Fahndungsaufruf und Pannen-Serie

Jörns Verschwinden wird ein Fall für "Aktenzeichen XY"

"Aktenzeichen XY ... ungelöst"
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Rudi Cerne präsentiert die Sendung "Aktenzeichen XY" im ZDF.

Hamm - Das mysteriöse Verschwinden des 16-Jährigen Jörn aus Hamm und seines Onkels wird nach WA-Informationen ein Fall für die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst". Nach mehreren Pannen stehen nun aber auch die Behörden zunehmend in der Kritik.

Nun also doch. 232 Tage nach dem Verschwinden des mittlerweile 16-jährigen Jörn aus Berge hat sich das Amtsgericht Bielefeld zu einer Öffentlichkeitsfahndung nach dessen Onkel, dem 44-jährigen Ex-Ratsherren Daniel B. aus dem ostwestfälischen Löhne durchgerungen. 

Wegen des „dringenden Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen“ wird nach dem Mann, der selbst Vater von zwei Kindern im Grundschulalter und ebenso wie Jörn seit dem 10. Juni 2016 wie vom Erdboden verschluckt ist, endlich auch offiziell gesucht. 

Der Schritt erfolgt nicht nur reichlich spät, er ist erneut mit einer Panne behaftet... Eigentlich war schon im November wenigstens in dieser Hinsicht alles klar gewesen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld hatte damals unserer Zeitung bestätigt, dass gegen B. nunmehr ein Haftbefehl vorliege und dass „in den nächsten Tagen“ eine Öffentlichkeitsfahndung erfolgen werde. 

Eindeutige Fotos und Videos auf Datenstick

Grund für die schärfere Gangart war ein Datenstick mit eindeutigen Videos und Fotos vom Onkel und seinem Neffen gewesen, den Angehörige in B.'s Haus in Löhne gefunden hatten. Trotzdem wurde die Öffentlichkeit nicht in die Fahndung einbezogen. 

Alles zum Vermissten-Fall Jörn hier

Weil in den darauffolgenden Tagen einige Medien speziell aus Ostwestfalen das Thema ebenfalls aufgegriffen hatten, sah das Amtsgericht Bielefeld keinen Anlass mehr, tätig zu werden. Die Entscheidung löste auch in Polizeikreisen entgeistertes Kopfschütteln aus. Dass es nun doch anders kommt, dürfte insbesondere am Fernsehsender ZDF liegen.

Fall soll am 31. Mai im TV gezeigt werden

Auf Betreiben der Hammer Polizei, die bei der Suche nach dem vermissten Jörn die Fäden in der Hand hält, soll der Fall in der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ aufgegriffen werden. Die Kontakte laufen seit Wochen, auch die Eltern des Teenagers haben längst in eine Berichterstattung eingewilligt. Sollten B. und Jörn nicht gefunden werden, will das ZDF am 31. Mai über den Fall berichten. Dass der Sender dann kein offizielles Fahndungsfoto von B. zur Verfügung gehabt hätte, dürfte auch in Bielefeld bemerkt worden sein.

Interne Untersuchung nach Panne

Wie nun am Montag bekannt wurde, liegt der Herforder Polizei der Beschluss zur Öffentlichkeitsfahndung bereits seit Anfang Dezember vor. Dass die Veröffentlichung erst am vergangenen Freitag erfolgte, soll nun interne Untersuchungen nach sich ziehen. 

Schon vorher hatte es bei den Ermittlungen einige Male gehakt: Besagter Datenstick wurde eben nicht von der Polizei bei einer von ihr am 10. Juni bei B. durchgeführten Hausdurchsuchung, sondern Wochen später von den Angehörigen in dessen Haus gefunden. 

Weitere Panne: Laptop fing angeblich Feuer

Dafür entglitt den Beamten bei der Durchsuchung ein Laptop des Ex-Ratsherren und fing angeblich Feuer – mit der Folge, dass der Rechner nicht mehr auszuwerten sein soll. 

Ein Lebenszeichen gibt es bis heute nicht. Nicht ein einziger Hinweis ist bei der Polizei eingegangen. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, ob sich das Duo in Deutschland, dem europäischen Ausland oder in Übersee – etwa in Kanada – aufhält. Letzteres wird als wenig wahrscheinlich eingestuft. Der Fahndungsaufruf fällt äußerst knapp aus. Nicht einmal der blaue C-Klasse-Mercedes mit AH-Kennzeichen, mit dem das Duo vermutlich davonfuhr, findet eine Erwähnung. B.'s Fahndungsfoto ist offensichtlich das Bild aus seinem Personalausweis. 

Neuanfang: Eltern ziehen um

Die nervlichen Belastungen insbesondere für die Familie des seit knapp acht Monaten verschwundenen Jörn sind extrem hoch und fordern nun nachhaltigen Tribut: Das Haus im Hammer Süden wird aufgegeben; eine neue Wohnung ist bereits angemietet. „Wir brauchen einen Neuanfang. Die Erinnerungen an Jörn sind hier einfach allgegenwärtig“, begründet sein Vater die Entscheidung. Sein sehnlichster Wunsch: ein Lebenszeichen von dem Teenager. „Ein Brief oder ein Anruf, in dem es heißt: ,Es geht mir gut, macht Euch keine Sorgen.’“

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