Langjähriger Chefredakteuer des WA

Zeitungsmann voller Neugier aufs Leben: Josef Surholt ist tot

Im Alter von 85 Jahren gestorben: Ex-WA-Chefredakteur Josef Surholt.
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Im Alter von 85 Jahren gestorben: Ex-WA-Chefredakteur Josef Surholt.

Der Westfälische Anzeiger trauert um seinen langjährigen Chefredakteur Josef Surholt. Er ist im Alter von 85 Jahren gestorben.

Hamm - Dass er einmal in Hamm landen würde, dass er hier einmal in enger Verbindung mit der Stadt und vielen Freunden seinen Lebensabend verbringen würde, war nicht vorherbestimmt. Josef Surholt war anfangs ein Wanderer durchs Zeitungsland, wie so viele Journalisten, die von der Neugier aufs Leben getrieben sind. Er studierte in München, Berlin und Münster, absolvierte sein Volontariat – die klassische Praxis-Ausbildung zum Redakteur – in den jeweiligen Semesterferien. Er wurde Politikredakteur bei den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Leiter der Politikredaktion bei der Frankfurter Neuen Presse und 1981 schließlich Chef beim WA. Das blieb er bis zum Eintritt in den Ruhestand vor 23 Jahren.

Er war ein Zeitungsmann mit Leib und Seele, wohlmeinend konservativ, fest verwurzelt in der katholischen Publizistik. „Das Berufsziel Journalist stand für mich schon als Gymnasiast fest“, schrieb er einmal in einem Fragebogen. „Es wurde zur Gewissheit, als ich erstmalig die Luft der Redaktionsstuben und Mettagen schnuppern durfte – und dann recht bald auch den Machern von Bundes- und Landespolitik begegnete.“ So blieb es ein Journalistenleben lang. Tochter Britta schrieb uns in dieser Woche: „Seine Neugier hat er sich bis ins hohe Alter bewahrt, keine gedruckte Seite war vor ihm sicher.“

Josef Surholt ist tot: Es war die Zeit vor dem Internet

Eines seiner Vorbilder: Kardinal von Galen, der Löwe von Münster – „wegen seiner Fähigkeit, Unrecht, auch wenn es ideologisch eingenebelt ist, zu erkennen und publik zu machen“.

Josef Surholt prägte den WA in einer Zeit, die nicht so sehr von Alltagshektik geprägt war wie heute. Die Zeit vor dem Internet. Der Chef kümmerte sich vor allem ums Überregionale, um Politik und Wirtschaft. Er kommentierte gerne und meinungskräftig – und heute darf es verraten werden: oft auch zweimal am selben Tag. Das wusste aber nur die Redaktion. Der zweite Kommentar erschien unter Pseudonym; der Autor wollte nicht aufdringlich wirken.

Unvergessen seine täglichen kleinen Pointen auf der vermischten Seite, das „Nebenbei“ von „jo“. Sie erschienen noch lange nach dem Abschied vom beruflichen Alltag. Surholt war seinem WA bis zum Schluss eng und freundschaftlich verbunden, auch wenn er nicht alles, was wir Nachfolger machten und machen, befürwortet haben dürfte. Die Zeiten ändern sich, das wusste und akzeptierte er. Für diese Form der Solidarität gebührt ihm große Anerkennung.

Josef Surholt ist tot: Immer und überall mit dem Fahrrad

Auch wenn er viel und gerne im Ausland unterwegs war: Josef Surholt gehörte fest zur Stadt Hamm. Er war lange nach seiner Pensionierung immer und überall auf dem Fahrrad zu sehen. Er engagierte sich weiter, auf sozialem Gebiet, äußerst kundig auch in der örtlichen Kulturszene.

Josef Surholt wird fehlen. Er wird der Stadt fehlen. Er wird der WA-Familie fehlen, in deren Seniorenkreis er sich wohl fühlte. Er wird seiner eigenen Familie und den vielen Freunden fehlen.

Und wir Kollegen werden uns immer wieder lächelnd an seinen Aschenbecher erinnern, in dem einst die angezündeten Zigaretten ungeraucht ausbrannten und zu fragilen Aschesäulen wurden – weil Josef Surholt gerade Wichtigeres zu tun hatte.

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