Sind Gaffer auch in Hamm ein Problem?

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Hamm - Immer wieder behindern Schaulustige die Rettungseinsätze von Feuerwehr, Polizei und Notärzten. In Hagen starb letztes Jahr ein Kind, weil die Rettungskräfte nicht rechtzeitig durch die Menschenmenge zum Unfallort kommen konnten.

Nun verstärkt das Youtube-Video einer Dortmunder Filmproduktion mit einer nachgestellten Szene die Diskussion über die sogenannten Gaffer. 

Inwieweit diese auch in Hamm Rettungsarbeiten stören und wie gegen Schaulustige vorgegangen wird, erklärt Wolfgang Rumpf, Sachgebietsleiter der Einsatzplanung der Feuerwehr Hamm.

Sind Gaffer ein Problem, das auch Hamm betrifft? 

Wolfgang Rumpf ist Sachgebietsleiter der Einsatzplanung bei der Feuerwehr Hamm

Wolfgang Rumpf: Es gibt Fälle von Gaffern in Hamm nicht unbedingt häufig. Allerdings ist dies sehr situations- und ortsabhängig. Gibt es etwa am Wochenende einen Unfall auf der Südstraße um 2 Uhr nachts, gibt es dort viele, oft auch alkoholisierte Schaulustige. Solche Fälle wie in Hagen hatten wir in Hamm noch nie. In Hagen filmten Gaffer die Einsatzkräfte und behinderten die Rettungsarbeiten so stark, dass die Kräfte nicht zum schwer verletzten Kind durchdringen konnten und das Mädchen später starb. Regelmäßig haben wir jedoch, dass etwa bei Wohnungsbränden die Nachbarn auf den Balkonen nebenan filmen oder dass Lkw-Fahrer bei Unfällen auf der Autobahn auf der gegenüberliegenden Spur langsamer fahren und mit dem Handy den Einsatz aufnehmen. 

Verursachten diese Fälle Probleme bei Ihrer Arbeit? 

Rumpf: Es kommt darauf an, wie massiv die Störung ist. Wenn die Wagen auf der gegenüberliegenden Autobahnseite langsamer werden oder anhalten, stört das unseren Einsatz nicht direkt, es erhöht jedoch die Gefahr, dass es auf der anderen Seite zu Unfällen kommt. Wir werden oft auch angepöbelt, vor allem bei patientenorientierten Rettungen. 

Dort gehen wir sehr behutsam vor und schneiden etwa den Unfallwagen sehr langsam auf, um die betroffene Person nicht weiter zu verletzen. Den Pöblern arbeiten wir dann nicht schnell genug. Direkte Behinderungen sind allerdings sehr, sehr selten. 

Welche Möglichkeiten haben Sie, gegen Gaffer vorzugehen? 

Rumpf: Der Paragraf 43 des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz ermöglicht uns, die Grundrechte der Menschen, wie etwa die Freiheit der Person, einschränken. Jede Einsatzkraft hat so die Möglichkeit, die Schaulustigen wegzuschicken und einen Platzverweis zu erteilen. 

Sofern die Durchsetzung eines Platzverweises durch Ingewahrsamnahme erforderlich ist, muss dies durch die Polizei erfolgen. Einsätze wie in Hagen haben gezeigt, dass große Schwierigkeiten durch Gaffer entstehen können. Viele Feuerwehren haben deswegen faltbare Sichtschutzwände, um Fotos von geretteten Personen unmöglich zu machen. Wir überlegen, diese auch zu beschaffen.

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