Kiosk-Betreiberin Joanna Polnik ist auch während Corona für ihre Kunden da

Joanna Polnik betreibt seit 27 Jahren ihren Kiosk an der Wiescherhöfener Straße in Pelkum.
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Immer ein offenes Ohr: Joanna Polnik betreibt seit 27 Jahren ihren Kiosk an der Wiescherhöfener Straße.

Man kennt sich im Dorf. Hier ein kurzer Plausch mit der Postzustellerin, dort ein „Hallo“ zu einer Stammkundin. Und dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. „Das ist wichtig“, weiß Joanna Polnik, die den kleinen Kiosk an der Wiescherhöfener Straße betreibt und die auch in der Corona-Krise ihre Frau steht, immer für ihre Kunden da ist und ein offenes Ohr für sie hat.

Selmigerheide – Das war auch schon vor 27 Jahren so, als die gelernte Frisörin zusammen mit ihrem Mann den Kiosk in der Selmigerheide übernahm. Das Geschäft lief gut, sodass das Ehepaar auch an der Oberonstraße und am St.-Georgs-Platz im Hammer Osten einen Kiosk eröffnete. Doch dann ereilte Joanna Polnik ein schwerer Schicksalsschlag: Ihr Mann starb. „Da es mir zuviel wurde, musste ich mich von zwei Geschäften trennen“, erzählt die 54-Jährige. Geblieben sei nur der Kiosk im Dorf. „Er war schließlich unser erster und lief auch am besten“, sagt Polnik, der – neben ihrem neuen Lebenspartner – mit Isabell Abbi, Grazyna Reinert und Johanna Bota drei Mitarbeiterinnen zur Seite stehen.

Denn: Ruhetage, die gibt es bei Joanna Polnik nicht. Unter der Woche öffnet der Kiosk aktuell um 6.30 Uhr und schließt um 22 Uhr. Samstags und sonntags geht es um 8 beziehungsweise um 9 Uhr los.

Die Kunden? Die sind breit gestreut. Da sind beispielsweise die Schulkinder, die an der direkt nebenan befindlichen Haltestelle auf den Schulbus warten und sich von ihrem Ersparten mit Süßigkeiten eindecken. Corona-bedingt waren die Schulen in den vergangenen Monaten zeitweise geschlossen oder waren viele Schüler in Quarantäne. Folglich blieben viele der kleinen Kunden aus. „Sie haben mir gefehlt – und vor allem ihr Lächeln, wenn sie für einen Euro eine bunt gemischte Tüte Süßes erhalten haben“, sagt Polnik.

Polnik kennt die Bestellungen ihrer Kunden

Es sind aber auch Erwachsene und Senioren aus dem Dorf, die regelmäßig zum Kiosk kommen, um dort Zeitschriften und Zigaretten zu kaufen oder sich mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs einzudecken. Denn auch die gibt es in dem Kiosk – wenn auch in kleinen Mengen. Ob Konserven, Hygieneartikel, Getränke, frisches Obst und Gemüse und sogar Tierfutter: Wer auf die Schnelle noch etwas besorgen möchte, hat bei Joanna Polnik gute Chancen, fündig zu werden. „Bei vielen Kunden weiß ich, was sie möchten.“ Ohne Bestellung lege sie dann schon die passenden Zigaretten oder Zeitschriften bereit.

Joanna Polnik ist auch in der Coronazeit für ihre Kunden da.

Natürlich hat auch Joanna Polnik die Auswirkungen der Pandemie zu spüren bekommen. Frisch belegte Brötchen gibt es aktuell bei ihr nicht, Corona ist seit Monaten das Gesprächsthema im Kiosk. Und: So manch einer traue sich aus Angst, sich anzustecken, aktuell nicht mehr aus dem Haus, sagt sie. Die 54-Jährige hat dafür Verständnis. Aber auch bei vielen von denen, die zu ihrem Kiosk kommen, sei die Verunsicherung groß. Daher ist es umso wichtiger, dass Menschen wie Joanna Polnik zuhören und ein offenes Ohr für die kleinen und großen Sorgen haben. „Das habe ich auch meinen Mitarbeiterinnen gesagt – und vor allem, dass sie freundlich bleiben sollen.“ Sie selbst sei, wie sie sagt, schon immer mit dem Herzen dabei gewesen – und nicht allein des Geldes wegen.

Die persönliche Nähe zu ihren Kunden ist aus Sicht von Joanna Polnik auch ein wesentlicher Grund dafür, dass es den Kiosk noch gibt, obwohl im September 2018 nur wenige hundert Meter entfernt der Netto-Markt an der Weetfelder Straße eröffnet hat. „Die Menschen müssen sich bei uns wohl fühlen.“

Pläne für die Zukunft: Imbiss eröffnen

Das weiß auch Isabell Abbi, die ihre Chefin bewundert: „Ich habe hautnah miterlebt, wie sehr sie zu kämpfen hat. Doch egal wie schwer momentan alles ist: Sie hat ihr gutes Herz und ihr wärmendes Wesen nie verloren.“ Sie versuche immer, den Menschen zu helfen und glaube an das Gute. „Oft genug saßen wir zusammen und haben darüber nachgegrübelt, was wir noch machen können“, so die Mitarbeiterin, die ihre Chefin als „Freundin“ bezeichnet. Und: „Ich werde immer an ihrer Seite stehen.“

Und so hofft auch Abbi, dass der Kiosk gut durch die Krise kommt. Schon jetzt hat Joanna Polnik Ideen für die Zeit danach: Möglichst bald wolle sie wieder belegte Brötchen verkaufen und einen kleinen Imbiss eröffnen, um beispielsweise Pommes, Hot Dogs oder schlesische Spezialitäten zu verkaufen.

Aber noch ist das Zukunftsmusik. „Erst einmal muss sich unser Leben wieder normalisieren“, sagt Polnik, die eine große Bitte an die Stadt hat. Und die hat nun so gar nichts mit der Corona-Pandemie zu tun: Vor ihrem Kiosk und der Bushaltestelle ist die Wiescherhöfener Straße am Fahrbahnrand derart ausgefahren, dass sich dort das Wasser sammelt. Fahren Autos durch die Pfützen, spritzt das Wasser oft mehrere Meter weit – sehr zum Leidwesen der Wartenden, der Fußgänger und der Kunden von Joanna Polnik. „Vielleicht lässt sich da was machen“, hat sie auch in dieser Frage ihre Zuversicht nicht verloren.

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