Fütterverbot verhängt

Nutrias: Buddelnde Pelzträger machen sich in Hamm breit

Immer mehr Nutrias werden in Hamm gesichtet. Sie machen sich vor allem an den Gewässern breit. Die Stadt reagiert.

Hamm – Manche sehen in ihnen putzige Pelzträger, andere fühlen sich aufgrund ihres Äußeren an eher unliebsame Nager erinnert. Nutrias sind in Hamm inzwischen in und an vielen Gewässern heimisch, unter anderem im Kurpark und am Nordring. Aber sind es nicht langsam zu viele Tiere, die sich hier tummeln?

TierNutria
SpitznameBiberratte
OrdnungNagetier
HerkunftSüdamerika

Nutrias in Hamm: Reichlich Nachwuchs in kurzen Abständen

Sie höhlen die Böschungen an den Gewässern aus, halten das Grün ringsum kurz und „produzieren“ in kurzen Abständen reichlich Nachwuchs. Was bedeutet das für den Lebensraum, in dem sich Nutrias bewegen und auch für andere Tierarten, mit denen sie sich ihr Areal teilen?

Nach Einschätzung des Umweltamtes der Stadt Hamm stellen Nutrias grundsätzlich keine Gefahr für andere Arten dar. „Sie gehen nicht an Gelege von Wasservögeln und bedrohen – laut gängiger Lehrmeinung – auch nicht den Fischbestand“, heißt es in einer Stellungnahme. Weniger gut kommen bei der Stadt die Tunnel an, mit denen Nutrias das Gelände unterhöhlen.

Hohe Population: Fütterverbot verhängt

Aktuell vergnügt sich zum Beispiel in den Nordring-Anlagen ein ganzer Kindergarten von Sumpfbibern oder Biberratten, wie die Tiere auch genannt werden. Bejagen, um die Population gering zu halten, darf man sie allerdings nicht. Stattdessen setzt die Stadt in den Parks auf konsequentes Fütterverbote und Aufklärung der Bürger: „Die Fütterung durch den Menschen führt dazu, dass Nutrias sich vor Ort vermehren und zutraulicher werden“, heißt es.

Auch ein Einfangen und Aussetzen an anderer Stelle wäre laut Stadt nicht zielführend, da das Problem auf diese Weise nur verlagert werde. Natürliche Feinde haben ausgewachsene Nutrias praktisch keine.

Seit 2016 auf der Liste der „invasiven Arten“

Nutrias sind seit 2016 durch die Europäische Union auf der Liste der „invasiven Arten“ geführt, das heißt jener Arten, die eigentlich gebietsfremd sind, sich ausbreiten und dadurch die biologische Vielfalt, andere Tier- und Pflanzenarten und so auch die heimischen Ökosysteme gefährden.

Ob es Konkurrenzen zu Arten wie beispielsweise dem Biber gibt, ist laut Bundesamt für Umweltschutz nicht bekannt. Unbestritten sei aber, dass die Fraßtätigkeit von Nutrias die Unterwasser- und Ufervegetation schädige und verstärktes Vorkommen zum Rückgang gefährdeter und geschützter Pflanzen führe.

Tierpark züchtet nicht mehr

Per EU-Verordnung ist die private Haltung geregelt, und dies betrifft beispielsweise auch Zoos und Tierparks. Sie dürfen ihre Bestände nicht mehr erweitern. Das gilt auch für den Tierpark Hamm. Dieser zeigt zwar seit geraumer Zeit auch Nutrias, will die Art laut Geschäftsführer Sven Eiber aber auf natürliche Art, das heißt mit dem Ableben der Tiere nach und nach auslaufen lassen. „Der Restbestand soll noch gezeigt werden“, so Eiber, „aber vermehren wollen wir die Tiere nicht mehr.“ Die Vermehrung wird künstlich unterbunden.

Nutrias vermehren sich schnell und machen sich an Hammer Gewässern breit. Hier ein Exemplar im Nordring.

Ein Handel mit allen über 60 Arten der sogenannten „Unionsliste“ und das Aussetzen der Arten in Deutschland ist verboten. Dazu gehören beispielsweise auch Waschbär, südamerikanischer Nasenbär, Bisamratte und Nilgans.

Hintergrund: Nutrias waren in Deutschland Pelzlieferanten, auch als Robbenfellersatz. Sie stammen ursprünglich aus Südamerika und sind hierzulande seit dem 18. Jahrhundert heimisch. Sie sind aus Zuchtbetrieben entkommen oder ausgewildert worden.

Bestand seit 2006 wohl verdoppelt

Die Vermehrung geht rasant: Nach einer Tragzeit von 19 Wochen bringt das Weibchen sechs bis acht Junge zur Welt, die selbst nach fünf Monaten geschlechtsreif sind. Zwei bis drei Würfe pro Jahr sind möglich. Man geht davon aus, dass sich der Nutria-Bestand in Deutschland seit 2006 verdoppelt hat.

Als Bauten dienen selbstgegrabene Erdbaue im Uferbereich oder „Nester“ aus langblättrigen Pflanzen, deren Eingänge oberhalb der Wasserlinie liegen.

Nutrias können über zehn Jahre alt werden und damit deutlich älter als Bisamratten, mit denen sie häufig verwechselt werden. Wegen der Eiseneinlagerung haben ihre Zähne eine rötliche Färbung.

In Nachbarkreis Soest dürfen Nutrias nun erschossen werden*. Für die Tötung der Nagetiere gibt es sogar eine Jagd-Prämie. Dort kam es sogar zu einem Vorfall, bei dem eine Nutria einen Hund angegriffen und getötet* haben soll. - *soester-anzeiger.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Andreas Rother

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