Erkul zum Trikot-Skandal: „Gedankenlos posiert“

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 Hamm -  Die Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan haben den umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan getroffen, ihm Trikots ihrer Vereine  übergeben und sich damit scharfe Kritik eingehandelt. Die Aktion stößt auch bei dem Vorsitzenden des Hammer Integrationsrates und Sprecher der Ditib-Gemeinden, Ismail Erkul, auf wenig Verständnis.

„Das war gedankenlos“, erklärt er auf WA-Nachfrage. Es sei nicht das erste Mal, dass die beiden Fußballer den türkischen Präsidenten getroffen hätten. „Bilder von einem Treffen kursierten schon vor einem Jahr“, so Erkul. Damals habe sich niemand aufgeregt.

So kurz vor der Wahl entstehe aber der Eindruck der Wahlkampfhilfe. Erkul: „Das war nicht klug.“ Seiner Ansicht nach hätten sich die beiden Fußballer – wenn sie mit dem türkischen Staatspräsidenten posieren – auch mit Oppositionspolitikern treffen sollen. Wahrscheinlich haben sich die beiden Fußballer wenig dabei gedacht, meint Erkul. Er spricht selber sein gedankenloses „Like“ an, dass er zu Beginn des Jahres auf einen Facebookpost abgegeben hatte. Damals hatte die Selimiye Moschee in Bockum-Hövel für den Sieg der türkischen Armee in dem Krieg gegen die kurdische Miliz in der syrischen Region Afrin gebetet. Erkul hatte ein „Gefällt mir“ gedrückt und damit ein politisches Beben ausgelöst. Er musste sich entschuldigen und von dem Post distanzieren.

 „Ich weiß, wie gedankenlos man in eine Krise schlittern kann“, so Erkul auf Nachfrage unserer Redaktion. Doch das dürfe nicht alles entschuldigen. Als bekannter Fußballspieler müsse man sich seiner Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst sein. Was er denn von der Anrede „mein Präsident“ halte, die auf das Trikot geschrieben wurde? Das, so Erkul, sei im türkischen Sprachgebrauch eine normale Anrede und dürfe nicht überbewertet werden. 

In den Moscheevereinen sei das Thema seit Bekanntwerden nur am Rande diskutiert worden. „Einige Mitglieder, die dem Präsidenten Erdogan nahe stehen, finden das Foto und das Zusammentreffen sehr gut, andere distanzieren sich“, so Erkul. Ein großes Thema sei das aber nicht gewesen. Auch in den Sozialen Medien habe nach Erkuls Beobachtung das Treffen zwischen Gündogan, Özil und Erdogan keine hohen Wellen geschlagen.

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