"Jugendliche ohne Grenzen": Sprachrohr der Heimatlosen

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Hamm - Die Jugendlichen ohne Grenzen (kurz: JOG) wollen den Flüchtlingen eine Stimme geben. So auch am Mittwoch, 2. Dezember, wenn die Bundeskonferenz der Organisation stattfindet.

Nelli Foumba Soumaoro (25) ist Bundessprecher der JOG. Er wünscht sich eine Flüchtlingsarbeit auf Augenhöhe, bei der Flüchtlingen Eigeninitiative und Partizipation zugetraut wird. Als bundesweiter Zusammenschluss junger Flüchtlinge, Asylbewerber und Unterstützer aus verschiedenen Herkunftsländern engagieren sich die Jugendlichen ohne Grenzen seit 2005 in Deutschland und seit 2013 in Hamm, um die Anliegen betroffener Flüchtlinge zu vertreten.

Hier betont Nelli, dass diese ihre Situation selbst gestalten wollen und Forderungen und Vorschläge zur Flüchtlingsarbeit entwerfen. Als zentrales Anliegen nennt er das friedliche und sichere Zusammenleben in der Gesellschaft, ohne Diskriminierung, Rassismus und drohende Abschiebung. „Wir wollen unsere Zukunft selbst in die Hand nehmen“, erklärt Nelli und führt weiter aus, dass Unterstützung hierbei wichtiger sei als Hilfe.

Die Flüchtlinge wollen keine Stellvertreterpolitik, sondern eine aktive Rolle einnehmen, um nicht nur auszuharren, sondern durch Unterstützung die Möglichkeit zu bekommen, Arbeit zu finden. Hierbei wenden sich die Jugendlichen ohne Grenzen vor allem an junge Flüchtlinge oder ehemals Geflüchtete sowie an ihre Freunde und Unterstützer, die die Grundwerte wie Menschenrechte, Demokratie und Meinungsfreiheit teilen.

Nelli war seit der Gründung 2013 bis 2014 in Hamm als Sprecher aktiv und ist unter anderem Mitglied in der Arbeitsgruppe „Perspektive von Flüchtlingen“ im Bundeskanzleramt in Berlin, erster Vorsitzender des Vereins „Yes Africa e. V.“ und interkultureller Berater von Kommunen und Ländern in der interkulturellen Öffnung der Entwicklungspolitik in Deutschland. In der aktuellen Flüchtlingsdiskussion empfindet er vor allem die begrenzten Partizipationsmöglichkeiten der Flüchtlinge selbst als problematisch. Er erzählt, dass in Deutschland knapp 130 000 Flüchtlinge nur geduldet seien und daher in ständiger Angst vor der Abschiebung leben.

Hinzu kommen Gesetze wie Ausbildungs- und Arbeitsverbote, die Flüchtlinge in der Gestaltung ihrer eigenen Zukunft einschränken würden. Die Flüchtlinge müssen zudem länger in überfüllten Erstaufnahmelagern leben und dürfen aufgrund der Residenzpflicht den Landkreis nicht verlassen. Kinder und Jugendliche seien dadurch isoliert und dazu oftmals von ihrer Familie getrennt, weil sie alleine geflüchtet sind. Nelli kritisiert weiter, dass die Verstärkung der Grenzen Europas nur dazu führe, dass Flüchtlinge gezwungen seien, gefährlichere Fluchtrouten zu nehmen und dies zum Leid und Tod von immer mehr Menschen führe. Daher setzen sich die Jugendlichen ohne Grenzen für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention, Bildungsgerechtigkeit und Bleiberecht für die Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland ein.

In bundesweiten und regionalen Koordinationsstellen möchten sie ihre Organisation selbst entwickeln und so Eigeninitiative und Mitverantwortung zeigen. Seit Juni 2005 treffen sich die Jugendlichen ohne Grenzen jedes Jahr parallel zur Innenministerkonferenz auf „Gegenkonferenzen“ und wählen den „Abschiebeminister des Jahres“, aber vergeben auch positive Preise. Durch Empowerment-Aktionen sollen junge Flüchtlinge ihre Situation reflektieren und in der Öffentlichkeit ihre Stimme nutzen.

Somit soll verbessert werden, wie Behörden oder Fachkräfte in der Flüchtlingsarbeit auf Augenhöhe mit Flüchtlingen arbeiten können und was junge Flüchtlinge selbst tun können und brauchen. Nelli hebt hervor, dass „eine Flüchtlingspolitik, die den Jugendlichen eine Perspektive bietet“ benötigt wird und dass die Gesellschaft bereit sein solle, sich zu verändern und Mut zu machen. - Linda Göttner

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