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Jugendsuchtberatung zur Corona-Zeit: „Pandemie verstärkt (Drogen)konsum“

Klicken statt Anfassen: Birgit Süsselbeck und Annette Riedesel von der Jugendsuchtberatung haben ihr Beratungsangebot digitalisiert. So gibt es den Cannabiskoffer jetzt zum Beispiel auf dem Laptop. Therapiehund Mira bekommt trotzdem noch genug Streicheleinheiten.
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Klicken statt Anfassen: Birgit Süsselbeck und Annette Riedesel von der Jugendsuchtberatung haben ihr Beratungsangebot digitalisiert. So gibt es den Cannabiskoffer jetzt zum Beispiel auf dem Laptop. Therapiehund Mira bekommt trotzdem noch genug Streicheleinheiten.

Corona hat unseren Alltag deutlich verändert. Das merken auch die Mitarbeiter der Jugendsuchtberatung, und das nicht nur, weil auch sie auf digitale Angebote ausweichen mussten.

Hamm – „Kinder und Jugendliche haben im Lockdown keinen wirklichen Ausgleich mehr. Man kann nicht ins Fitnessstudio, trifft weniger Freunde und kann nicht auf Konzerte. Dadurch wird deutlich mehr konsumiert“, sagt Birgit Süsselbeck. Häufig dauere es lange, bis Familien sich an die Beratungsstelle wenden. „Wir kriegen mit, dass viele Familien gerade sehr belastet sind. Oft versuchen sie es aber erst selbst zu regeln oder bitten Freunde um Hilfe. Wenn sie sich bei uns melden, ist es oft schon sehr ernst“, so die Suchtberaterin.

Häufig seien es auch Lehrer oder Erzieher, die auf mögliche Suchtprobleme von Kindern aufmerksam werden. Durch Homeschooling und Wechselunterricht, falle aber auch das weg. Das beunruhigt die Mitarbeiter der Suchtberatung. „Ich befürchte, nach der ganzen Lockdown-Situation kommt noch einiges auf uns zu, auch was Themen wie Alkohol oder Gewalt angeht“, sagt sie.

Jugendsuchtberatung ist auch während Corona für Kinder und Eltern in Hamm da

Trotz des Lockdowns werde das Beratungsangebot aber immer noch gut wahrgenommen. „Im vergangenen Jahr waren es etwa 109 Beratungen im ersten Quartal, jetzt waren es etwa 90“, sagt Süsselbeck. Um weiter für Kinder, Jugendliche und Eltern da zu sein, haben die Mitarbeiter der Jugendsuchtberatung ihre Angebote in den vergangenen Monaten digitalisiert. „Das war schon eine Menge Arbeit. Es reicht ja bei vielen Sachen nicht, es einfach zu zeigen, sondern es muss auch Spaß machen“, sagt Kollegin Annette Riedesel. So haben die Berater zum Beispiel den Cannabis-Koffer digitalisiert.

Um die Kinder und Jugendlichen in der Coronazeit besser zu erreichen, hat die Jugendsuchtberatung jetzt auch einen Instagram-Kanal. Dort sprechen die Mitarbeiter in Videos über Gefühle wie Wut, Einsamkeit, Langeweile oder Enttäuschung. In welchen Momenten sie so etwas fühlen und wie sie damit umgehen.

Anstelle von Karten mit Begriffen gibt es ein Online-Quiz, mit dem Kinder und Jugendliche über das Thema Cannabis sprechen und lernen können. Anstelle von Schulbesuchen machen die Suchtberater jetzt Webinare, Zoom-Konferenzen ersetzen Gesprächskreise. „Trotzdem sind wir aber auch noch für persönliche Gespräche da“, sagt Süsselbeck. Beratungen können in Präsenz, per Video, per Telefon oder per Mail stattfinden. „Da sind die Wünsche ganz unterschiedlich.“

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