth den heute 23-jährigen Syrer kennengelernt, als er sich vor zwei Jahren in ihrem Friseursalon vorgestellt und um einen Ausbildungsplatz beworben hatte – im schicken Anzug und in Begleitung seiner Eltern. Das hat in Kombination mit dem perfekten Benehmen einen solchen Eindruck auf die Inhaberin des Salons an der Ostenallee gemacht, dass sie sofort zusagte. „Ich finde, dass Flüchtlinge eine Chance verdient haben“, ist ein Grund, warum sich Herboth immer wieder für Menschen mit Migrationshintergrund einsetzt.

Jetzt hat Milad David seinen Abschluss gemacht und die Gesellenprüfung bestanden – und er wird als „Young Stylist“ von Susanne Herboth übernommen. Er habe sehr viel gelernt in den zwei Jahren sagt der 23-Jährige, der zuvor ein Jahr in einem anderen Friseursalon als Auszubildender nicht so gefordert worden sei, wie er das erwartet hatte: Statt Haare zusammenzufegen und Kaffee zu kochen, wollte er unbedingt mit Kunden arbeiten.

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Lockdown-Zeit sinnvoll genutzt

Darauf allerdings musste Milad David auch viele Monate während der Ausbildung bei Susanne Herboth verzichten – wegen des Corona-bedingten Lockdowns, als Friseursalons nicht öffnen durften. Die Zeit hat er natürlich trotzdem genutzt, um sein Handwerk zu vervollkommnen: An Übungsköpfen mit Kunsthaar hat er Dauerwellen gelegt, Haare geschnitten und gefärbt; der Berufsschulunterricht lief als Homeschooling. Am meisten haben ihm der Kontakt zu den Kunden und die Gespräche mit ihnen gefehlt: „Ich habe Spaß daran, Menschen glücklich zu machen“, sagt er.

Unglück hat der junge Mann mehr als genug gesehen in seiner vom Bürgerkrieg gebeutelten Heimat Syrien. Er ist in Al Hasaka aufgewachsen, der Regierungsbezirk liegt relativ nah an der türkischen Grenze. Seit 2015 ist er in Deutschland, war zunächst in Rheinland-Pfalz untergebracht und kam dann nach Hamm in eine Flüchtlingsunterkunft. Mit dabei waren seine drei Brüder, die allesamt Friseure sind und von denen einer einen eigenen Friseursalon in Hamm betreibt. Sie alle haben mittlerweile eigenen Wohnungen, und auch die Eltern konnten vor zwei Jahren nachkommen.

Deutsche Sprache zielstrebig gelernt

Mit besagter Zielstrebigkeit hat Milad David die deutsche Sprache erlernt. Friseur ist sein Traumberuf, denn in seiner alten Heimat hätten sie ein viel höheres Ansehen als in Deutschland, weil dort auch noch mehr in Handarbeit geschehe. „Friseure verändern die Welt“, laute eine Redensart in Syrien, weil sie Menschen verändern. „Ich liebe es, aus etwas Unansehnlichen etwas Schönes, etwas Besonderes zu machen“, sagt der Jung-Geselle.

Jetzt hat Milad David sein Ziel erst einmal erreicht – mit besonders viel Engagement und Aufwand in den vergangenen Jahren. Darum möchte er jetzt erst einmal „durchatmen“ und bei Susanne Herboth im Beruf aufgehen, ihn weiter perfektionieren. Zu welchem Ziel er als Nächstes strebt, weiß er noch nicht.

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