Konzernmutter verordnet Restrukturierung

Voestalpine will Arbeitsplätze in Hammer Werk streichen

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Das Werksgelände vom Voestalpine Böhler Welding liegt zwischen Hafenstraße und Bahnhof.

Hamm - In der Belegschaft des traditionsreichen Hammer Drahtziehunternehmens Voestalpine Böhler Welding Germany GmbH in der Unionstraße geht die Angst um den Erhalt der Arbeitsplätze um. Die österreichische Konzernmutter Voestalpine hat dem Werk eine Restrukturierung verordnet.

Von den aktuell 670 Arbeitsplätzen sollen etwa 140 abgebaut werden, davon 30 von Leiharbeitskräften. Das bestätigte am Dienstag Peter Felsbach, Leiter der Konzernkommunikation im österreichischen Linz, auf WA-Anfrage. „Wir sind mitten in dem Prozess und verhandeln über einen Interessenausgleich und Sozialpläne“, sagte Felsbach weiter. Hintergrund für die anstehende Umstrukturierung sei der „drastische Rückgang“ der Aufträge im Kraftwerksbau in Europa und weltweit.

Um das Tochterunternehmen wieder profitabel zu machen, habe die Konzernspitze die Abschaffung von Doppelstrukturen in den Produktionsstätten in Hamm und in Kapfenberg beschlossen. Das Werk in Hamm solle sich künftig auf die Massivdrahtfertigung und die Pulverfertigung beschränken. In Kapfenberg in Österreich sollen dafür nur noch Stabelektroden und Fülldraht gefertigt werden.

Jeder fünfte Arbeitsplatz in Hamm betroffen

Für etwa 30 bis 40 Mitarbeiter, die von der Stellenstreichung in Hamm betroffen sein werden, sehe die Geschäftsleitung die Möglichkeit, umzuschulen. Bei etwa 70 der festangestellten Arbeitskräfte werde es voraussichtlich zu Freistellungen kommen. Unterm Strich wäre jeder fünfte Arbeitsplatz in dem Hammer Werk von der Streichung betroffen. „Die Gespräche laufen gut. Mit einer Entscheidung ist in den nächsten Wochen zu rechnen“, sagte Felsbach.

Investitionen geplant

Der Unternehmenssprecher betonte, dass die Konzernspitze weiterhin langfristig an dem Produktionsstandort Hamm festhalten wolle. „Wir starten jetzt ein langfristiges Projekt“, sagte Felsbach. In den Standort Hamm werde weiterhin investiert. In Hamm werde eine neue Drahtziehanlage für rostfreie Drähte für die Automobilindustrie aufgebaut. „Dazu sind die Beschlüsse bereits gefallen.“

Für die Gewerkschaft IG Metall bestätigte der Erste Bevollmächtigte Alfons Eilers am Dienstag, dass zurzeit Gespräche mit der Geschäftsführung über den Abbau von Arbeitsplätzen am Standort Hamm geführt werden. „Uns gegenüber wurde von 120 Arbeitsplätzen gesprochen“, sagte Eilers. Es sei aber noch nicht konkret benannt worden, wieviele betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden sollen.

"Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz"

 Auch der Anteil von künftig wegfallenden Stamm- und Leiharbeitsplätzen sei noch nicht geklärt. Die angesprochene Möglichkeit von Umschulungen für einen Teil der Betroffenen müsse näher geprüft werden. „Zurzeit warten wir auf das Ergebnis einer Plausibilitätsprüfung, mit der eine externe Unternehmensberatung beauftragt wurde“, so Eilers weiter. „Für uns ist entscheidend, ob die Maßnahmen, die die Konzernleitung ergreifen will, geeignet sind, um den Betrieb wieder profitabel zu machen.“

Ein Ergebnis der Prüfung erwarte er bis Ende Oktober. Eilers wies auch darauf hin, dass gut zehn Prozent der Hammer Belegschaft älter als 60 Jahre und damit faktisch nicht kündbar sind. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Das ist unsere Devise“, sagte Eilers.

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