Uentroper Bezirksvorsteher im Interview

Urgestein Björn Pförtzsch will's nochmal wissen - "Kluge Konzepte"

Der dienstälteste Bezirksvorsteher: Björn Pförtzsch will es bei den Kommunalwahlen im September noch einmal wissen und tritt erneut als Spitzenkandidat für den Posten des Bezirksvorstehers in Uentrop an.
+
Der dienstälteste Bezirksvorsteher: Björn Pförtzsch will es bei den Kommunalwahlen im September noch einmal wissen und tritt erneut als Spitzenkandidat für den Posten des Bezirksvorstehers in Uentrop an.

Mit Hamm als Großstadt begann im Jahr 1975 die Geschichte des Stadtbezirks Uentrop. Ein Großteil dieser Zeit von damals bis heute hat Björn Pförtzsch aktiv begleitet und mitgestaltet.

Uentrop – Seit 1999 ist der Christdemokrat Bezirksvorsteher und damit so lange wie kein anderer seiner fünf Amtsvorgänger. Und Pförtzsch will weitermachen. Die CDU hat ihn zum Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl im September bestimmt. WA-Redakteur Torsten Haarmann sprach mit dem 71-Jährigen über seine erneute Kandidatur, seine Motivation und die Ziele für die kommenden fünf Jahre.

Weitermachen oder politischer Ruhestand? Vor einem Jahr nannten Sie die Antwort darauf noch „schwierig“. Was hat sie mittlerweile leicht gemacht?

Wir, meine Frau Monika und ich, haben immer gesagt, wenn wir weitermachen, dann nur zusammen. Es wäre nur schlecht miteinander vereinbar, wenn sich einer politisch engagiert und der andere steht daneben. Zusammen politisch aktiv zu sein, harmoniert bei uns sehr gut. Wir haben die Entscheidung, weiterzumachen, aber nicht voreilig treffen wollen. Wir wollten sicher sein, dass wir gesundheitlich okay sind und weiterhin den Gestaltungswillen in uns spüren!

Monika-Schnieders-Pförtzsch für den Rat (Wahlbezirk 7 Hamm-Osten) und Björn Pförtzsch für die Bezirkvertretung. Eine Kandidatur im Doppelpack?

Das kann man so sagen, aber kein Doppelmandat, jeder hat seine Aufgaben. Wir haben viele Veranstaltungen, die wir gemeinsam besuchen. Aber einen Familienklüngel gibt es nicht. Dagegen ergänzen wir uns sehr gut. Durch ihre Ratsarbeit, ihren Schwerpunkt Kultur, Stadtentwicklung und als Abgeordnete des Parlaments des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe hat meine Frau spannende Themen. Die kann sie auch stark in den Bezirk einbringen. Sie nimmt an den Sitzungen der CDU-Bezirksfraktion und der Bezirksvertretung teil.

Da ich Sprecher der Hammer CDU-Bezirke bin, gehöre ich dem Fraktionsvorstand der CDU im Rat an. Bildlich gesprochen funktioniert unsere gemeinsame politische Arbeit wie ein Getriebe. Wie Zahnräder greifen wir ineinander und treiben an. So liefern wir zusammen eine noch größere Bandbreite an Informationen und an Möglichkeiten, um politisch Einfluss zu nehmen.

Um beim Bild zu bleiben: Zahnräder nutzen sich ab. Sie sind im Juli 71 Jahre alt geworden. Was ist mit dem Verschleiß?

Ich fühle mich fit, meine Frau ebenso. Wir glauben, immer noch dynamisch zu sein, und brennen für dieses Ehrenamt. Das sind für uns die ausschlaggebenden Voraussetzungen, um weiterzumachen. Für mich kann ich sagen, es ist schön, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen, eine so breit aufgestellte Vereinslandschaft wie in Uentrop miterleben zu dürfen. Ich habe Spaß an der Politik, etwas zusammen mit den Bürger zu gestalten, auch wenn es mal etwas länger dauert und Geduld erfordert.

Was kann oder darf ein Bezirksvorsteher gestalten?

Die Entscheidungen und Richtungsbestimmungen fallen in Gremien. Dennoch habe ich eine große Bandbreite an Möglichkeiten, mich persönlich und als Bezirksvorsteher einzubringen. Ich kann Themen anstoßen, gemeinsam mit den Bürgern, wie den Outdoor-Fitnessparcours am Kurpark. Schon vor etwa sechs Jahren machte ich den Vorschlag, durch Fitnessgeräte die Themen Bad Hamm und Gesundheit aufzugreifen. Jetzt entsteht hier zusammen mit der Stadt Hamm und dem Verein Physio Point etwas, wofür ich mich jahrelang eingesetzt habe. Das freut mich sehr. Größere Projekte werden zwar außerhalb der Bezirksarbeit bestimmt, aber als Mitglied des Aufsichtsrats kann ich zum Beispiel meine Beiträge zur Weiterentwicklung des Parks liefern.

Es gibt auch kleine Angelegenheiten, die ich nur weiterleiten kann: Ich bin in diesen Tagen von einem Bürger wegen eines Befalls durch Eichenprozessionsspinner angerufen worden, weil er bei der Stadt nicht durchkam. Ich bin manchmal für die Menschen die letzte Hoffnung. Für sie muss der Bezirksvorsteher irgendwie helfen können. Über meine Kontakte kann ich das auch oft. Zum Beispiel in einem Fall, als ein Straßenschild am Elberskamp fehlte. Das Problem ließ sich schnell lösen, andere Probleme kann ich nur erst einmal mitnehmen, auch in die Gremien, wie der Wunsch eines Bürgers, Tempo 30 im Bereich der neuen Wohnanlage am Alten Uentroper Weg einzuführen. Viele Themen bespreche ich mit der Stadtverwaltung. Wir schauen, was machbar ist, wo Probleme auftauchen, wie sie im Vorfeld gelöst werden könnten und was politisch vertretbar sein könnte. Ich darf feststellen, dass die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung hervorragend läuft.

Und wie urteilen Sie über die Arbeit in der Bezirksvertretung, auch angesichts der CDU-Mehrheit?

Meiner Ansicht nach läuft es bei uns im Stadtbezirk Uentrop vorbildlich. Wir haben untereinander, parteiübergreifend ein gutes Verhältnis. Wir haben zwar die eine oder andere kontroverse Diskussion, wie über einen Radweg zwischen Werries und Uentroper Dorf. Auf der anderen Seite sehen die Forderer ein, dass ein dafür erforderlicher Grunderwerb kaum möglich ist. Das ist ein Beispiel, dass bei uns Themen ausdiskutiert und wir sachlich bleiben. Ich finde, in unserem Stadtbezirk haben wir eine gute Atmosphäre. Das ist auch ein Grund, warum es mir Spaß macht, mit den politischen Parteien im Sinne der Bürger weitermachen zu wollen. Das ist unsere Aufgabe. Die Bürger wollen nicht sehen, wie wir uns streiten.

Aber gehört das nicht zur politischen Auseinandersetzung?

Für mich nur bedingt. Die einen sagen, das ist rot, die anderen, das ist blau und gehen dann aufeinander los. So kommen wir nicht weiter. Das darf meiner Meinung nach nicht Politik sein. Der Bezirksvorsteher hat ausgleichende Funktion und ist oft überparteilich tätig.

Was macht Politik aus?

Politik ist die Arbeit mit Kompromissen. Der eine gibt mal etwas mehr, der andere mal etwas weniger. Es muss heißen: Wir, alle Parteien zusammen, wollen etwas erreichen, und das können wir gemeinsam. Vielleicht sogar nur gemeinsam. Ich finde, das funktioniert bei uns im Stadtbezirk gut. So kommen Impulse auch von der Opposition, die wir selbstverständlich aufgreifen.

… wie das von der SPD eingeführte Leitthema „Neue Mitte Uentrop“?

Ja, aber wir haben unterschiedliche Perspektiven. Die unterscheiden uns von der SPD: Es gibt für uns, für die CDU, keine „neue“ Mitte. Denn Werries ist bereits das Zentrum des Stadtbezirks Uentrop. Das ist es schon seit langem und ist nicht neu. Deshalb haben wir einer Namensänderung in Neue Mitte Uentrop nicht zugestimmt.

Wie soll es mit dem Konzept Werries weitergehen?

Das Ziel für die kommenden fünf Jahre ist, dass wir intensiv an der grünen Verbindungsachse arbeiten. Dazu gehört die Neugestaltung der Zuwegung des Maxiparks. Ein weiterer Schritt ist die Verbesserung der Parkplatzsituation im Bereich der Ostwennemarstraße und die Weitergestaltung des Zentrums Werries. Vielleicht wäre ein Parkhaus auf dem freien Feld neben der Eishalle ein Lösungsansatz. Wichtig, es darf kein Parkplatz wegfallen. Hier müssen kluge Konzepte erstellt werden.

Welche Schwerpunktthemen im Bezirk sehen Sie noch für die kommenden fünf Jahre?

Die geplanten neuen, sieben Baugebiete sind ein Pfund und jetzt schon stark nachgefragt. Dazu passend, bekommen wir eine zentral gelegene, vierzügige Kita. Ein weiterer Punkt wird die neue Feuerwache Uentrop. Wir warten dazu den Feuerwehrentwicklungsplan ab. Denn die Feuerwehr gewichtet anders als die Politik. Beide Seiten müssen zusammenpassen. Problematischer sind die Lippebrücken in Uentrop und Haaren. Für die Uentroper Brücken ist das Land zuständig. Die Planung übernimmt die Stadt, aber wir müssen nachhaken, denn in der Sache fehlt der Schwung.

Es darf nicht passieren, dass sie auf einmal gesperrt werden müssen und das Gewerbegebiet ohne die existenziell wichtige Verbindung zur Autobahn ist. Schon die Bauzeit der Brücken wird schwierig werden, denn wir brauchen Umleitungen. Die gibt es eigentlich nicht. Eine Alternative, die ich sehe, wäre eine Autobahnanschlussstelle zwischen Uentrop und Rhynern. Sie könnte, muss aber nicht, nur provisorisch angelegt werden. Eine eigene Abfahrt ins Gewerbegebiet würde Umwege und Irrfahrten verhindern und verringern. Das sind sicherlich Überlegungen, die in der kommenden Legislaturperiode eine Rolle spielen.

Was glauben Sie, was sich davon in den kommenden Monaten umsetzen lässt?

Ich habe nachgesehen, was wir in den vergangenen sechs Jahren von dem, was wir angekündigt hatten, erreicht haben. Ich kam auf rund 80 Prozent. Das ist gut, finde ich. Ich sehe uns bestens vorbereitet, unsere Ziele erneut zu erreichen.

Zur Person

Björn Pförtzsch ist der fünfte Bezirksvorsteher Uentrops. Seit 1999 in dieser Funktion aktiv, hat er die meisten Amtsjahre vorzuweisen. Gebürtig ist er aus Hannover. Als Lehrer kam er 1975 nach Hamm. Am Eduard-Spranger-Berufskolleg machte der Diplom-Ingenieur sein Referendariat und blieb als Studiendirektor dort bis zum Ruhestand mit 65 Jahren.

Seit 1975 ist er Mitglied der CDU. Er war in den Folgejahren unter anderem Bezirksvertreter in Uentrop, Bürgervertreter im Ausschuss, Ratsherr und rund 20 Jahre Vorsitzender der Ortsunion Osten. Mit seiner Frau Monika Schnieders-Pförtzsch lebt der 71-Jährige auf der Grenze Braam-Ostwennemar/Mark. Beide haben jeweils zwei Kinder und Enkelkinder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare