Neuanfang mit Lukas: Jugendliche lesen die Weihnachtsgeschichte

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Hamm - Die Lichter am Tannenbaum lassen die Pauluskirche in einem festlichen Glanz erstrahlen. Die Krippe ist schon aufgebaut, der Stern weist den Weg. Umgeben von dieser vorweihnachtlichen Stimmung steht eine Gruppe Jugendlicher.

Einige von ihnen sind zum ersten Mal in einer Kirche – einem Ort der Sühne und des Neubeginns, der Nächstenliebe und des Gebetes. Einen Neubeginn wollen sie schaffen. Noch vor wenigen Monaten hatten einige Ärger mit der Polizei.  Jetzt stehen sie in der Kirche und lesen die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vor. Dabei werden sie von einem Team gefilmt.

Das Video kommt so gut an, dass Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann es zu seiner Weihnachtsansprache auf der Internetseite der Stadt Hamm veröffentlicht. „Eine schöne Anerkennung“, freut sich Ibrahim Ismail.

Für Ismail sind die Jugendlichen keine Intensivtäter. Er ist der Vorsitzende des Vereins Paidaia. Der Verein arbeitet seit vielen Jahren mit Jugendlichen. Und ist dabei sehr erfolgreich. Das Jugendamt der Stadt Hamm hat den Verein beauftragt, hier tätig zu werden.

Aus sich selbst heraus Kehrtwende schaffen

Das Paidaia-Team setzt auf geistiges und körperliches Training und darauf, dass die Jugendlichen den Neubeginn wirklich wollen und aus sich selbst heraus die Kehrtwende schaffen. Dazu nutzt es das schöpferische Potenzial der Jugendlichen und diskutiert mit ihnen über Philosophie. Schopenhauer, Sokrates, Nietzsche, Kant: Namen, die die Teilnehmer seines Kurses zuvor nicht kannten, kommen ihnen nun lässig über die Lippen.

Das Team erreicht die Gruppe, indem es die Gedanken der Philosophen mit der Lebenswelt der Jugendlichen in einen Bezug setzt. „Das funktioniert“, so Ismail. „Wir setzen auf Persönlichkeitsbildung und die Stärkung der Geisteskraft“, sagt er. Er ist davon überzeugt, dass Bildung einen Menschen verändern kann wenn sie in das Bewusstsein dringt.

Einen Platz in der Gesellschaft finden

Am Sachsenweg in Heessen errichten sich die Jugendlichen derzeit ein Impulszentrum. „Haus der Tugend“ nennt Ismail das. Es soll ein Haus werden, das den Jugendlichen hilft, über sich hinauszuwachsen und damit einen Platz in der Gesellschaft zu finden. Bis das Haus errichtet ist, müssen sie selber Hand anlegen. Laminat verlegen, Wände gestalten, Büromöbel kaufen: Das Paidaia-Team gibt den Jugendlichen einen Auftrag, um den sie sich selber kümmern müssen. Ismail: „Das stärkt ihr Selbstwertgefühl“.

In einer Gesellschaft, die auf Konsum und Leistung setze, seien die Jugendlichen oft gescheitert. In ihren Entwicklungsschritten zum Erwachsenwerden hätten sie so manche Grenze überschritten. Das müsse ihnen deutlich gemacht werden. So fängt die Arbeit im „Haus der Tugend“ mit einer Selbstreflexion an und der Erkenntnis etwas ändern zu wollen. „Wir nehmen die Jugendlichen ernst, das merken sie“, so Ismail.

Gruppe von Kamerateam begleitet

Im Rahmen der Arbeit im Impulszentrum ist die Idee entstanden, die Weihnachtsgeschichte in der Pauluskirche vorzulesen und die Gruppe von einem Kamerateam begleiten zu lassen und daraus diesen Clip zu drehen:

Nicht nur Thomas Hunsteger-Petermann ist von der Arbeit angetan. Ibrahim Ismail hat den Clip auch an die Filmproduzentin Gabriele Sperl gesendet. Ein Film von ihr hatte die Jugendlichen und das Team inspiriert. Sperl hat mit vielen namhaften Schauspielern gearbeitet – unter anderem mit Katja Riemann und Christoph Maria Herbst. Sie schreibt: „Großartig, sehr schön! Mutmacher Ibrahim! Alles Liebe wir bleiben dran, die Welt friedlicher zu machen. Frohe Weihnachten! Peace für die Welt.“

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