Hammer Familiensache

Warum Lorenz Ahlbrand mit 35 eine Hausarztpraxis übernahm

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Lorenz Ahlbrand schätzt, dass die Arbeit als Hausarzt so vielseitig ist.

Hamm - Hausarzt, heißt es häufig, sei für junge Mediziner kein Traumberuf. Lorenz Ahlbrand hat das auch gehört, im Medizinstudium und später als Arzt im Krankenhaus. Er ist trotzdem Hausarzt geworden. Und hat die elterliche Praxis übernommen.

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Der heute 36-jährige Lorenz Ahlbrand ist einer von nur zwei Hammer Hausärzten unter 40 Jahren, wie aus Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hervorgeht. Am anderen Ende des Altersspektrums finden sich 32 Hausärzte, die 60 Jahre oder älter sind. Drei davon haben die 70 bereits überschritten. Ein festgelegtes Alter, zu dem Ärzte in den Ruhestand gehen müssen, gibt es nicht.

Die Praxis in jüngere Hände zu geben, gestaltet sich oft schwierig. Der Hammer Hausarzt Dr. Hans-Joachim Briefs hätte seinen Betrieb verschenkt, fand aber niemanden, der ihn übernehmen wollte. Er schloss seine Räume im Sommer. Viele Mediziner, vor allem Medizinerinnen, trauten sich die Selbstständigkeit nicht zu, hatte Matthias Bohle, Vorsitzender des Ärztevereins, jüngst dazu bemerkt. Auch wegen der Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Er habe tatsächlich viel zu tun, sagt Ahlbrand. Sprechstunden und Hausbesuche, viel Unvorhergesehenes, viel Schreibtischarbeit. Aber er erinnere sich an die langen Nacht- und Wochenenddienste als Krankenhausarzt. Von seiner Familie habe er jetzt mehr.

Aber was hat Ahlbrand dazu gebracht, in ein Metier einzusteigen, das die meisten seiner jungen Kollegen eher meiden? Die Familie ist Teil der Antwort. Dr. Paul Ahlbrand praktizierte 35 Jahre lang in Hövel. Den Alltag eines Allgemeinmediziners habe er da aus erster Hand mitbekommen, sagt Sohn Lorenz. Die Fortführung der Praxis sei aber nie Thema in der Familie gewesen.

Generalist oder Spezialist?

Ahlbrand ist immer bei der Allgemeinmedizin geblieben. Bei seiner ersten Stelle in einem Düsseldorfer Krankenhaus habe sich vieles um Magen-Darm-Erkrankungen gedreht, bei der zweiten um Bluthochdruck und Diabetes. „Eine brauchbare Vorbildung für einen Hausarzt“, sagt er.

Als er den Facharzt für Innere Medizin machte, habe sein Vater erstmals vorsichtig gefragt, ob er sich die Praxisübernahme vorstellen könne. „Den Gedanken an die Hausarztpraxis fand ich reizvoll, weil die Arbeit so vielseitig ist“, sagt der Sohn. Letztlich sei der Einstieg in die elterliche Praxis gar nicht so ungewöhnlich, sagt er. Drei solcher Fälle kenne er aus dem Bekanntenkreis. Und die Übernahme einer fremden Praxis? „Eine“, sagt er nach kurzem Nachdenken.

Der Schritt in die Selbstständigkeit vor inzwischen einem Jahr sei „nicht ohne“ gewesen, sagt Ahlbrand. Betriebswirtschaft werde Medizinern an der Universität nicht beigebracht. Ums Geschäftliche kümmere sich jetzt seine Frau. Und notfalls könne man die Eltern fragen. Die Hausarztpraxis ist eine Familienangelegenheit.

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