Mit Quiz: Würden Sie nochmal bestehen?

Jeder Dritte verpatzt in Hamm die Führerscheinprüfung

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Symbolbild

Hamm - Jeder will ihn, aber längst nicht jeder kriegt ihn. Zumindest nicht mit dem ersten Versuch. Ein Drittel aller Führerscheinprüflinge rasselt in Hamm in Theorie und Praxis durch.

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Und transpiriert wird in Hamm reichlich, wenn die Führerscheinprüfungen anstehen. „Prüfungsangst“, so lautet die Erfahrung bei der Hammer Stadtverwaltung, sei einer der Hauptfaktoren für die hohen Durchfallquoten.

4311 Mal meldeten sich hier im Jahr 2017 Fahrschüler für die theoretische Prüfung an. 1395 fielen durch, was einem Wert von 31,5 Prozent entspricht. Bei den praktischen Prüfungen waren die Zahlen noch höher: Registriert wurden 4489 Prüfungen, in welchen der Prüfer vom TÜV-Nord am Ende 1573 Mal die Rote Karte zeigte. In 35 Prozent der Fälle war die Prüfung also vorzeitig beendet.

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Zahlen für das Jahr 2018 liegen der Stadtverwaltung noch nicht vor. Es ist aber nicht davon auszugehen, dass diese gesunken sein könnten. Im Vergleich zur Region liegt Hamm seit Jahr und Tag bei den Durchfallquoten im oberen Bereich. Die rote Laterne tragen Fahrschüler aus der Stadt Dortmund.

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Bei den Hammer Fallzahlen ist zudem zu berücksichtigen, dass es sich um die Summe der absolvierten Prüfungen handelt. Wer in einem Jahr drei, vier oder fünf Versuche startet, wird in der Statistik jedes Mal neu registriert. Im Portemonnaie ist ein Durchfaller durchaus schmerzhaft zu spüren. Die Prüfgebühren liegen bei 21 Euro (Theorie) beziehungsweise 92 Euro (Praxis). Dazu stellen die Fahrschulen im Schnitt rund 50 Euro bei der Theorie und durchschnittlich 120 Euro beim praktischen Teil in Rechnung. Die Sätze variieren von Fahrschule zu Fahrschule. Etwa 50 Anbieter gibt es in der Stadt.

Qualitätsmanagement für Durchgefallene

Seit drei Jahren bemüht sich die Führerscheinstelle der Stadt Hamm um ein Qualitätsmanagement. Wer zum fünften Mal die Prüfung nicht beanstanden hat, wird von einem Mitarbeiter vorgeladen, und auch der Ausbildungsbetrieb muss sich rechtfertigen. Auflagen gegen einen Fahrschulbetrieb seien bislang nicht verhängt worden, sagt Rathaussprecher Tom Herberg. In den Fällen, wo der Kandidat dem Prüfungsstress nicht gewachsen gewesen war, werde diesem die Teilnahme an einem Kurs unter Anleitung eines Diplom-Psychologen empfohlen. Damit, so Herberg, habe man bislang gute Erfahrungen gemacht.

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Dem Fahrlehrerverband Westfalen geht das Hammer Controlling-System derweil zu weit. Lediglich im Bundesland Bremen werde vergleichbarer Aufwand betrieben, sagt Verbandssprecher Friedel Thiele. Er sieht die „lex Hamm“ als Schikane der Betriebe an.

Dass Sprachbarrieren aufgrund der steigenden Zahl ausländischer Mitbürger die Hauptursache für die seit Jahren steigenden Durchfallquoten sein sollen, wird zumindest von einem Teil der Hammer Fahrlehrer bezweifelt. Schließlich gebe es die Prüfungsbögen in verschiedenen Sprachen. Auch das Thema Prüfungsangst/Blackout sei längst nicht permanent ein großes. Zu beobachten sei aber, dass erstaunlich viele Kandidaten nicht in der Lage seien, konsequent zu lernen und bei der Stange zu bleiben.

Die Anforderungen an die Prüflinge sind dabei allerdings konsequent gewachsen. 1100 Fragen zählen heutzutage zum Fundus bei den theoretischen Prüfungen.

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