Vor Ort-Drama aus Hammer Sicht entschärft

Jäschke-Hilfe für Ahrweiler: Diese Sachen werden aktuell benötigt

So voll war das Lager in Ahrweiler zwischenzeitlich.
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So voll war das Lager in Ahrweiler zwischenzeitlich. Spenden aus Hamm sind inzwischen nicht mehr dort.

[Update] Für große Aufregung sorgt bis nach Hamm und noch darüber hinaus die Zwangsräumung eines Lagers mit Hilfswaren für die Hochwassser-Opfer in Ahrweiler. Immerhin gibt‘s für die Hammer inzwischen gute Nachrichten.

Ahrweiler/Hamm/Remagen - Die Schule, zu der auch der Logistiker Jäschke mit sechs großen Lkw Spenden aus Hamm gebracht hatte, soll bis Dienstag geräumt werden, um eine lange schon terminierte Sanierung zu ermöglichen. Alles, was nicht zeitnah weggebracht wird, solle vernichtet werden, hieß es am Wochenende aus dem Rathaus in Ahrweiler. Immerhin: Am Montagmorgen vermeldete Ulf Ronneburger aus dem Koordinationsteam vor Ort, dass zumindest die Güter aus Hamm nicht mehr am besagten Lagerort seien. Sie wurden zwischenzeitlich ins nahe gelegene Remagen gebracht.

Für Frank Jäschke sind die neuesten Nachrichten aus Ahrweiler „absolut beruhigend“. Er versichert, dass die Hammer, die ihm ihre Spenden anvertraut hätten, darum „keine Angst“ haben müssten. Nach und nach würden seine Fahrzeuge weitere Hilfsgüter in die Krisenregionen Ahrweiler und Bliesheim bringen. Auch ein Bauunternehmer aus Werl sei inzwischen im Team. „Wir haben den direkten Draht zu vielen Verantwortungsträgern vor Ort und bringen die Sachen direkt in die Dörfer, wo sie benötigt werden“, sagt Jäschke. Auch eine Spende von mehr als 200 40-Liter-Kühlschränken finde Verwendung: 24 wurden bereits nach Bliesheim geliefert; und sobald es in bestimmten Bereichen Ahrweilers wieder Strom gebe, soll dort die nächste Lieferung hin gehen.

Obwohl sich Jäschke aktuell einige Tage Urlaub gönnt und er es eigentlich „etwas ruhiger“ angehen lassen will, können Spendenwillige weiterhin zur Firma an der Hafenstraße kommen. Benötigt würden derzeit vor allem Wasser und Lebensmittel sowie Arbeitsmaterial wie Schaufeln, Besen oder Wischmobs. Kleidung sei indes „mehr als genug“ vorhanden.

Hilfe für Ahrweiler aus Hamm: Grundproblem noch nicht gelöst

Am Grundproblem in Ahrweiler hatte sich bis Montagmittag allerdings noch nichts geändert. Ronneberger zufolge kam aus der lokalen Politik kein Entspannungssignal. „Insofern gehen wir davon aus, dass die Räumung so umgesetzt wird wie angekündigt“ - und das auch gegen den erklärten Willen der Anwohner. Über die Hilfsgüter hinaus waren in der Schule zuletzt auch 150 Helfer untergebracht.

Bis auf Weiteres versuche man die eingelagerten Spenden - sinnvoll zusammengestellt von Grundausstattung bis zu medizinischen Dingen - in die umliegenden Orte zu verteilen. Denn vielerorts wie in Kreuzberg gebe es nach wie vor „große Schwierigkeiten mit der Versorgung“, so Ronneberger.

Hilfe für Ahrweiler aus Hamm: Lob für Spendenbereitschaft

Ronneberger zeigte sich wiederholt beeindruckt von der Hilfsbereitschaft besonders aus Hamm: „Hamm hat unfassbar viel gespendet“, sagt er. Für ihn steht immerhin fest: Weggeworfen wird nichts. Eine Firma aus der Nähe von Meckenheim habe zwei Lagerhallen zur Verfügung gestellt. Sie liegt allerdings rund 20 Kilometer entfernt. Dorthin sollen die Hilfsgüter erst gebracht werden, wenn sie wirklich aus der Turnhalle verschwinden müssen. Auch das THW habe sich für den Standort ausgesprochen, weil dort unter andere einem Krankenstation mit Ärzten eingerichtet sei. Das sei momentan unverzichtbar, so Ronneberger.

Für die Versorgung der Bevölkerung ist die Nähe besonders wichtig. „Wir haben nicht nur Nahrung, Wasser und Brauchwasser, sondern auch Räumfahrzeuge und anderes Gerät. Das kann die Bevölkerung direkt bei uns abholen.“ Ronneberger schildert den Fall eines Rentners der eine Woche lang alleine versucht habe, das Wasser aus seinem Keller mit Eimern herauszuholen. Er sei völlig erschöpft angekommen. „Wir haben direkt 20 Mann mit einer Pumpe losgeschickt“, berichtet er.

Hilfe für Ahrweiler aus Hamm: Jäschke als erster vor Ort

Die Pumpen, hunderte von Kühlschränken zum Lagern von Insulin und Blutplasma und viele andere Hilfsgüter aus Hamm hatte Spediteur Jäschke an die Ahr gebracht. Er war als Erster mit Lkw-Ladungen an Hilfsgütern im Katastrophengebiet angekommen. Das hob Ronneberger im Gespräch mit dem WA noch einmal lobend hervor.

Unter den Hilfsgütern hätten sich auch große Wassertanks (IBC-Tanks) befunden, durch die die gesamte Seite rechts der Ahr mit Frischwasser versorgt worden sei. „Leute mussten sich keine Sorgen mehr um Frischwasser machen. Dieser Aufwand kann von keiner öffentlichen Stelle abgedeckt werden, dafür sind die zu träge. Und wir können durch unserer Möglichkeiten sehr schnell reagieren“, sagt Ronneberger.

Hilfe für Ahrweiler aus Hamm: Mit Camp wird Politik gemacht

Auch in diesem Zusammenhang lobt er noch einmal die Hammer Bevölkerung und Spediteur Jäschke. Sehr schnell habe er sagen können, was sich gerade ändert und worauf der Fokus aktuell liege und von der Unterstützung mit Lebensmitteln auf Arbeitsmittel umschwenken können. „Das war unfassbar gut“, so Ronneberger. „Jetzt hoffen wir auf den Rückhalt der Bevölkerung.“

Ronneberger beklagt, dass mit dem Camp inzwischen auch Politik gemacht werde. Dadurch werde die Akzeptanz dafür zerstört. Es habe zu Anfang drei Leute aus der Querdenker-Szene gegeben doch die habe man aus dem Camp hinausgeworfen. „Es geht nur um Menschen für Menschen. Wer sich politisch äußert, wird entfernt“, macht er deutlich.

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