Vor 10 Jahren: Kyrill versetzt Hamm in "Ausnahmezustand"

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Die Konrad-Adenauer-Allee am Gymnasium Hammonense heute und vor zehn Jahren.

Hamm - Vor zehn Jahren - am 18. Januar 2017 - hat der Orkan Kyrill auch in Hamm für Verwüstungen und Stromausfälle gesorgt. Die Rettungskräfte fuhren 450 Einsätze; es entstanden Schäden im sechsstelligen Bereich. Wir blicken zurück.

Um 16 Uhr ist es soweit: Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann ruft als Leiter des Krisenstabs den Ausnahmezustand über Hamm aus. Alle Züge der Freiwilligen Feuerwehren werden alarmiert, der Busbetrieb wird eingestellt, eine Stunde später kommt der Zugverkehr komplett zum Erliegen. Der Hammer Bahnhof wird zum Notquartier für gestrandete Kunden. Der Orkan Kyrill trifft am 18. Januar 2007 auch die Stadt Hamm: Am Ende stehen 450 Einsätze für die Rettungskräfte und Sachschäden in Höhe von mehreren 100.000 Euro.

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Zwar hat Hamm im Vergleich mit anderen Landesteilen vor zehn Jahren relativ Glück gehabt – so gab es hier weder Schwerverletzte noch Todesopfer – doch Kyrill sorgte auch hier für Verwüstung und Versorgungsausfälle.

„Ich erinnere mich, wie wir am späten Abend und in der Nacht im Krisenstab zusammengesessen und gewartet haben, was noch alles kommt“, sagt Hunsteger-Petermann im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch während die Einsatzleitung in der Feuerwehr bis 22 Uhr knapp 400 Einsätze zählte, kamen in der Nacht „nur“ noch rund 50 hinzu. „Es kam in der Nacht nicht mehr so schlimm wie ursprünglich angekündigt“, erinnert sich Hunsteger-Petermann. Tagsüber war es dafür umso heftiger gewesen.

Orkan Kyrill vor 10 Jahren in Hamm

Orkan Kyrill vor 10 Jahren in Hamm

Oberbürgermeister empfiehlt schulfrei

Noch bevor er da ist, ist Kyrill zu spüren. Hunsteger-Petermann empfiehlt den weiterführen Schulen am Vormittag angesichts

Baumarbeiten nach Kyrill auf der Römerstraße 2007.

der ab Mittag erwarteten orkanartigen Sturmböen, ab der vierten Stunde unterrichtsfrei zu geben. Grundschulkinder, die nicht abgeholt werden können, werden weiter in der Schule betreut. „Das war völlig richtig, man stelle sich vor, ein Ast oder ein Baum wäre auf ein Kind gefallen“, sagt Hunsteger-Petermann. Im Krisenfall liegt die Entscheidung über die Schulzeiten beim Oberbürgermeister. Der erste Baum fällt dann gegen 12 Uhr: Auf der Fischerstraße in Berge trifft es ein Auto, der Fahrer bleibt unverletzt. Es folgen noch viele Bäume mehr und auch Autos werden beschädigt oder ganz zerstört. Doch zum Glück wird niemand dabei verletzt.

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Sachschäden gibt es aber reichlich. So deckt der Orkan das Dach des Friedrich-List-Berufskolleg am Vorheider Weg ab, der teuerste Kyrill-Schaden für die Stadt. Das Allee-Center und weitere Geschäfte in der Innenstadt schließen bereits gegen 17.30 Uhr. In der Fußgängerzone sind rund um die Pauluskirche reichlich Dachpfannen von den Häusern

"Gestrandete" Reisende werden 2007 im Hammer Bahnhof versorgt.

gefallen. Die Pauluskirche selbst ist stark betroffen. 30 Prozent des Daches werden durch Kyrill abgedeckt, es regnet in die Kirche rein. Natürlich sind auch viele normale Bürger betroffen. Am nächsten Tag zählt die Dachdecker-Innung bereits bis zum Mittag mehr als 200 gemeldete Sturmschäden.

Bahnhof Hamm für viele Reisende Endstation

Wegen Kyrill wird der Bahnhof Hamm für viele Bahnfahrer zur Endstation, das Deutsche Rote Kreuz richtet für alle, die nicht mit dem Auto weiterkommen oder in einem Hotel übernachten, eine Versorgungsstation in der Sporthalle des Elisabeth-Lüders-Berufskolleg ein. Für DRK-Einsatzleiter Frank Tholen und die vielen anderen Helfer und Rettungskräfte bleibt der 18. Januar 2007 nicht nur als ein sehr stürmischer, sondern auch als ein sehr langer Tag gefolgt von einer kurzen Nacht in Erinnerung.

„In der Rückschau kann man sagen, dass Hamm Glück hatte – mal wieder“, meint Hunsteger-Petermann. Er will die vielen Schäden damit gar nicht kleinreden, sondern verweist auf Kommunen, die von der Naturgewalt noch viel heftiger betroffen waren als Hamm – wie zuvor auch beim Hochwasser in Ahlen 2001 oder beim Schneechaos im Münsterland 2005.

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