Smartphone-App soll's möglich machen

Initiative "Too Good To Go" will in Hamm Lebensmittel retten

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„Emptings Backstube“ gehört in Hamm zu den ersten Läden, die bei „Too Good To Go“ mitmachen.

Hamm - Ein Drittel aller Lebensmittel landet in Deutschland im Müll. Drei Hammer Unternehmen haben sich einer Initiative angeschlossen, die diese Zahl senken will.

Von Lilly Bittner

„Too Good To Go“ (TGTG) heißt diese Initiative, sinngemäß übersetzt bedeutet das „zu gut für die Tonne“. Die Initiative stammt aus Dänemark, inzwischen gibt es sie auch in 300 deutschen Städten. Hamm gehört dazu.

Kern des Angebots ist eine App fürs Handy, mit deren Hilfe übrig gebliebene Lebensmittel aus Restaurants, Bäckereien und Supermärkten verkauft werden – zu reduzierten Preisen. „Emptings Backstube“ war das erste Unternehmen in Hamm, das bei „Too Good To Go“ teilnahm. „Ich habe im Fernsehen gesehen, wie viel weggeschmissen wird. Das ist so nicht in Ordnung“, sagt Inhaber Ludger Johannes Kapschak. Daher beschloss er, sich anzuschließen.

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Zehn Millionen Tonnen im Müll

Weggeworfen werden allein in Deutschland 18 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr. 10 Millionen Tonnen davon landen im Müll, obwohl sie noch genießbar sind. Das ergab eine Studie im Auftrag von WWF von 2018. Weltweit werden laut Boston Consulting Group jährlich 1,6 Milliarden Tonnen Essen im Wert von über einer Billion Euro weggeworfen.

Was das bedeutet? Laut Verbraucherzentrale zum Beispiel, dass weltweit 30 Prozent der Anbaufläche unnötig bewirtschaftet wird, weil das Essen weggeschmissen wird. Dabei entsteht unnötig Kohlenstoffdioxid: beim Anbau, beim Transport, bei der Entsorgung. Laut Verbraucherzentrale verursacht vermeidbarer Lebensmittelmüll der EU jährlich so viel CO2 wie die Niederlande. Klimawandelexperte Chad Frischmann meint: „Lebensmittelverschwendung zu reduzieren ist eines der wichtigsten Dinge, die wir gegen den Klimawandel tun können.“

Diese Hammer Anbieter sind dabei:

Das versucht auch „Too Good To Go“. In Hamm können über die App Lebensmittel von drei Anbietern gerettet werden: Neben Emptings Backstube sind das die „Nordsee“ und das indische Restaurant „Maharani“.

Kunden kaufen in der TGTG-App eine Art Wundertüte: Die Verkäufer wissen nicht, was am Ende des Tages übrig bleibt. Aber was es auch ist, sie geben es weiter. Die Wundertüte von Emptings Backstube kostet 3,90 Euro. „Ein Brot, verschiedene Brötchen und Süßwaren sind auf jeden Fall drin“, sagt Kapschak.

TGTG auch gute Werbung

Nicht nur aus Liebe zur Umwelt machen die Unternehmer bei TGTG mit. „Für uns ist das natürlich auch gute Werbung. Die TGTG-Zielgruppe ist eine andere als unsere Stammkunden. Sie können unsere Gerichte probieren und kommen auch oft außerhalb von ,Too Good To Go’ wieder“, sagt Alex Wahi, Inhaber von Maharani.

Die Unternehmer meinen, dass ihnen Too Good To Go nur Vorteile bringt. „Es gibt keine Nachteile, keine einschränkenden Richtlinien, keinen Mehraufwand. Ich verstehe nicht, wieso nicht mehr Läden in Hamm bei TGTG teilnehmen. Alle sehen zu, aber keiner macht was gegen Lebensmittelverschwendung“, sagt Kapschak.

"Sind doch eine Studentenstadt"

Auch Wahi wünscht sich, dass mehr Hammer Gastronomen bei TGTG teilnehmen. „Wir sind doch eine Studentenstadt – die Nachfrage der Studenten bei so etwas wie TGTG ist hoch. Meine Gerichte, die ich auf TGTG anbiete, sind immer sofort ausverkauft. Von der hohen Nachfrage könnten auch andere Restaurants profitieren.“ Außerdem sei das Konzept von Too Good To Go simpel. „Das Essen haben wir sowieso übrig. Gezahlt wird im Voraus über die TGTG-App. Die Kunden kommen abends und holen sich die Wundertüte ab“, erzählt Wahi.

 

Das kostet das Angebot:

Bei Nordsee können Lebensmittelretter zwischen einer Box mit Hauptgericht für 3,50 Euro oder einer Box mit Kleinigkeiten für 2,90 Euro wählen. „Maharani kocht für die TGTG-Nutzer eine frische indische Mahlzeit aus übrig gebliebenen Zutaten“, erklärt Wahi.

Der Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist also nicht hoffnungslos. In Hamm retten sowohl Maharani als auch die Nordsee rund 100 Portionen monatlich. Emptings Backstube kommt in ihren vier Filialen auf knapp 200 Tüten, die monatlich vom Müll verschont bleiben. Und es wird mehr, sagen die Unternehmer.

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