Haustier "Sokrates" kam 1959 nach Werries

Herbert Gensemeyer: 60 Jahre Seite an Seite mit einer Schildkröte

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Herbert Gensemeyer und seine Schildkröten.

Werries – Herbert Gensemeyer ist ein agiler Pensionär mit besonders treuen Mitbewohnern: Der 64-jährige frühere Feuerwehrmann kann in diesem Jahr sogar ein besonderes, rundes Miteinander feiern.

Im zarten Alter von vier Jahren bekam der kleine Herbert die Erlaubnis, sich in einem Zoofachhandel ein Haustier auszusuchen. Jetzt feierte Gensemeyer mit seinem ersten Haustier, der Schildkröte „Sokrates“, das 60-jährige Miteinander. „Dabei war Sokrates schon kein Jungtier mehr, als ich ihn bekam“, sagt Gensemeyer. Inzwischen ist sein gepanzerter Freund rund 130 Jahre alt.

Ein Jahr nach Sokrates folgte mit „Esmeralda“ die zweite Schildkröte für den kleinen Herbert. Zu diesen beiden Tieren gesellten sich in der Zwischenzeit noch drei weitere Panzerträger. „Es ist bei uns so gewesen, dass sich später meine Mutter um die Tiere kümmerte“, sagt der Schildkrötenhalter. Gensemeyer wuchs heran, lernte den Beruf des Elektrikers, wurde Zeitsoldat bei der Marine, machte seine Meisterprüfung und arbeitete später bei der Berufsfeuerwehr. „Da war es schön zu wissen, dass sich meine Mutter um die Tiere kümmerte“, so Gensemeyer.

"Schildkröten gehören nicht hier hin"

Die Fachkunde der Mutter sprach sich herum. So wurde die Frau auch immer wieder gebeten, Fundtiere aufzunehmen. „Für Sokrates musste ich vier Mark und für Esmeralda sechs Mark bezahlen“, sagt Gensemeyer. Die anderen kamen umsonst, teilweise in letzter Minute: „Unser Polar-Turtle wurde im Februar von einem Landwirt gefunden“, sagt Gensemeyer. Ob das Tier ausgebüxt ist oder ausgesetzt wurde, haben wir nie herausgefunden, erklärt der Halter. Bei der kalten Witterung im Februar hätte die Schildkröte auch schnell umkommen können, berichtet Gensemeyer.

Sokrates ist seit 60 Jahren bei Gensemeyer.

Das sei auch der Grund, warum Gensemeyer die Haltung von Schildkröten inzwischen auch kritisch sieht. „Zum einen kommen die Tiere halt aus völlig anderen Klimazonen und gehören hier nicht hin“, sagt der Fachmann. Zum anderen sei die enorme Lebenserwartung bei korrekter Haltung etwas, was auch ihn umtreibe: „Ich frage mich schon immer wieder, was mit den Tieren geschieht, wenn mir etwas passiert“, erklärt der Halter. Er selbst hatte die Tiere nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1999 wieder vollständig übernommen.

Vorliebe für Bananen

Wie gut es den Tieren bei ihm geht, sieht man, wenn man mit dem Pensionär in den Garten geht: Ein großes Häuschen ist das feste Zuhause der Tiere und zwei abgeteilte Rasenflächen bieten genügend Auslauf. Im Grunde seien Schildkröten sehr bescheiden, erzählt Gensemeyer. Salat, Tomaten, Kohlrabi und besonders junger Löwenzahn seien bei den genügsamen Tieren beliebt. „Der Löwenzahn sollte aber jung und sauber sein“, erklärt der Pensionär. Zu alte Pflanzen, oder direkt am Straßenrand gepflückte, würden die Tiere verschmähen.

Eine Besonderheit stellt auch Esmeraldas Vorliebe für Bananen dar: „Die lässt sich sogar aus der Hand füttern. Dann sage ich immer: sie steht kurz vor dem Sprechen“, sagt Gensemeyer mit einem verschmitzten Lächeln.

Guter Zustand bestätigt

Wovor die Tiere unbedingt geschützt werden müssen, ist Zugluft. Deshalb werden die Tiere, wenn sie im Februar den Winterschlaf beenden, erst in einem Pappkarton in der Wohnung aufbewahrt. Wenn sie dann agiler werden, geht es in einem Eimer erstmals wieder raus. Dort bietet ihnen Gensemeyer etwas Salat an und wenn sie sich dann wieder wohl fühlen, dann dösen sie gerne in der Sonne.

Sonst seien die Tiere recht einfach zu halten. Er schrubbe die Panzer gelegentlich ab und reibe sie anschließend mit Babyöl ein. Als er seine Schildkröten in einem Zoo hat chippen lassen, wurde ihm noch der gute Zustand bestätigt.

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