Endlich wieder gemeinsam lernen: Mit Masken und im Zehn-Minuten-Takt beginnt Unterricht an Grundschulen

Die Freude war groß: Endlich sehen sich alle Kinder aus den Klassen wieder.
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Die Freude war groß: Endlich sehen sich alle Kinder aus den Klassen wieder.

Zwischen Freude und Verunsicherung schwankten gestern die Schüler an der Josefschule in Heessen. „Ist das Virus jetzt vorbei?“, fragten sie zu Beginn der ersten Stunde.

Hamm – Es war eine besondere erste Stunde: Zum ersten Mal seit Mitte März saßen alle Kinder aus der Klasse wieder gemeinsam im Unterricht. Gestern ging der reguläre Schulbetrieb für die Josefschüler ebenso wie für alle 6.600 Grundschüler in Hamm wieder los. Die Abstandsregel im Klassenraum wurde aufgehoben, der Alltag im Klassenzimmer selbst wirkte fast normal.

Um 7.45 Uhr stehen die ersten Eltern mit ihren Kindern am Eingangstor der Schule. Die Schüler tragen Masken, zwei Lehrerinnen, ebenfalls maskiert, nehmen sie in Empfang. Wer keine Maske hat, bekommt eine. Die Erstklässler machen den Anfang. Sie werden gleich in ihre Klassenräume geschickt.

Im Zehn-Minuten-Takt in den Klassenraum

Etwas weiter vom Eingang entfernt stehen bereits Eltern mit älteren Schülern. Sie sind erst in zehn Minuten dran und warten mit Abstand. Auch sie tragen ihre Masken. Im Zehn-Minuten-Takt kommen so bis 8.15 Uhr die Schüler der vier Jahrgänge an der Schule an. Gedränge gibt es nicht. „Die Regeln kennen die Schüler schon von den vergangenen Wochen“, erklärt Lehrerin Fatma Cubukcu. Die Türkischlehrerin unterstützt die Kollegen aktuell bei der Aufsicht und lotst die Kinder ohne Umwege in ihre Klassen.

Dort angekommen waschen sich die Schüler ihre Hände, hier dürfen sie die Masken abnehmen, manche lassen sie jedoch an. „Die Kinder haben sich daran gewöhnt und fühlen sich so gerade noch sicherer. Das ist ok“, erklärt Schulleiterin Susanne Lehwald.

Zweitklässler erhalten keine Noten

Vier Stunden Unterricht haben die Josefschüler jetzt täglich. Dabei konzentrieren sich die Lehrer auf die Hauptfächer. Musik, Sport und Religion fallen erst einmal aus. „Normaler Unterricht ist aktuell gar nicht möglich, da wir nicht voll besetzt sind“, sagt die Schulleiterin. Zwei Lehrkräfte fallen aus, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Im Lehrerzimmer ist es gegen 8.30 Uhr ruhig, fast alle Lehrer sind im Unterricht. Nur eine Lehrerin sitzt am Schulcomputer und druckt die Zeugnisse ihrer Zweitklässler aus. Es ist bereits das zweite Mal. Das Schulministerium veränderte die Bestimmungen, so dass die Zeugnisse geändert werden mussten. Noten bekommen die Zweitklässler allerdings in diesem Jahr keine. Normalerweise hätten sie im zweiten Halbjahr einen ersten Eindruck vom Notensystem bekommen, doch dafür reichte die Unterrichtszeit nicht aus.

Corona in Hamm: Gemeinsamer Neustart in der Josefschule

Corona in Hamm: Gemeinsamer Neustart in der Josefschule

Regelunterricht mit gemischten Gefühlen

Sie würden aber eh nichts ändern, alle Schüler werden versetzt. „Es gibt ein paar Eltern, die entschieden haben, dass ihre Kinder das Schuljahr wiederholen“, sagt die Schulleiterin.

Sie betrachtet die Öffnung der Schule für alle Grundschüler mit gemischten Gefühlen: „Natürlich freue ich mich, dass alle wieder hier sind, aber es lief gerade alles. Alle hatten sich daran gewöhnt und jetzt mussten wir kurzfristig wieder alles umstellen. Und es bleibt natürlich die Frage, ob es richtig ist, alle Kinder zusammen in die Klasse zu lassen. Ich weiß es nicht.“

Regeln im Klassenzimmer und auf den Pausenhof

Sie würden aber eh nichts ändern, alle Schüler werden versetzt. „Es gibt ein paar Eltern, die entschieden haben, dass ihre Kinder das Schuljahr wiederholen“, sagt die Schulleiterin.

Sie betrachtet die Öffnung der Schule für alle Grundschüler mit gemischten Gefühlen: „Natürlich freue ich mich, dass alle wieder hier sind, aber es lief gerade alles. Alle hatten sich daran gewöhnt und jetzt mussten wir kurzfristig wieder alles umstellen. Und es bleibt natürlich die Frage, ob es richtig ist, alle Kinder zusammen in die Klasse zu lassen. Ich weiß es nicht.“

Den Kindern zu erklären, warum sie jetzt in der Klasse wieder alles dürfen, auf den Gängen und in der Pause aber noch Masken tragen müssen, sei schwierig, sagt die Schulleiterin. Doch immerhin: Bei der Frage, wie sie es finden, dass sie wieder gemeinsam unterrichtet werden, sind sich die Schüler der Mäuseklasse (1a) einig: „Schön!“

Im schlimmsten Fall würde die ganze Schule wieder geschlossen

Seit fünf Wochen wird an den Schulen in NRW wieder unterrichtet, und auch in den Kindertagesstätten läuft der Betrieb nach dem Neustart Anfang Mai seit einer Woche wieder auf Volllast. Ein Coronaverdacht unter Kindern, Lehrkräften oder Erzieherinnen ist in Hamm bislang nicht aufgetreten. Auch während der Zeit der Notgruppen-Betreuung war dies nicht der Fall.

Die Infektionsfälle sind trotz der Vielzahl von Lockerungen in der Stadt nicht explodiert, sondern bewegen sich auf konstant niedrigem Niveau. Inwieweit Kinder den Covid-19-Erreger weiterverbreiten können, ist unter den Experten umstritten. Sollte es nun doch zu einem Ausbruch an einer Schule kommen, gibt es bislang keine Vorgaben der Landesregierung zur Verfahrensweise. Das sagte ein Stadtsprecher gestern auf WA-Anfrage. „Wir würden in einem solchen Fall aber großflächig testen“, hieß es weiter aus dem Hammer Rathaus.

Zunächst würde aber untersucht, zum wem der oder die Betreffende in der Schule oder Kindertagesstätte Kontakt hatte. Beschränke sich der Kontakt beispielsweise nur auf eine Klasse, würde auch nur diese für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Sollte eine ganze Schule betroffen sein, müsse diese komplett für zwei Wochen geschlossen werden. Um das zu verhindern, sei der gestrige Neustart an den Grundschulen schließlich auch so organisiert worden, dass sich die Kinder nur klassenweise begegnen und nur zeitversetzt das Schulgebäude betreten oder verlassen dürfen.

Weitere Lockerungen ab Montag

Die nächste Stufe der Corona-Lockerungen wird am kommenden Montag auch in Hamm gezündet. Das dürfte für viele Bereiche einen ordentlichen Schub hin zu mehr Normalität bedeuten. Einen Überblick haben wir Sie hier online. - WA

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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